Liebe Leserin, lieber Leser,

vor ein paar Tagen kam ich an einem Plakat vorbei, von dem herab ein bärtiges Gesicht mir mitteilte, Olympia sei der Schlüssel zu Hamburgs Zukunft. Die Formulierung hallte nach, während ich weiterfuhr. Die Zukunft ist abschließbar? Geschenkt. Aber was wird aus Hamburg, wenn, sagen wir, die hiesigen Bürgerinnen und Bürger Olympia zwar wollen, aber das Nationale oder das Internationale Olympische Komitee andere Städte vorzieht? Bleibt Hamburgs Zukunft dann auf immer verschlossen? Und stehen wir womöglich im Begriff, München, Berlin oder dem Ruhrgebiet den Weg in die Zukunft zu versperren oder zu eröffnen?

Zugegeben, es ist nicht ganz fair, Werbesprüche zu sezieren. Aber kann man sich Fairness im Angesicht dieser Kampagne noch leisten? Offensichtlich will das Olympialager diesen Disput nicht mit Argumenten gewinnen, sondern durch schieren Werbedruck. Gäbe es irgendwo ein Argument, das die begründete Skepsis beim Bund der Steuerzahler ausräumt, man läse es zweifellos überall. »Mir fehlt bei dieser Olympiadebatte vor allem eines: Ehrlichkeit und Transparenz bei den Zahlen«, sagt der Steuerzahler-Vorsitzende Sascha Mummenhoff. Stattdessen: Chancen, Hoffnung, Zukunft, Inklusion und strahlende Gesichter auf allen Plakatwänden. Anzeigen, Karten, Werbespots, Slogans, eine Drohnenshow, ein Bürgermeisterbrief. Die Wucht dieser Kampagne wirkt, als sollten Skeptiker einfach überrannt werden.