Die Kosten für den Führerschein sollen sinken. Dafür hat das Bundeskabinett am Mittwoch den Entwurf zur Änderung des Fahrlehrergesetzes beschlossen. Es sieht vor, sowohl die theoretische als auch die praktische Fahrausbildung zu verschlanken und zu digitalisieren. Außerdem sollen zahlreiche bürokratische Dokumentationspflichten sowie die Vorgabe zum Vorhalten von Schulungsräumen entfallen. Stattdessen sollen häufiger Simulatoren zum Einsatz kommen. „Die Ausbildung soll effizienter und moderner werden“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU).Aktuell liegen die Kosten für den Führerschein in Deutschland ihm zufolge im Schnitt bei 3400 Euro, je nach Region könnten sie aber auch bis zu 4000 Euro oder mehr betragen. „Das ist einfach zu teuer“, so der Minister. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände bestreitet Schnieders Zahlen: Demnach bestehen etwa 70 Prozent aller Fahrschüler sowohl die theoretische als auch die praktische Ausbildung im ersten Versuch, was die Kosten auf maximal 3000 Euro beschränke.So oder so: Das nun vom Kabinett beschlossene Reformpaket soll dafür sorgen, dass sie sinken. Wie teuer der Führerschein künftig werden soll, kann Schnieder jedoch nicht sagen. „Die Preise in Deutschland regelt der Markt“, so der Minister. Es sei „unseriös“, zum jetzigen Zeitpunkt eine Entwicklung zu prognostizieren. Der Staat könne weder Preise festlegen noch voraussagen, wohin sie sich entwickeln. Gleichwohl hatte er noch im Oktober 2025, als er seine Pläne erstmals vorstellte, von einer Vergünstigung um „mindestens mehrere Hundert Euro“ gesprochen. Dafür war er scharf kritisiert worden – und wiederholte die Aussage nun auch auf Nachfrage nicht.Und noch etwas ist seitdem passiert: Einer Umfrage des Lobbyverbands Moving zufolge ist die Nachfrage nach dem Führerschein regelrecht eingebrochen. 90 Prozent der befragten Fahrschulen meldeten demnach einen Rückgang, teilweise in Höhe von fast 60 Prozent. Die Rede ist sogar schon vom „Schnieder-Effekt“: Wenn absehbar ist, dass der Führerschein bald deutlich günstiger und zudem einfacher wird – warum sollte man ihn dann jetzt noch machen?Dementsprechend betonte der Minister am Mittwoch, man solle die Fahrstunden aufgrund der Reform bitte nicht aufschieben. „Ich kann nur jedem empfehlen, der einen Führerschein machen möchte, ihn sofort zu machen“, sagte Schnieder. Zumal ja auch noch völlig unklar sei, wann genau Bundestag und Bundesrat dem Gesetz zustimmen würden – und wie schnell die Preise dann fielen. Er selbst rechne damit, dass das Gesetz „Anfang 2027“ in Kraft treten könne.SPD befürchtet „Einschränkungen in der Qualität der Ausbildung“Nun aber startet erst einmal das parlamentarische Verfahren. Die Fachpolitiker der Fraktionen können es nutzen, um Schnieders Gesetzentwurf anzupassen und zu verbessern. Der eigene Koalitionspartner hat bereits angekündigt, das tun zu wollen. „Grundsätzlich begrüße ich, dass endlich ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung vorliegt“, sagt der SPD-Abgeordnete Truels Reichardt der Süddeutschen Zeitung. Insbesondere die Regeln zur Preis- und Qualitätstransparenz seien wichtig.Kritisch sieht er hingegen die drastische Reduktion von Sonderfahrten. Geht es nach Schnieder, sollen Fahrschüler künftig nur noch je eine Nacht-, eine Überland- und eine Autobahnfahrt absolvieren müssen – statt bislang mindestens zwölf. Der Minister begründet das damit, dass nach europäischem Recht gar keine vorgeschrieben sei; bei der Sicherheit würden keine Abstriche gemacht. Reichardt sieht das anders. „Hier befürchte ich Einschränkungen in der Qualität der Ausbildung und damit für die Verkehrssicherheit“, sagt er. „Den Rückgang von tödlichen Unfällen von Fahranfängern in den letzten Jahren dürfen wir nicht gefährden.“Grundsätzlich positiv bewerten sowohl die SPD als auch zahlreiche Verbände wie etwa der Auto Club Europa (ACE) eine sogenannte „Experimentierklausel“ im Gesetzentwurf: Künftig soll in Deutschland auch die Laienausbildung möglich sein, Fahrschüler sollen also auch in Begleitung etwa ihrer Eltern Fahrpraxis sammeln dürfen. Reichardt weist jedoch darauf hin, dass der Rahmen und die Evaluation dieses „Experiments“ bislang nicht festgezurrt seien.Unklar sei außerdem, welche Auswirkungen eine ausschließlich digitale Theorieausbildung auf die Qualität der Ausbildung habe. „Hier gibt es Einschätzungen, dass rein digitales Theorielernen dazu führt, dass Fahrschüler mehr Fahrstunden brauchen, um prüfungsreif zu werden“, so Reichardt. „Das könnte eine vermeintliche Kostenersparnis wieder wettmachen.“ Auch der ACE sieht hier Risiken. „Verkehrskompetenz entsteht nicht allein durch Klicks auf richtige Antworten“, sagt Führerscheinexperte Marc-Philipp Waschke-Deden. Gerade die gemeinsamen Diskussionen über Verkehrssituationen und das Einordnen von Risiken machten eine gute Ausbildung aus. „Entsprechende Kompetenzen können im Selbststudium nur schwer vermittelt werden und damit auch langfristig eine Auswirkung auf den Straßenverkehr haben.“
Führerschein Reform: So sollen die Führerschein-Kosten sinken
Führerschein: Schnieder hat ein Reformpaket für Fahrschulen vorgelegt. Die kritisieren seinen Entwurf scharf - und fordern Nachbesserungen.












