Murat Yakin muss vor allem darüber reden, warum Alvyn Sanches fehlt – das zeigt, wie wenig Sorgen der Nationaltrainer vor der WM gerade hatDer Nationaltrainer setzt an der WM auf Erfahrung statt Jugend. Und nominiert ein klassisches Yakin-Kader.20.05.2026, 15.28 Uhr4 LeseminutenIst derzeit ein Nationaltrainer mit wenigen Sorgen: Murat Yakin.Claudio Thoma / KeystoneDie Inszenierung ist zu einer Maxime unserer Zeit geworden: Immer will alles inszeniert sein, und die Bühne dafür bietet das Internet. Dort hat sich in den letzten Tagen auch der Schweizerische Fussballverband (SFV) etwas ausgedacht. Er hat eine Schnitzeljagd veranstaltet, und wer eifrig mit jagte, der wusste am Ende, welche 26 Fussballer im Juni für die Schweiz an die WM reisen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es war eine der langweiligeren Schnitzeljagden, die diese Welt erlebt hat. Dem Spannungsbogen half es nicht, dass gewisse Medien schon im Vorfeld erfahren hatten, wer zum WM-Kader gehört.Mit dem Spannungsbogen war das überhaupt so eine Sache, weil der Nationaltrainer Murat Yakin keine Neymar- und auch keine Neuer-Frage zu klären hatte. Sein Kader nominiert sich auf den allermeisten Positionen mehr oder weniger von selbst. Anders als in Brasilien, wo Carlo Ancelotti sich diese Woche entschloss, den Altstar Neymar zu reaktivieren. Anders als in Deutschland, wo Julian Nagelsmann plötzlich doch wieder auf Manuel Neuer setzen will, den Goalie-Veteranen.Yakin hat ein WM-Kader gewählt, das viel darüber aussagt, was ihm wichtig ist und was weniger. Es ist ein klassisches Yakin-Kader, das die Schweiz im Sommer an der WM in den USA, Kanada und Mexiko vertreten wird.Fassnacht für Sanches – und wofür das stehtMurat Yakin gilt als Trainer, der ganz im Moment lebt und vor allem an die Gegenwart denkt. Von hier ist es nicht weit bis zu Alvyn Sanches, der Personalie, die derzeit am kontroversesten diskutiert wird. Wer sich auf die Suche nach Überraschungen in Yakins WM-Kader macht, findet sie am ehesten hier: Der YB-Fussballer reist nicht mit in die USA.Sanches ist 23 Jahre alt und ein besonderer Spieler, weil er mit Instinkt gesegnet ist und mit einer Technik, wie man sie auf hiesigen Plätzen selten sieht. Aber statt ihm gehört nun Christian Fassnacht, der 32-Jährige Routinier von YB, zum WM-Kader.Yakin bescheinigte Sanches zwar, über «grosses Potenzial» zu verfügen, aber er fügte auch an, dass er «international vielleicht noch nicht ganz so weit» sei. Dabei dürfte der Nationaltrainer an die Länderspiele vom März gedacht haben, als Sanches gegen Norwegen und Deutschland zuweilen etwas gar leichtgewichtig wirkte.Als Yakin später über Fassnacht sprach, strich er dessen Professionalität heraus, die Erfahrung, auch: dass er seine Rolle kenne. Dabei dürfte Yakin auch an Fassnachts Wirken an der EM 2021 gedacht haben, als er beim Sieg im Achtelfinal gegen Frankreich als Einwechselspieler einen wichtigen Beitrag leistete.Erfahrung vor Jugend, diesen Geist verkörpert Yakins Kader. Fast 28 Jahre beträgt das Durchschnittsalter. Der Trainer setzt auf Verdienste und Verlässlichkeit. Will die Vertrautheit bewahren, die im Schweizer Team entstanden ist im erfolgreichen Länderspieljahr 2025, in dem die Nationalmannschaft kein Spiel verlor und sich problemlos für die WM qualifizierte. Immer wieder sprach er in Zürich von Abläufen und Systemen, die seine Spieler kennen sollen.Im Schweizer Team fehlt nicht nur Sanches, auch Namen wie Zachary Athekame, Sascha Britschgi oder Alessandro Vogt sucht man vergeblich. Sie gehören zu den jungen Fussballern, die sich mit ihren Leistungen im Klub zumindest für einen Kaderplatz beworben hatten. Nun ist keiner von ihnen dabei, was illustriert, dass Yakin nicht viel davon hält, junge Spieler nur mitzunehmen, um sie Endrunden-Luft auszusetzen.Der Widerspruch mit den JungenMan kann das kritisieren und fragwürdig finden, zumal der Nationaltrainer gleichzeitig betont, wie wichtig Endrundenerfahrung bei seiner Selektion war. Das führt zur Frage, weshalb er dann nicht wenigstens die letzten seiner üppigen 26 Kaderplätze an junge Spieler vergibt, die bald eine bedeutendere Rolle einnehmen werden. Stichwort: die EM-Endrunde 2028, bei der das Schweizer Team ein ziemlich anderes Gesicht haben dürfte als heute.Vermutlich ist die Antwort einfach: Yakin interessiert sich nicht dafür, was sein wird. Sondern nur dafür, was ist. So, wie er auch nicht gross an die Vergangenheit denkt. Sonst hätte er sich vielleicht daran erinnert, dass eine der Ursachen für seine schlimmste Niederlage als Nationaltrainer ein Versäumnis war: jenes nämlich, nur einen rechten Aussenverteidiger an die WM 2022 nach Katar mitgenommen zu haben.Prompt fehlte Silvan Widmer im Achtelfinal gegen Portugal. Edimilson Fernandes musste aushelfen, die Schweiz verlor sich – und das Spiel 1:6. Jetzt ist Widmer wieder der einzige gelernte Rechtsverteidiger im Aufgebot. Wobei Yakin der Meinung ist, dass er genug taktische Optionen hat, um das aufzufangen.Angeführt wird das Schweizer Kader von Granit Xhaka, von Ricardo Rodriguez, von Manuel Akanji, von Remo Freuler oder Breel Embolo, den Säulen des Teams. Es ist bemerkenswert, wie unversehrt die allermeisten Nationalspieler durch die Saison gekommen sind. Zwar plagt sich der eine oder andere mit einer kleineren Blessur herum, doch so reibungslos wie in diesem Jahr ging es in der Schweizer Mannschaft vor einer Endrunde lange nicht mehr zu.Wahrscheinlich weiss Yakin schon jetzt ziemlich genau, welche elf Spieler an der WM, an der die Schweiz in den Gruppenspielen auf Katar, Bosnien-Herzegowina und Kanada trifft, zu seinem Stamm gehören. Am ehesten dürfte er in diesen Tagen über Johan Manzambi nachdenken, den Mittelfeldspieler vom SC Freiburg, der sich in vorzüglicher Form befindet und in die Startformation drängt.Doch das ist die Art von Problemen, mit denen sich Yakin gerne herumschlägt. In Zürich freute er sich darüber, dass es «keine Nebengeräusche» gebe wie in anderen Jahren. Tatsächlich ist er ein Nationaltrainer mit wenigen Sorgen. Dazu passt die Marschrichtung, die er für das Turnier überall verkündet, wo er gerade auftaucht: Es soll die beste WM eines Schweizer Teams der Geschichte werden. Nicht mehr und nicht weniger.Passend zum Artikel