In letzter Sekunde ist im US-Bundesstaat Tennessee eine geplante Hinrichtung per Todesspritze gestoppt worden. Das Justizministerium von Tennessee teilte am Donnerstag mit, dass es dem medizinischen Personal in einem Gefängnis in Nashville nach mehreren Versuchen nicht gelungen sei, eine „geeignete Vene“ für die Verabreichung der tödlichen Medikamente zu finden. Das berichtet die New York Times. Ein Zugang sei gelegt worden, doch für den gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Zugang sei trotz mehrerer Versuche keine Vene gefunden worden.Der Mann war wegen dreifachen Mordes 1994 zum Tode verurteilt worden war. Die Anwälte des Mannes hatten in Eilanträgen um eine Verschiebung der Hinrichtung gebeten. Der Verurteilte sitzt bereits seit mehr als 30 Jahren im Gefängnis. Seine Anwälte versuchten bis zuletzt, mit einer DNA-Analyse seine Unschuld zu beweisen. Melanie Verdecia, die den Verurteilten neben anderen rechtlich vertritt, sagte: „Der Bundesstaat Tennessee foltert derzeit im Namen der Gerechtigkeit einen Mann, der seine Unschuld beteuert. So sollte unser System nicht funktionieren.“Die Bürgerrechtsorganisation „American Civil Liberties Union“ hatte laut New York Times erklärt, er wäre der erste Mensch seit mehr als einem Jahrhundert gewesen, der hingerichtet worden wäre, nachdem er sich vor Gericht selbst verteidigt hatte. In einem Gnadengesuch schrieben die Anwälte, er leide unter psychischen Erkrankungen, die „sein Verständnis seiner rechtlichen Lage und seiner bevorstehenden Hinrichtung beeinträchtigen“.Die Todesstrafe ist in den USA umstritten, bislang haben sie 23 der 50 US-Bundesstaaten abgeschafft. In mehreren anderen Bundesstaaten wird sie de facto nicht mehr vollstreckt. In Tennessee wurde zuletzt über die Tauglichkeit der Giftspritze debattiert. Sie ist US-weit die häufigste Hinrichtungsmethode. Der Bundesstaat hatte sämtliche Hinrichtungen für drei Jahre ausgesetzt, nachdem bekannt geworden war, dass er die tödlichen Injektionen nicht ordnungsgemäß auf Wirksamkeit geprüft hatte.Der Gouverneur des Bundesstaates, Bill Lee, zog kurz nach der Nachricht über die abgebrochene Hinrichtung Konsequenzen. Die Exekution werde für ein Jahr aufgeschoben, teilte sein Büro mit. Ein Gnadenersuchen des Verurteilten hatte Lee wenige Tage zuvor noch abgelehnt.