Eine Anklage gegen Raúl Castro, verschärfte Sanktionen und ein Flugzeugträger in der Karibik: Der amerikanische Präsident erhöht den Druck auf Kuba und erwägt eine militärische Intervention. Aber wie im Nahen Osten sind seine Optionen mit hohen Risiken verbunden.22.05.2026, 05.35 Uhr4 LeseminutenViele Menschen in Kuba erhalten kaum noch Strom: Dieser Fischer kocht mit einer Stirnlampe heisses Wasser für ein Bad.Norlys Perez / REUTERSSeit Monaten leidet Kuba unter einem Erdölembargo der USA. Viele Menschen auf der Karibikinsel erhalten Elektrizität nur noch ein bis zwei Stunden pro Tag. Dennoch hat das kommunistische Regime in Havanna bisher kaum Konzessionen gegenüber Washington gemacht. Der amerikanische Präsident Donald Trump scheint deshalb die Geduld zu verlieren. Wie «Politico» am Montag berichtete, prüft das Weisse Haus derzeit militärische Optionen, darunter auch eine Invasion. Die Administration sei offener für eine Intervention als zuvor, heisst es aus Regierungskreisen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Um dies auch Havanna zu signalisieren, traf am Mittwoch der amerikanische Flugzeugträger USS «Nimitz» in der Karibik ein. Am Dienstag erhob das amerikanische Justizministerium zudem eine Anklage gegen den 94-jährigen Raúl Castro. Der Bruder des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro bekleidet zwar kein offizielles Amt mehr, zieht im Hintergrund aber immer noch die Strippen. Washington macht ihn für den Abschuss von zwei Kleinflugzeugen über internationalen Gewässern verantwortlich, die sich im Februar 1996 in der Karibik auf einer humanitären Mission befanden. Bei dem Abschuss wurden drei amerikanische Staatsbürger getötet. Bei einer Festnahme und einer Verurteilung würden Castro lebenslanges Gefängnis oder die Todesstrafe drohen.Rubio verspricht «ein neues Kuba»Mit der Anklage scheint Trump dem Venezuela-Drehbuch zu folgen. Am 3. Januar nahm ein amerikanisches Sonderkommando den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro fest. Nun wartet er in einem Gefängnis in den USA auf seinen Prozess. «Präsident Trump sendet ein klares Signal an Raúl Castro: Schau dir Maduro an», erklärte die kubanischstämmige Kongressabgeordnete María Elvira Salazar gegenüber dem «Wall Street Journal». Die Botschaft sei eindeutig: «Wenn du nicht wie er (Maduro) enden willst, dann verschwinde (von der Macht).»In einem Video am Tag der kubanischen Unabhängigkeit von Spanien verschärfte auch der amerikanische Aussenminister Marco Rubio am Mittwoch die Tonlage gegenüber Havanna. Der kubanischstämmige Politiker wandte sich in seiner spanischen Muttersprache direkt an das Volk in der ehemaligen Heimat seiner Eltern. Dabei kritisierte Rubio vor allem das vom Militär geführte und von Castro gegründete Firmenkonglomerat Gaesa, das bis zu 70 Prozent der Wirtschaft kontrolliert. «Präsident Trump offeriert Kuba eine neue Beziehung. Aber diese muss direkt mit euch, dem kubanischen Volk, sein. Nicht mit Gaesa», erklärte Rubio.Trump wolle ein neues Kuba, in dem jeder gewöhnliche Bürger unabhängig von Gaesa eine Tankstelle, eine Bank oder eine Zeitung besitzen könne, meinte Rubio und fügte hinzu: «Ein neues Kuba, in dem ihr eine reale Chance habt, die Leute zu wählen, die euer Land regieren. Und sie abzuwählen, falls sie keine gute Arbeit leisten.» Amerika sei bereit, ein neues Kapitel «zwischen unseren Völkern und Ländern» aufzuschlagen. «Die einzigen, die sich einer besseren Zukunft in den Weg stellen, sind jene, die euer Land regieren.» Der amerikanische Aussenminister stellte damit klar, dass sein ultimatives Ziel in Kuba ein Regimewechsel ist.Havanna warnt vor einem «Blutbad»Allerdings verhandelt Washington gleichzeitig weiterhin mit dem Regime in Havanna. Kürzlich war der CIA-Direktor John Ratcliffe in Kuba zu Besuch und traf sich mit dem Castro-Enkel Raúl Rodriguez Castro. Er forderte von der kubanischen Führung einen «fundamentalen Politikwechsel». Unter anderem forderte Ratcliffe angeblich, dass Havanna seine freundschaftlichen Beziehungen und insbesondere die geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Russland und China beendet. Kuba dürfe nicht mehr als sicherer Hafen für die Feinde der USA dienen, soll Ratcliffe seinen Gastgebern in Havanna erklärt haben.Doch bisher scheint das kubanische Regime keine grossen Konzessionen machen zu wollen, obwohl die USA den wirtschaftlichen Druck in den vergangenen Wochen weiter erhöhten. Am 7. Mai verfügte Trump neue Sanktionen gegen Gaesa und mit ihm verbandelte Personen. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel warnte Washington am Montag vor einer militärischen Intervention. Diese werde zu «einem Blutbad und unkalkulierbaren Folgen» führen, schrieb er auf X.Trump steht nun vor einer schwierigen Entscheidung. Ein erfolgreicher Regimewechsel in Havanna könnte seine aussenpolitische Bilanz aufbessern, nachdem er im Krieg gegen Iran bisher keines seiner Ziele erreicht hat. Aber allein mit wirtschaftlichem Druck scheint ein fundamentaler Wandel in Kuba nur schwer zu erreichen sein. Ein Kompromiss mit dem Regime, der nur zu moderaten Reformen führt, wäre für die Exilkubaner in den USA eine Enttäuschung. Sie wollen, dass Castro und seine Familie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.Auch ein Mittelweg wie in Venezuela scheint in Kuba weniger praktikabel. In Caracas fanden die USA mit der Vizepräsidentin Delcy Rodríguez eine einflussreiche Figur des Regimes, die zur Kooperation mit Washington bereit war. Womöglich könnten freie Wahlen in naher Zukunft zu einem tiefgreifenderen Wandel führen. In Havanna verhandelt Washington bisher vor allem mit dem Castro-Enkel. Ein Abkommen mit ihm würde das alte Regime erhalten, ohne Hoffnung auf baldige Wahlen.Im Gegensatz zu Maduro bekleidet Raúl Castro zudem kein offizielles Amt mehr. Eine gewaltsame Festnahme des 94-Jährigen durch ein Sonderkommando hätte vermutlich nicht den gleichen Effekt. Castro würde sich kaum ergeben, erklärte der frühere mexikanische Aussenminister und Historiker Jorge Castañeda dem «Wall Street Journal». «Er würde sich selbst erschiessen.»Für eine grossangelegte Intervention oder gar eine Invasion haben die USA bisher aber noch nicht genügend Militär in die Region verlegt. Daran ändert die Ankunft eines Flugzeugträgers wenig. Ein beträchtlicher Teil der amerikanischen Streitkräfte ist immer noch im Nahen Osten gebunden. Ein Regimewechsel lässt sich auch in Kuba nicht einfach erzwingen. Iran könnte für Trump auch eine Warnung sein.Passend zum Artikel