Kuba ist offiziell das Öl ausgegangen. Derweil macht Donald Trump neuen Druck auf die KaribikinselIn Havanna ist es aufgrund der Blackouts zu Protesten gekommen. Am Donnerstag besuchte der CIA-Chef John Lee Ratcliffe Havanna. Zudem kursieren Gerüchte, wonach die amerikanische Justiz den Revolutionsführer Raúl Castro anklagen will.15.05.2026, 07.47 Uhr5 LeseminutenEinwohner von Havanna haben aus Protest auf einer Strasse Feuer gelegt.Ramon Espinosa / APIn den Machtpoker um Kubas Zukunft ist wieder Bewegung gekommen. Am Donnerstag traf sich der Direktor der CIA, John Lee Ratcliffe, in Havanna mit Vertretern der kubanischen Regierung. Angesichts der katastrophalen Versorgungs- und Wirtschaftslage der Insel bleibe Kubas Regime nur ein kleines Zeitfenster, um mit der amerikanischen Regierung einen Dialog aufzubauen, warnte Ratcliffe laut Medienberichten die Kubaner.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gleichzeitig verwies Ratcliffe auf die US-Militäraktion, mit der Venezuelas Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar entmachtet wurde – ein Fingerzeig, dass Kubas Regime Donald Trumps Drohungen besser ernst nehme. Trump wirft Kuba vor, durch seine Zusammenarbeit mit China, Russland, Iran sowie den Terrorgruppen Hamas und Hizbullah die nationale Sicherheit der USA zu bedrohen. Kuba sei das nächste Ziel, sobald man mit Irans Regime fertig sei, drohte Trump.Amerikanische Medien haben immer wieder über russische und chinesische Abhörposten auf der Karibikinsel spekuliert. Zudem hatte Trump Kuba auf die Liste der Terrorismus unterstützenden Länder gesetzt. Die kubanische Regierung versicherte Ratcliffe am Donnerstag, dass es auf der Insel keine ausländischen Militärbasen gebe. Zudem finanziere oder dulde man weder terroristische noch extremistische Organisationen. Es gebe deshalb keinen Grund, dass Kuba auf der amerikanischen Terrorliste stehe.Parallel zum Besuch von Ratcliffe baute Washington am Donnerstag weiteren Druck auf Kubas Führung auf. So berichteten amerikanische Medien über eine bevorstehende Anklage gegen den 94-jährigen kubanischen Ex-Präsidenten Raúl Castro. Darin geht es um den Abschuss von zwei Kleinflugzeugen der exilkubanischen Organisation «Hermanos al Rescate» vor dreissig Jahren. Die Organisation war bekannt dafür, Flugblätter mit regimekritischen Botschaften über der Insel abzuwerfen.Kubas Luftwaffe schoss die zwei Kleinflugzeuge im Februar 1996 ab, wobei vier Personen, unter ihnen drei Amerikaner, getötet wurden. Laut Havanna waren die Flugzeuge in Kubas Luftraum eingedrungen. Ermittlungen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ergaben jedoch, dass sich die Maschinen ausserhalb des kubanischen Luftraums befunden hatten. Raúl Castro war zum Zeitpunkt des Vorfalls Kubas Verteidigungsminister.Gegen den alten Revolutionsführer und Bruder des legendären Fidel Castro vorzugehen, wäre äusserst brisant. Castros Enkel Raúl Guillermo Rodríguez Castro soll laut Medienberichten federführend in die Gespräche mit den USA involviert sein. Er gilt als rechte Hand seines Grossvaters. Während die exilkubanische Gemeinde in den USA die Verurteilung von Raúl Castro verlangt, ist dessen Auslieferung an die USA für Kubas Regierung undenkbar.Der CIA-Direktor John Ratcliffe (links) traf am Donnerstag in Havanna hochrangige kubanische Funktionäre und den Enkel von Raúl Castro zu Gesprächen über Wirtschafts- und Sicherheitsfragen.CIA / ImagoKuba hat kein Öl mehrRatcliffes überraschender Besuch erfolgt einen Tag nach der Erklärung von Kubas Energieminister Vicente de la O Levy, dass sämtliche Treibstoffreserven aufgebraucht seien. «Rohöl, Benzin – davon haben wir absolut nichts mehr, und Diesel – davon haben wir ebenfalls absolut nichts mehr – ich wiederhole mich: absolut nichts», sagte der Minister am Mittwoch gegenüber der Presse. Kubas Energiesituation habe angesichts der US-Ölblockade einen kritischen Moment erreicht. «Das Einzige, was wir haben, ist Gas aus unseren Quellen, wo die Produktion gestiegen ist.»Die USA hatten nach der Festnahme Maduros die Öllieferungen Venezuelas an Kuba unterbunden. Auch Mexiko, das neben Venezuela in den vergangenen Jahren die Ölversorgung Kubas gewährleistet hatte, stellte seine Lieferungen nach Drohungen Trumps ein. Dieser hatte Ende Januar Sanktionen gegen alle Länder angekündigt, die Kuba weiterhin mit Öl belieferten.Allerdings erlauben die USA Öleinfuhren durch private Unternehmen. Da ein grosser Teil der kubanischen Wirtschaft jedoch in staatlicher Hand ist, machen diese Lieferungen nur kleine Mengen aus: Für Februar und März dieses Jahres wurden sie auf 30 000 Barrel geschätzt. Daneben erreichte Anfang April ein russischer Tanker mit rund 730 000 Barrel die Insel – offenbar mit amerikanischer Billigung.Der Ölmangel legt neben dem Verkehr grosse Teile der Stromproduktion lahm. So kam es jüngst zu immer längeren Abschaltungen. In der Hauptstadt Havanna protestierten am Mittwoch Einwohner, indem sie auf Kochtöpfe und Pfannen schlugen. Zudem wurden Strassen mit brennenden Barrikaden blockiert. Es blieb jedoch friedlich. Kuba geht auf den Sommer zu, die Temperaturen liegen bereits oft über 30 Grad. Dramatisch ist dann der Ausfall von Klimaanlagen, Kühlschränken und Wasserpumpen.Am Mittwoch wandte sich Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel an die Bevölkerung. Zur nächtlichen Spitzenlastzeit gebe es ein Defizit von rund 2000 Megawatt, erklärte er. «Diese dramatische Verschärfung hat eine einzige Ursache: die genozidale Energieblockade, der die USA unser Land unterwerfen, und die irrationalen Zölle, mit denen sie jeder Nation drohen, die uns mit Treibstoff beliefert», schrieb Díaz-Canel.Regierung und Medien in den USA wollten die schlechte Versorgungslage seiner Regierung anhängen, sagte Díaz-Canel. Dabei habe die kurzzeitige Lockerung der amerikanischen Sanktionen vor einigen Jahren gezeigt, wie sehr beide Länder von besseren Beziehungen profitieren könnten, schrieb er in Anlehnung an die diplomatische Tauwetterperiode unter US-Präsident Barack Obama in den Jahren 2014 bis 2016. Damals waren Millionen von amerikanischen Touristen nach Kuba gekommen und hatten die Wirtschaft angekurbelt.«Solche Verbesserungen sind es, die eine kleine Gruppe von Ultrarechten in Angst und Schrecken versetzen, die die Politik gegenüber Kuba gekapert haben und bewusst und zynisch über die kubanische Realität lügen oder Desinformationen verbreiten, während sie gleichzeitig mehr Unterdrückung und Bedrohungen gegen unser Volk fordern», schrieb Díaz-Canel. Doch Kuba werde auch die derzeitige Krise meistern.La situación del Sistema Electroenergético Nacional es particularmente tensa en los últimos días. Para la jornada de hoy se pronostica un déficit de más de 2 mil MW en el horario de máxima demanda o pico nocturno.Ese dramático agravamiento tiene una única causa: el genocida…— Miguel Díaz-Canel Bermúdez (@DiazCanelB) May 13, 2026 USA bieten Hilfspaket anExperten sind sich uneins, welche Ziele Präsident Trump in Kuba verfolgt. Zwar prangern Menschenrechtler und Exilkubaner seit langem die Repression auf der Insel an. So soll es über eintausend politische Gefangene geben. Trumps Interesse scheint hingegen eher darauf abzuzielen, sich mit Kubas Fall einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern. Zudem schielt er auf die Stimmen der rund 2 Millionen in den USA lebenden Kubanischstämmigen sowie anderer Latinos für die Zwischenwahlen im November.Allerdings hat die verheerende Lage in Kuba den USA auch viel Kritik eingebracht. So gefällt es auch grossen Teilen der kubanischen Exilgemeinde in den USA nicht, dass beispielsweise kubanische Spitäler nicht mehr voll funktionsfähig sind. Um klarzustellen, dass sich der amerikanische Druck gegen das Regime, nicht jedoch gegen die kubanische Bevölkerung richtet, hat Trump nun ein humanitäres Hilfspaket im Wert von 100 Millionen Dollar angeboten.Die Hilfsgüter sollen durch die katholische Hilfsorganisation Caritas und andere unabhängige Hilfsorganisationen verteilt werden. Zusammen mit dem Angebot von kostenlosem Satelliteninternet will man damit offenbar die Kontrolle der Regierung über Kubas Bevölkerung schwächen. «Es liegt nun am kubanischen Regime, unser Hilfsangebot anzunehmen oder lebensrettende Hilfe zu verweigern und sich letztlich vor dem kubanischen Volk für die Blockade dieser Hilfe zu verantworten», erklärte Washington am Mittwoch.Kubas Präsident Díaz-Canel deutete am Donnerstag an, dass seine Regierung die Hilfen annehmen könnte, sofern keine Bedingungen an sie geknüpft seien. Wenn Washington jedoch wirklich etwas gegen die Not auf der Insel tun wolle, wäre eine Aufhebung der US-Sanktionen sinnvoller.Passend zum Artikel