PfadnavigationHomePS WELTAuto-News„Der Rechner ersetzt nicht die Straße“Qualitätsmanager Thierry Charvet von RenaultStand: 11:31 UhrLesedauer: 3 MinutenThierry Charvet, Qualitätsmanager von RenaultQuelle: SP-X/Hanno BoblenzRenault hat den neuen Elektro-Twingo extrem schnell auf die Straße gebracht. Der oberste Qualitätsmanager der Franzosen erklärt, warum das nicht zulasten der Qualität gehen soll und was das für künftige Modellzyklen bedeutet.SP-X/Novo mesto. Der Renault Twingo E-Tech Electric soll beweisen, dass neue Fahrzeuge sehr viel schneller auf die Straße kommen können als bisher üblich. Wir fragen Thierry Charvet, Renaults Chief Industry, Quality and Supply Chain Officer, ob das der neue Maßstab für die europäische Automobilindustrie wird und wie sich das auf die Qualität der Fahrzeuge auswirkt. F: Der neue Twingo wurde in rund 21 Monaten entwickelt. Das ist gut ein Jahr schneller als bisher üblich. Wird ein solches Tempo künftig normal?A: Alle Hersteller werden ihre Entwicklungszeiten neu bewerten müssen. Das hängt natürlich davon ab, wie neu ein Auto technisch wirklich ist. Eine ganze Plattform lässt sich nicht in derselben Zeit auf die Räder stellen lassen. Ist die technische Basis aber bereits vorhanden, können Karosserie, Innenraum und Design deutlich schneller erneuert werden. Genau dort müssen Hersteller künftig ansetzen.F: Warum steigt der Druck?A: Vor allem wegen der Konkurrenz aus China. Dort sehen wir, dass die chinesischen Automobilhersteller in sehr kurzer Zeit neue Modelle bringen und ihre Technik während des Lebenszyklus immer wieder verändern. Das betrifft zum Beispiel Batteriezellen oder Effizienz. Darauf müssen wir reagieren. Es geht also nicht nur darum, Autos im neuen Design zu produzieren, sondern auch um die Fähigkeit, Technik im laufenden Modellzyklus weiterzuentwickeln.F: Werden Modellwechsel dadurch häufiger?A: Ja, das kann passieren. Früher waren lange Modellzyklen auch eine Folge langer Entwicklungszeiten. Verkürzt sich die Entwicklungsphase, können auch neue Modelle schneller kommen. F: Kann ein Hersteller das logistisch überhaupt beherrschen? Er muss dann beispielsweise mehr Ersatzteile vorhalten, da die Autos ja trotzdem lange auf der Straße sind.A: Entscheidend ist immer, die Komplexität zu beherrschen. Wenn man schneller neue Modelle auf den Markt bringt, darf man nicht gleichzeitig die Vielfalt im Inneren explodieren lassen.F: Was heißt das konkret?A: Vielfalt ist ein Kosten-, Qualitäts- und Ersatzteilthema. Hat ein Modell verschiedene Antriebe, wird es kompliziert. Entstehen dagegen mehrere Baureihen auf derselben Plattform, mit derselben Technik und vielen gleichen Teilen, lässt sich Tempo besser beherrschen. Das ist eine Lehre aus China: Die Vielfalt innerhalb eines Modells ist dort oft deutlich geringer.F: Haben Kunden also künftig weniger Auswahl?A: Bei Elektroautos stellt sich die Frage anders als bei Verbrennern. Da musste man viele Leistungsstufen, Getriebe- und Antriebsvarianten anbieten. Beim Elektroauto liegen die Unterschiede stärker bei Batteriegröße und somit der Reichweite. Dazu kommen verschiedene Ausstattungen. Kurz: Technisch wird es vermutlich weniger Auswahl geben, optisch dank schneller Modellwechsel dagegen schon.F: Autos werden immer stärker zu Software-defined Vehicles. Was bedeutet das für die Qualitätssicherung?A: Software erhöht die Komplexität enorm. Die Herausforderung ist, die Qualität trotzdem zu steigern. Deshalb sichern wir Funktionen heute viel früher digital ab. Wir testen Software nicht erst im fertigen Auto, sondern lassen zentrale Steuergeräte und Komponenten in Prüfständen miteinander kommunizieren und spielen dort viele Szenarien durch.F: Reicht das?A: Natürlich nicht. Man entdeckt damit sehr schnell, wo es hakt. Aber man findet nicht jeden Sonderfall. Jeder Kunde nutzt sein Auto anders. Deshalb müssen wir die Fahrzeuge weiterhinunter realen Bedingungen erproben, ergänzend zur digitalen Absicherung. Der Rechner hilft enorm, aber er ersetzt die Straße nicht.
Qualitätsmanager Thierry Charvet von Renault - WELT
Renault hat den neuen Elektro-Twingo extrem schnell auf die Straße gebracht. Der oberste Qualitätsmanager der Franzosen erklärt, warum das nicht zulasten der Qualität gehen soll und was das für künftige Modellzyklen bedeutet.







