Trump setzt bei Waffenlieferung an Taiwan auf strategische VerwirrungDer US-Präsident macht fast täglich neue und häufig widersprüchliche Bemerkungen dazu, ob und wann er Taiwan weitere Waffen liefern will.22.05.2026, 17.30 Uhr3 LeseminutenTaiwanische Soldaten präsentieren einen Abrams-Kampfpanzer aus amerikanischer Produktion. Washington lieferte diese Panzer in den letzten Monaten, bestellt wurden sie vor Jahren.Ang Wang / ReutersIn Sachen Taiwan galt in der amerikanischen Politik seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit China 1979 der Grundsatz der «strategischen Ambiguität». Damit war gemeint, dass Washington offenlässt, ob es im Kriegsfall Taiwan militärisch zur Seite stehen würde. Damit sollte einerseits Taipeh von Provokationen und andererseits Peking von einem Angriff auf die demokratisch regierte Insel abgehalten werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Waffen werden erst nach Jahren geliefertIn den Zeiten von Donald Trump scheint der Ansatz aber «strategische Verwirrung» zu heissen. Die jüngste rhetorische Nebelpetarde warf am Donnerstag Hung Cao, der kommissarische Marineminister, bei einer Anhörung im Kongress. Er sagte, man lege bei Waffenlieferungen an Taiwan eine Pause ein, um sicherzustellen, dass man über genügend Munition für die Operation «Epic Fury» – den Krieg gegen Iran – verfüge.Die Aussage ist per se irreführend. Die angesprochene Waffenlieferung im Wert von 14 Milliarden Dollar ist noch gar nicht vom Präsidenten freigegeben worden. Und selbst wenn der Entscheid positiv ausfällt, wird es Jahre dauern, bis die ersten Waffen geliefert werden. Auf das verfügbare Arsenal der amerikanischen Streitkräfte im laufenden Krieg hat das Waffenpaket also keinen Einfluss.Taiwan wartet auf amerikanische Waffen und Munition im Wert von fast 30 Milliarden Dollar. Diese wurden von der Regierung in Washington genehmigt, von Taiwan budgetiert, aber noch nicht oder erst zum Teil geliefert. Der Rückstand ist im Dezember letzten Jahres noch einmal gestiegen, als Präsident Trump eine Tranche von 11 Milliarden Dollar genehmigte.Ob die Aussage von Hung Cao die Sicht des Präsidenten spiegelt, muss sich zeigen. Eine Sprecherin des taiwanischen Präsidentenamtes sagte am Freitag in Taipeh, dass man über keine Verzögerungen informiert worden sei.Trump selbst hat in den letzten Wochen selbst viel zur Verwirrung beigetragen. So nannte er vor einer Woche in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox die amerikanischen Waffenverkäufe ein «starkes Faustpfand». Ob er dieses gegen Taipeh oder gegen Peking verwenden will, ist eine der vielen Unklarheiten in Trumps Verwirrspiel.