PfadnavigationHomeWissenschaftWie in „Jurassic Park“US-Unternehmen züchtet Küken in künstlichem Ei, das Dinosaurier zurückbringen sollStand: 07:21 UhrLesedauer: 3 MinutenSo sehen die künstlichen Eier aus: In dem gitterartigen Behältnis wuchsen bereits Küken heranQuelle: Colossal BioscienceEin künstliches Ei, achtmal größer als das eines Emus, soll künftig „Dinosaurier-Vögel“ hervorbringen. Ein US-Unternehmen experimentiert bereits mit Hühnerküken – jetzt gelang offenbar der Durchbruch. Experten üben Kritik.Die Idee kennt man aus dem Filmklassiker „Jurassic Park“. Colossal Biosciences ist ein amerikanisches Unternehmen. Die Firma betreibt Gentechnik und will ausgestorbene Tierarten wieder ins Leben zurückholen. Nun hat sie eine neue Technologie vorgestellt: ein künstliches Ei. Das Unternehmen berichtete in einer Mitteilung, dass aus den künstlichen Eiern erfolgreich 26 gesunde Hühnerküken geschlüpft seien. Die Erfindung soll dazu dienen, ausgestorbene Vögel künftig darin heranwachsen zu lassen. Vögel, die zu groß sind, um in einem Vogelei gezüchtet zu werden. Das Ei, das zum Heranwachsen dieser Vögel notwendig ist, ist etwa achtmal so groß wie das eines Emus. Das entspricht einer Länge von etwa 104 Zentimetern.Auf Instagram verkündet das Social-Media-Team der Firma den Erfolg: „Und ja … das könnte helfen, riesige ausgestorbene (Flug-)Saurier zurückzubringen.“ Und weiter: „Denn wir lassen den Riesenmoa der Südinsel wieder aufleben, und dessen Eier hatten etwa das 80-fache Volumen eines Hühnereis. Kein heute lebender Vogel könnte etwas so Massives ausbrüten. Das künstliche Ei hingegen schon. Die Zukunft des Vogelschutzes wird immer spektakulärer.“Das künstliche Ei besteht aus einer Membran aus Silikon, die sich in einer gitterartigen Form befindet. Die Membran funktioniere wie eine natürliche Eierschale. Das Material ermögliche auch einen Gasaustausch in vergleichbarer Geschwindigkeit wie eine biologische Eierschale, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Das künstliche Ei ist mit einem Fenster an der Oberseite ausgestattet, durch das Wissenschaftler den Vogel-Embryo beobachten können. Colossal Biosciences gab an, mithilfe dieser Technik Vogelarten zu unterstützen, deren Population bedroht ist. Doch es gibt Kritik. „Die Ankündigungen zum Beitrag des künstlichen Eis zum Vogelschutz halte ich für eine überhöhte Interpretation“, sagt Gernot Segelbacher. Er ist Naturschutzgenetiker an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Lesen Sie auchAußerdem sei es enorm schwierig, eine ausgestorbene Art einfach wiederzuholen. Lebe die Art wieder, fehle die entsprechende Nahrung, um eine ganze Population aufzubauen und zu erhalten. Zudem fehle der nötige Lebensraum. „Auch wenn wir im großen Stil züchten würden, beseitigen wir ja nicht die Ursachen für Rückgang und für das Aussterben der Arten“, fügt Segelbacher hinzu.Auch Michael Lierz ist skeptisch. Er ist Direktor der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Der Ansatz, künstliche Eier zu entwickeln, sei nicht neu. „Bisherige Systeme, die auch funktionieren, sind Plastikbecher mit Plastikfolie als Schalenersatz oder die Verwendung von Fremdeischalen. Diese Systeme gibt es schon länger“, so Lierz.Er fügt hinzu: „Colossal neigt dazu, seine Ergebnisse sehr überladen zu präsentieren.“ Jedoch sagt der Forscher ebenfalls, das Technologie-Know-how der Firma sei extrem groß.