Sie habe gezögert, als sie vom Pfaueninsel-Verlag gefragt wurde, das Buch „Auf den Straßen Teherans“ vorzustellen, gibt die Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel zu. Da steht sie am Mittwochabend auf der Bühne des bis auf den letzten Platz besetzten Berliner Ensembles bei eben dieser Vorstellung des kürzlich in Deutschland erschienenen Buchs einer iranischen Autorin, die sich Nila nennt. Ein Pseudonym, das ihrem Schutz dient.

Sie habe gezögert, fährt Angela Merkel fort, nicht, weil sie Nilas Kampf für Freiheit und den der iranischen Zivilgesellschaft nicht unterstützenswürdig fände. „Aber ich fragte mich, ob ich für die Vorstellung eines solchen Buchs die Richtige sein konnte.“ Sie habe sich gefragt, was ihre Rolle dabei sein sollte.

Angela Merkel nennt Nila die Hauptperson dieses Abends, und sie bedauert es, dass sie sie nicht auf der Bühne begrüßen kann. Aber ihre Überlegungen gelten auch ihr selbst, ihrer Rolle als Politikerin und als Politikerin a.D., die sie seit viereinhalb Jahren ist. Sie denkt an die Zeit als Bundeskanzlerin, die mit den Verhandlungen befasst war, die 2015 zum Atomabkommen mit dem Iran führten. Und sie fragt, wie sehr die internationale Staatengemeinschaft den Menschen im Iran überhaupt hat helfen können. Dann ein Satz so überraschend, wie schonungslos: „Wenn wir ehrlich sind, wenig.“