Rund 3400 Euro kostet der Führerschein inzwischen im Durchschnitt. Insbesondere für Familien mit mehreren Kindern ist das oft eine hohe Belastung. Die Bundesregierung will ihnen nun helfen. Am Mittwoch hat das Kabinett eine Novelle des Fahrlehrergesetzes und eine Änderung weiterer straßenverkehrsrechtlicher Gesetze beschlossen. Damit soll die Fahrausbildung an vielen Stellen vereinfacht werden. „Der Führerschein ist ein Schlüssel zur eigenen Freiheit – besonders dort, wo Bus und Bahn nicht regelmäßig fahren“, sagte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Mobilität dürfe kein Privileg sein. „Mit unserer Reform der Fahrschulausbildung machen wir den Weg zum Führerschein einfacher und bezahlbarer – und halten dabei die Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau.“ Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ist entschlossen, viele Vorschriften für Fahrschulen abzuschaffen. © dpa/Christophe Gateau Es gehe darum, den Fahrschulen und ihren Kunden Optionen zu eröffnen, sagte Schnieder. Deshalb sollen viele Vorschriften wegfallen. So muss die Theorie künftig nicht mehr in Präsenz unterrichtet werden. Die Fahrschüler können digital für die Prüfung lernen – auch selbstständig per App. Der Katalog der Prüfungsfragen – aktuell sind es über 1100 – soll um ein Drittel reduziert werden. Praxisstunden mit den Eltern Die Fahrzeit in der praktischen Prüfung wird von 30 auf 25 Minuten reduziert. In der praktischen Ausbildung soll nur noch je eine Sonderfahrt nachts, auf Autobahnen und Landstraßen verpflichtend sein. Mit einer Experimentierklausel soll es ermöglicht werden, dass Fahrschüler einen Teil der nötigen Fahrpraxis mit ihren Eltern oder anderen nahestehenden Personen erwerben. Wir kümmern uns um den Rückbau von Bürokratie.Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU)Wie viel günstiger der Führerschein durch die Maßnahmen wird, wollte Verkehrsminister Schnieder nicht sagen. Einen Preis zu nennen, sei unseriös. „Wir kümmern uns um den Rückbau von Bürokratie.“ Es werde künftig einfacher werden, den Führerschein zu erwerben, und dadurch würden auch die Kosten sinken, sagte Schnieder. Doch dafür müsse der Markt wirken. Sprich: Fahrschulen sollen die neuen Freiheiten nutzen, um den Führerschein günstiger anzubieten. Schnieder verwies darauf, dass der Führerschein in Ländern wie Luxemburg (1500 Euro im Schnitt) und Belgien (2000 Euro) wesentlich günstiger sei.In den Referentenentwürfen zu den geplanten Gesetzesänderungen, die das Verkehrsministerium Anfang Mai veröffentlicht hat, werden auch für Deutschland einige Zahlen genannt. Demnach sollen die Fahrschulen durch weniger strenge Vorgaben bis zu 57 Millionen Euro pro Jahr sparen können. Das würde es ihnen ermöglichen, die Kosten entsprechend zu senken. Durch die sogenannte Laienausbildung – also Praxisstunden mit den eigenen Eltern – könnten die Fahrschüler direkt Geld sparen. Hier ist in einer Beispielrechnung von etwas mehr als 700 Euro die Rede. 1400 Euro Ersparnis? Insgesamt stellt das Verkehrsministerium laut dem Automobilklub ACE in den Referentenentwürfen Entlastungen von bis zu 1400 Euro in Aussicht. „Bei genauer Betrachtung erscheinen diese Einsparungen jedoch kaum realistisch“, sagte dessen verkehrspolitischer Referent Marc-Philipp Waschke-Deden. Verglichen werde die bestmögliche Entlastung im Reformmodell mit den durchschnittlichen Kosten im heutigen System. „Damit wird ein optimales Zukunftsszenario einem realistischen Durchschnitt der Gegenwart gegenübergestellt. Das verzerrt die Aussagekraft erheblich“, sagte Waschke-Deden. Bei genauer Betrachtung erscheinen diese Einsparungen jedoch kaum realistisch.Marc-Philipp Waschke-Deden, verkehrspolitischer Referent des Automobilklubs ACEDie maximale Entlastung setze voraus, dass Fahrschülerinnen und Fahrschüler mit einem Minimum an zusätzlichen Fahrstunden auskämen. In der Praxis bräuchten jedoch viele weiterhin deutlich mehr Übung, als die reduzierten Pflichtstunden abbildeten, so Waschke-Deden. Zudem sei unsicher, inwieweit Fahrschulen mögliche Einsparungen weitergeben würden. Abzuwarten bleibt auch, wann die Änderungen beim Führerschein in Kraft treten werden. Verkehrsminister Schnieder stellte eine Umsetzung Anfang 2027 in Aussicht. Doch noch gibt es beim Koalitionspartner SPD Vorbehalte gegen seine Pläne. Die Reform sei grundsätzlich begrüßenswert, aber die Reduktion der Sonderfahrten sehr weitgehend, sagte der zuständige Berichterstatter Truels Reichardt (SPD) dem Tagesspiegel. „Es ist in den letzten 15 bis 20 Jahren gelungen, die Zahl der tödlichen Unfälle von Fahranfängern um zwei Drittel zu reduzieren. Das sollten wir nicht riskieren“, sagte der Abgeordnete. Bedenken hat Reichardt auch angesichts eines rein digitalen Theorieunterrichts. In der Branche werde befürchtet, dies könne zu mehr Praxisstunden führen, sagte er. Auch über die Laienausbildung müsse man noch mal sprechen. „Diese Experimentierklausel könnte potenziell im gesamten Bundesgebiet greifen. Das ist eine sehr weitgehende Regelung.“Fahrlehrer dürften bei allen Bedenken auf eine schnelle Umsetzung hoffen. Denn gerade in den Ballungsgebieten bleibt die Kundschaft aus – in der Erwartung, dass der Führerschein bald wie versprochen günstiger wird.