Wie schnell sich die Laune im Sport ändern kann, ist dieser Tage wieder bei der Eishockey-WM in der Schweiz zu erleben. Noch am Montag herrschte bei der deutschen Mannschaft Katzenjammer. Beim 1:6 gegen die Gastgeber – die dritte Niederlage im dritten Spiel – war sie regelrecht gedemütigt worden. Das Viertelfinale schien fast schon außer Reichweite.Aber am Mittwochabend sah das dann anders aus. „Wir gehen mit einem viel besseren Gefühl aus dem Spiel“, sagte Stürmer Frederik Tiffels nach dem ersten Punktgewinn beim 3:4 nach Penaltyschießen gegen die Vereinigten Staaten, „das sollte uns doch Mut machen.“Eine Runde TretbootDie erste gute Nachricht hatte es bereits am Dienstag gegeben, als die deutschen Spieler die Eishalle nicht betreten hatten. Als es darum ging, mal nicht an Eishockey zu denken und den Kopf freizubekommen, ging Tiffels beispielsweise eine Runde Tretboot fahren.Parallel dazu verlor Lettland – der vermeintliche Hauptkonkurrent um Platz vier in der Gruppe A – gegen Österreich. Das entspannte die Lage zusehends. Aber noch wichtiger war, dass die Deutschen am Tag darauf endlich selbst überzeugten und ihren ersten Punkt holten.Der könnte entscheidend sein: Gewinnen sie die letzten Gruppenspiele gegen Ungarn an diesem Freitag (16.20 Uhr), Österreich (Samstag, 20.20 Uhr) und Großbritannien (Montag, 20.20 Uhr, jeweils Pro Sieben und Magentasport), sollte es fürs Viertelfinale reichen.Durchgängig gut war die Stimmung aber dennoch nicht. Der späte Ausgleich der Amerikaner zum 3:3 sei irregulär gewesen, weil sich Torhüter Philipp Grubauer sicher war, den Puck vorher unter seiner Fanghand begraben zu haben, der Schiedsrichter aber nicht abpfiff. Die Amerikaner stocherten den Puck frei, kurz darauf lag er im Tor.Ärger bei Torwart Grubauer„Ich weiß nicht, wie lange ich die Scheibe festhalten soll“, ärgerte sich der Torwart. Auch darüber, dass Bundestrainer Harold Kreis nicht den Videobeweis anforderte. „Der Schiedsrichter hat gesagt, für so eine Aktion gibt es keine Challenge“, sagte Kreis später. Was stimmt, aber er hätte auf Torhüterbehinderung plädieren können, doch das hätten die Bilder nicht eindeutig hergegeben. Also wollte er bei einer erfolglosen Challenge keine Strafzeit für Spielverzögerung und gleich noch ein Gegentor riskieren.So ärgerlich das war, der Auftritt machte dennoch Mut. „Es hat sicherlich geholfen, dass wir mal in Führung gegangen sind“, sagte Verteidiger Kai Wissmann. Kapitän Moritz Seider schoss bereits nach einer Minute das 1:0 – und plötzlich war das Selbstvertrauen zurück. Bessere Entscheidungen und Pässe, mehr Kompaktheit und gegenseitige Unterstützung.Selbst als die Deutschen im zweiten Drittel 1:2 zurücklagen, brachen sie nicht ein. Tiffels und der bislang so glücklose Marc Michaelis drehten das Spiel wieder. Bis kurz vor Schluss sah es gar nach einem Sieg aus. Bis zum 3:3. Im Penaltyschießen holten die Amerikaner dann den Extrapunkt. Aber die Ausgangslage ist nun dennoch eine ganz andere, wie Tiffels sagte: „Jetzt haben wir einen Fuß in der Tür.“