In atemberaubenden Tempo treibt der weltweite Aufstieg der Künstlichen Intelligenz die Gewinne der Unternehmen dahinter in die Höhe. Nvidia hat in den ersten drei Monaten des Jahres mit 58 Milliarden Dollar mehr als drei Mal so viel verdient wie vor einem Jahr. Samsung Electronics konnte im gleichen Zeitraum seinen Gewinn fast verachtfachen. Die KI ist für viele Konzerne eine Goldader geworden. Der Arbeitskampf, in dem Samsung nun in buchstäblich letzter Minute einen Streik abgewendet hat, der weit über das Unternehmen hinaus Folgen gehabt hätte, steht exemplarisch für die neuen Verteilungskämpfe, die die munter sprudelnden Gewinne nun wecken.Mit der geballten Kraft ihrer 48.000 Mitglieder haben die Gewerkschaften durchgesetzt, dass jeder Mitarbeiter in der Chip-Sparte Boni von bis zu 340.000 Euro bekommen könnte. Doch die Einigung auf der einen Seite ruft sogleich Protest von der anderen Seite hervor: Aktionärsvertreter wollen gegen die Vereinbarung klagen, weil sie ihre Dividenden in Gefahr sehen. Das Samsung-Management steht vor der nicht kleinen Herausforderung, beide Seiten zufriedenzustellen und gleichzeitig ausreichend Mittel für wichtige Zukunftsinvestitionen im Unternehmen zu halten. Die Technik hinter der KI entwickelt sich rasant weiter. Wie schnell man im Wettbewerb zurückfällt, hatte Samsung in den vergangenen drei Jahren selbst erlebt, als der Lokalrivale SK Hynix mit seinen für die KI wichtigen HBM-Chips technisch weit enteilt war.Koreas Präsident Lee Jae-myung in der BredouilleDen eigentlich weit am linken Rand stehenden koreanischen Präsidenten Lee Jae-myung hat der Arbeitskampf bei Samsung in eine Bredouille gebracht. Einerseits sprach er sich freilich für die erst vor wenigen Jahren gestärkten Arbeitnehmerrechte aus. Andererseits kritisierte er die Bonus-Forderungen als „exzessiv“ und warnte sogar davor, Geld aus dem Unternehmen zu ziehen, das eigentlich den Aktionären zustünde.Auch wenn die beiden Chipriesen Samsung und SK Hynix für die Wirtschaftsleistung des Landes enorm wichtig sind. Unmittelbar in der Chipbranche beschäftigt sind nur 1,5 Prozent der Koreaner. Mit Blick auf die Wähler ist der Regierung daher nun eine andere Idee gekommen: Einer der wichtigsten Berater des Präsidenten brachte eine „Übergewinnsteuer“ ins Spiel, die den Koreanern eine „Volksdividende“ aus den KI-Milliarden einbringen sollte. Goldadern wecken viele Begehrlichkeiten.