Hat Europa gelernt, Krisen zu managen? Pandemie, Energiepreisschock, geopolitische Konflikte und Spannungen – jedes dieser Phänomene hat die Europäische Union vor neue Herausforderungen gestellt. Eine grundlegende Frage bleibt jedoch bislang unbeantwortet: Was geschieht, wenn äußere Ereignisse das wirtschaftliche Überleben einzelner Mitgliedstaaten unmittelbar bedrohen, während europäische Regelwerke zu langsam reagieren?

Die europäische Integration beruht auf der Zusammenarbeit souveräner Staaten, die schrittweise gemeinsame Regeln, einen Binnenmarkt sowie eine Währungsunion und eine politische Gemeinschaft – die Union – geschaffen haben. Gerade in der Energiepolitik hat sich jedoch wiederholt gezeigt, wie unterschiedlich die Ausgangsbedingungen der Mitgliedstaaten sind. Was für eine große Volkswirtschaft bewältigbar ist, kann für eine kleinere nahezu existenzielle Folgen haben.

Die Europäische Union importiert rund 58 Prozent ihres Energiebedarfs, bei Erdöl sogar mehr als 95 Prozent. Durch die Straße von Hormus im Nahen Osten werden täglich etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls transportiert – rund 17 Millionen Barrel pro Tag. Ein kriegerischer Zwischenfall, Piraterie, Minen oder eine Blockade dieser Route erschüttern seit nunmehr zwei Monaten den globalen und europäischen Energiemarkt erheblich.