Der ehemalige österreichische Verfassungsschützer Egisto Ott ist wegen Spionage für Russland verurteilt worden. Die Geschworenen am Landesgericht Wien sahen es als erwiesen an, dass der 63 Jahre alte Ott als Komplize des geflüchteten ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek tätig war. Ott wurde auch wegen Amtsmissbrauchs schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft warf Ott vor, unter anderem Informationen zu Russen gesammelt zu haben, die aus ihrer Heimat geflohen waren.Der suspendierte Chefinspektor des damaligen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) stand schon seit 2017 im Fokus der Ermittler, da amerikanische Partnerdienste Österreich darüber informiert hatte, dass von einem privaten Email-Account Daten in Richtung Russland abflössen. Ott hatte damals offenbar in dienstlichen Systemen und über seine Kontakte ins Ausland Informationen über einen früheren Agenten des russischen FSB gesammelt, der sich in den Westen abgesetzt hatte.Verbindungen wurden nach Marsaleks Flucht deutlichAuch später – nachdem er zwischenzeitlich suspendiert und an die Sicherheitsakademie versetzt worden war – nutzte er seine Zugänge und Kontakte weiter für Ausforschungen. Zu den Betroffenen zählte etwa der bekannte Investigativjournalisten Christo Grozev, der unter anderem die Hintergründe des Skripal-Attentats in Großbritannien und der Ermordung Alexej Nawalnijs aufgedeckt hatte. Zudem soll er einen Sicherheitslaptop sowie die beschädigten Diensttelefone mehrerer ranghoher Mitarbeiter des österreichischen Innenministeriums an den FSB weitergegeben haben.Otts mittelbare Verbindung zu russischen Diensten wurde erst deutlich, als britische Ermittler an einen Datensatz mit zehntausenden Chatnachrichten gelangten, in denen der flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek mit einer Gruppe von Bulgaren kommunizierte. In den Nachrichten koordiniert der Österreicher Marsalek seine Helfer für verschiedene Missionen im Auftrag des FSB – etwa auch die Übergabe der Ministeriumstelefone und des Laptops an einer Adresse von Otts Familie in Wien. Ott ist mit Marsalek zumindest mittelbar verbunden, da sein früherer Vorgesetzter Martin Weiss, der sich inzwischen nach Dubai abgesetzt hat, für Marsalek tätig war.Ott hat die Vorwürfe vor Gericht bestritten. Er habe nicht für Moskau gearbeitet, sondern in Zusammenarbeit mit einem westlichen Dienst eine geheime Operation durchgeführt, erklärte er. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.