Keir Starmer probierte einen Witz: Gleich zu Beginn der Mittwochsfragestunde im Unterhaus würdigte er „einen der großen Helden Manchesters, der nach neun Jahren im Job nun weiterziehen will“. Nein, er hatte nicht Andy Burnham gemeint. Manchesters Bürgermeister kandidiert nach neun Jahren im Amt nun für einen Sitz im Unterhaus, um anschließend Starmer die Führung von Partei und Nation streitig machen zu können.Stattdessen fuhr Starmer fort: „Lassen Sie mich Pep Guardiola gratulieren zu allen Erfolgen, die er mit dem Fußballclub Manchester City erzielt hat.“ Starmers Labour-Fraktion lachte und freute sich auf den Regierungsbänken hinter ihm, auch wenn mehr als ein Viertel ihrer Mitglieder im Lauf der vergangenen Woche öffentlich entweder den unverzüglichen Rücktritt ihres Anführers oder dessen Ankündigung verlangt hat.Einige Konturen im Führungsstreit der britischen Labour-Partei werden mittlerweile klarer: Burnham ist nun von der örtlichen Labour-Parteigliederung im Wahlkreis Makerfield ordnungsgemäß als Kandidat nominiert. Auch seine größte Konkurrenz, die rechtspopulistische Reform UK, hat ihren Bewerber bekannt gegeben: Robert Kenyon, ein selbständiger Klempner, der schon vor zwei Jahren bei der Unterhauswahl antrat. Damals hatte er mehr als 5000 Stimmen Rückstand auf den jungen Labour-Abgeordneten, der das Mandat gewann. Der hat jetzt seinen Platz geräumt, um Burnham die Kandidatur zu ermöglichen.Die Brandmauer der KonservativenKenyon wurde vom Reform-Parteivorsitzenden Nigel Farage als „Typ von hier“ vorgestellt – um einen Gegensatz zu Burnham zu markieren. Der stammt zwar nicht aus einem Ort im Wahlkreis Makerfield, aber doch aus der Gegend. Er ist im Großraum Manchester aufgewachsen und hat fast zwei Jahrzehnte einen Nachbar-Wahlkreis im Unterhaus repräsentiert.Ein Haus im Wahlkreis Makerfield im MaiAFPUnterdessen kam bei den Konservativen, die ebenso wie Liberaldemokraten und Grüne in Makerfield meist nur einstellige Stimmenprozente erzielen, die Forderung auf, keinen eigenen Kandidaten in der Nachwahl aufzustellen und eine Empfehlung zur Wahl Kenyons abzugeben. Die Anführerin der Konservativen, Kemi Badenoch, wies solche Überlegungen zurück, die unter anderen vom früheren „Minister für Brexit-Chancen“ Jacob Rees-Mogg geäußert worden waren. Badenoch bestand stattdessen auf einer Brandmauer: Es könne keine wie auch immer gearteten Absprachen mit Reform geben.Während Premierminister Starmer am Mittwoch stärkere Anstrengungen als üblich unternahm, gelöst, locker und zuversichtlich zu wirken, und beiläufig immer wieder an Erfolgskennzahlen seiner Regierung erinnerte, muss sein Herausforderer Burnham immer öfter Fragen beantworten, die sich an seiner möglichen künftigen Rolle als Regierungschef orientieren. Als Erster brachte der bisherige Gesundheitsminister Wes Streeting, der gleichfalls gegen Starmer um den Posten als Parteichef und Premierminister antreten will, seinen Konkurrenten in Zugzwang, indem er dafür plädierte, Großbritannien solle sich um die Rückkehr in die Europäische Union bemühen.Burnham verspricht SparsamkeitBurnham hatte sich im vergangenen Jahr ähnlich geäußert – er hoffe, eine Rückkehr in die EU noch zu erleben – tritt nun aber in einem Wahlkreis an, in dem vor einem Jahrzehnt bei der Brexit-Volksabstimmung fast zwei Drittel der Wähler für den Austritt plädierten. Nun äußerte der Wahlkreisbewerber Burnham, ein neuer Beitritt zur EU stehe gegenwärtig nicht zur Debatte.Andy Burnham am Monag in LeedsReutersEindeutiger legte er sich in der Frage fest, ob er als Labour-Premierminister die Staatsschulden über die Linie hinaus erhöhen werde, welche die gegenwärtige Schatzkanzlerin Rachel Reeves gezogen hat. Burnham, der zum linken Flügel Labours gerechnet wird, beteuerte sogleich, es bleibe bei der bisherigen Begrenzung, dass die Kreditaufnahme die Höhe der Investitionen nicht übersteigen dürfe.Der Labour-Kandidat in Makerfield versucht nun, sich vor allem auf politische Ankündigungen zu beschränken, die das Leben seiner Wahlkreisbürger betreffen. Aber dabei fordert er dann doch allgemein die Ansiedlung neuer Industrien im englischen Norden oder gar ein Sozialwohnungsbauprogramm für das ganze Land.Sanktionen gegen Russland sollen gelockert werdenStarmer seinerseits bemüht sich in London, Tatkraft zu demonstrieren. So kündigte der Labour-Regierungschef am Mittwoch ein Moratorium für die Mineralölsteuer an, die eigentlich turnusgemäß hätte steigen sollen. Außerdem teilte er mit, die Kfz-Steuer für Lastwagen werde ein Jahr ausgesetzt, der Agrardiesel für die Landwirtschaft werde gar ein Drittel weniger besteuert. Es wirkte, als beschere dem Premierminister der Abwehrkampf gegen die Konkurrenz aus der eigenen Partei einen neuen Elan.Mit einer Entscheidung kam er allerdings doch in Bedrängnis: Großbritannien wird die Sanktionen zum Kauf von russischen Ölprodukten, die in Drittländern veredelt wurden, vorübergehend aussetzen. Damit soll es wieder möglich werden, etwa aus Indien Flugbenzin zu beziehen.Oppositionsführerin Badenoch warf Starmer vor, er kündige auf diese Weise die Solidarität mit der Ukraine auf. Starmer rechtfertigte sich mit der Behauptung, die Sanktionen gegen Russland würden weiter verschärft, die Ausnahmen seien bloß „technische Anpassungen“. Das wollte Badenoch nicht gelten lassen. Sie entgegnete die Anschuldigung: „Sie finanzieren damit Russland, und Russland finanziert wiederum Reform UK.“