Die Amerikaner bauen eine Drohkulisse gegen Kuba auf. Wie stark ist eigentlich das kubanische Militär?Amerikanische Geheimdienstberichte über die von der Insel ausgehende Drohnengefahr dürften dazu dienen, weiter Druck auf Kubas Regierung zu machen. Das Gleiche gilt für die Anklage gegen Raúl Castro.21.05.2026, 11.52 Uhr4 LeseminutenKubanische Soldaten nehmen am 24. Januar an einer Übung zur Territorialverteidigung teil.ACN via ReutersDroht ein kubanischer Angriff auf die USA? Kubas Militär soll mehr als 300 Angriffsdrohnen erworben haben, mit denen das kommunistische Regime den amerikanischen Militärstützpunkt Guantánamo Bay im Osten der Insel oder amerikanische Kriegsschiffe in der Karibik angreifen könnte. Das berichtet das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf zugespielte Geheimdienstinformationen. So sei sogar ein Angriff auf Florida möglich, das nur 90 Meilen von Kuba entfernt liegt, warnen die Geheimdienste.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kuba soll seit 2023 Drohnen von Russland und Iran erhalten haben, die an mehreren Orten auf der Insel gelagert seien, heisst es in dem Bericht. Zudem sollen die Amerikaner Gespräche abgehört haben, in denen die Kubaner Russland um die Entsendung weiterer Waffen gebeten haben. Kuba habe ausserdem von Iran Informationen angefordert, wie man dort die jüngsten amerikanischen und israelischen Angriffe abgewehrt habe.Washington behauptet zudem bereits seit Jahren, dass Russland und China Abhöranlagen auf Kuba installiert und gegen die USA gerichtet hätten. «Wir sind schon seit langem besorgt darüber, dass es äusserst problematisch ist, wenn ein ausländischer Gegner einen solchen Standort so nahe an unseren Küsten nutzt», erklärte Verteidigungsminister Pete Hegseth vor einigen Tagen im Kongress.Kuba spricht von falschen BehauptungenDie kubanische Regierung wehrte sich gegen die Anschuldigungen. Die USA würden falsche Behauptungen konstruieren, um wirtschaftliche Sanktionen oder gar einen militärischen Angriff auf Kuba zu rechtfertigen, erklärte Kubas Aussenminister Bruno Rodríguez. «Wie jedes andere Land hat auch Kuba das Recht, sich gegen äussere Aggressionen zu verteidigen. Dies wird als Selbstverteidigung bezeichnet und ist durch das Völkerrecht und die Uno-Charta geschützt», schrieb Rodríguez auf X.#Cuba, como toda nación del mundo, tiene derecho a su legítima defensa ante cualquier agresión externa. Es un principio reconocido por la Carta de la ONU y el Derecho Internacional.Quienes pretenden agredir ilegítimamente Cuba, se valen de cualquier pretexto, no importa cuán… pic.twitter.com/5UZct2ySOV— Bruno Rodríguez P (@BrunoRguezP) May 18, 2026 Kuba kommt im seit Januar laufenden Machtkampf mit Präsident Donald Trump derzeit immer stärker unter Druck. Dieser hat mehrfach einen Regimewechsel auf der Insel gefordert und das rasche Ende des kommunistischen Regimes prophezeit. Nachdem die seit Januar geltende amerikanische Erdölblockade Kubas Wirtschaft bereits an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat, erhöht Trump nun den Druck auf Havanna weiter.So reiste vor einer Woche der CIA-Direktor John Ratcliffe zu Gesprächen in die kubanische Hauptstadt. Dort warf er den Kubanern eine militärische Kooperation mit Iran, China und Russland sowie mit islamistischen Terrorgruppen vor. Kuba bestritt die Vorwürfe. Die an «Axios» weitergereichten Berichte über Angriffsdrohnen bringen nun auch militärischen Druck in den Disput.Eine kubanische Rakete aus dem Kalten Krieg in einem Militärmuseum in Havanna.Roberto Machado Noa / LightRocket / GettySo schwingt bei den amerikanischen Vorwürfen gegenüber Kuba stets die Drohung mit, dass die USA eine ähnliche Militäraktion gegen die Insel durchführen könnten, wie sie im Januar gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erfolgte. Dieser wurde von amerikanischen Spezialeinheiten gefangen genommen und in die USA gebracht. Im Falle Kubas könnte die politische Führung das Ziel einer solchen Militäraktion sein, aber auch die mutmasslichen Lagerstätten der Angriffsdrohnen sowie andere militärische Ziele.Doch wäre ein solcher Präventivschlag der USA angesichts der deutlichen Überlegenheit ihrer Streitkräfte überhaupt gerechtfertigt? Zu Zeiten des Kalten Kriegs galten Kubas Revolutionäre Streitkräfte als die stärkste Armee Lateinamerikas. An mehreren Auslandseinsätzen in Afrika zeigte sie ihre formidable Kampfkraft. Doch ist davon mittlerweile kaum noch etwas geblieben. Ein grosser Teil des Equipments stammt aus der Sowjetunion und ist längst veraltet oder gar nicht mehr einsatzfähig.Von Kubas Luftwaffe, die einst als die beste Lateinamerikas galt, soll laut Experten nur noch ein gutes Dutzend flugfähiger MiG-Kampfjets aus Sowjetzeiten übrig sein. Dass einige der alten Sowjethelikopter noch fliegen, wird bezweifelt. Auch Kubas Marine, die einst gar über sowjetische U-Boote verfügte, soll nur noch aus etwa einem Dutzend kleinerer Boote für die Küstensicherung bestehen. Hochseetaugliche Schiffe habe Kuba nicht mehr.Kubanische Zivilisten werden von militärischen Ausbildnern an der Waffe instruiert. Aufnahme vom März 2026.Norlys Perez / ReutersÄhnlich sieht es beim Heer aus, wo von den kolportierten bis zu 300 Kampfpanzern aus Sowjetzeiten – hauptsächlich museumsreife T-55 und T-62 – wohl nur noch etwa 100 fahrtüchtig sind. Bei der Luftabwehr setzt Kuba weiterhin auf S-125-Pechora-Systeme, sowjetische Raketen, die Anfang der sechziger Jahre in Dienst gestellt wurden. Im Jahr 2025 bestätigte Kuba, dass die Systeme durch Weissrussland modernisiert worden seien. Angeblich soll Kuba über 144 Startrampen verfügen. Ob das Land neben den kolportierten 300 Drohnen über weitere, für Angriffe auf die USA geeignete Waffen verfügt, ist nicht bekannt.Eine weitreichende Modernisierung seiner Streitkräfte konnte sich das unter chronischem Devisenmangel leidende Kuba seit Jahrzehnten nicht mehr leisten. Das Verteidigungsbudget entspricht etwa 0,3 Prozent des amerikanischen Verteidigungshaushaltes. So stehen der Insel nur arg begrenzte konventionelle militärische Fähigkeiten zur Verfügung. Die Revolutionären Streitkräfte verfügen derzeit über lediglich rund 50 000 aktive Soldaten sowie rund 40 000 Reservisten.Dagegen liegt Kubas militärische Stärke in seinem territorialen Verteidigungssystem, für das eine paramilitärische Truppe von über 1,1 Millionen Mann zur Verfügung steht. Zumindest in der Theorie. Denn seit 2020 haben wohl rund zwei Millionen Kubaner die Insel verlassen, hauptsächlich junge Männer. Zudem ist fraglich, wie gross die Bereitschaft der verbliebenen paramilitärischen Truppen ist, bei einer allfälligen Invasion tatsächlich gegen die Amerikaner kämpfen zu wollen.Während sich viele Kubaner ein Ende des Regimes herbeisehnen, werden die USA oft sehr positiv gesehen. Fast jede kubanische Familie hat Verwandte in den USA, die von dort Geld schicken. Neben mangelnder Moral dürfte auch der herrschende Treibstoffmangel auf der Insel Kubas militärische Fähigkeiten weiter einschränken.Die Castro-Brüder und Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel auf einer Plakatwand in Havanna.Norlys Perez / ReutersPassend zum Artikel
Die USA verstärken den Druck auf Kuba: Wie stark ist das Militär auf der Insel?
Amerikanische Geheimdienstberichte über die von der Insel ausgehende Drohnengefahr dürften dazu dienen, weiter Druck auf Kubas Regierung zu machen. Das Gleiche gilt für die Anklage gegen Raúl Castro.











