Bei einer Wanderung kommt der Gründer der Modekette Mango ums Leben. War es ein Unfall? Oder die Rache eines gekränkten Sohnes? Als der Unternehmer Isak Andic im spanischen Montserrat-Gebirge abstürzt, gehen alle von einem Unfall aus. Doch eineinhalb Jahre später gibt es neue Erkenntnisse. Und eines seiner Kinder wird verhaftet.20.05.2026, 15.31 Uhr4 LeseminutenJonathan Andic bei der Beerdigung seines Vaters im Dezember 2024.Lorena Sopena / ImagoEin Vater und sein Sohn begeben sich eines Dezembertages 2024 auf eine Wanderung. Sie marschieren durch das Montserrat-Gebirge nördlich von Barcelona, als der Vater plötzlich abstürzt und über hundert Meter in die Tiefe fällt. Dabei stirbt er.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Was lange wie ein tragischer Unfall aussah, ist diese Woche zum meistdiskutierten Todesfall Spaniens geworden. Das liegt daran, dass es sich bei dem Toten um einen der erfolgreichsten Unternehmer Spaniens der vergangenen Jahrzehnte handelt: Isak Andic, den Gründer des Fast-Fashion-Imperiums Mango. Mehr noch: Die Polizei hat diese Woche dessen Sohn und Erben Jonathan Andic verhaftet. Sie geht davon aus, dass der Sohn am Tod des Vaters beteiligt war.Das Imperium der Andic-FamilieDie Geschichte hinter diesem Tötungsdelikt ist auch die Geschichte eines mächtigen Familienunternehmers: Der Vater, Isak Andic, 1953 in Istanbul geboren, kam als Teenager gemeinsam mit seiner Familie nach Barcelona. Als junger Mann begann Andic, auf Märkten Kleidung zu verkaufen, die er aus Istanbul importierte. Anfang der 1980er Jahre eröffnete er mehrere Modegeschäfte in Barcelona und Madrid. So entstand die Modekette, die seit 1984 unter dem Namen Mango bekannt ist und heute ein riesiger Fast-Fashion-Konzern ist. Weltweit beschäftigt Mango 18 000 Mitarbeitende und verkauft Kleidung in 120 Ländern. Im Jahr 2025 machte die nicht börsennotierte Firma einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro. Das Vermögen der Unternehmerfamilie schätzte das Wirtschaftsmagazin «Forbes» vor seinem Tod auf 4,5 Milliarden Euro.Isak Andic machte Mango zum globalen Modekonzern.Lorena Sopena / ImagoWie es sich für einen Familienunternehmer gehört, involvierte Isak Andic früh seine drei Kinder Judith, Sarah und Jonathan in die Geschäfte bei Mango. Sein Sohn Jonathan arbeitet seit 2005 für ihn. Sein grosses Projekt war die Linie für Herrenmode, die er 2008 selbst lancierte und jahrelang erfolgreich führte. Im Jahr 2014 kam es schliesslich zum Machtwechsel: Isak Andic gab die Verantwortung für das gesamte Geschäft an seinen Sohn weiter. Er machte Jonathan zum Chef und trat selbst zurück.Nur: Jonathan stellte sich in der neuen Position ungeschickt an. Ab 2014 schrieb das Unternehmen Jahr um Jahr Verluste. Als Gründe für das schlechte Ergebnis nannte Mango damals enttäuschende Umsätze sowie die Transformation des Geschäftsmodells in Richtung Fast Fashion.Innerhalb der Familie kriselte es. Der Vater schien seinem Sohn die Schuld an den schlechten Zahlen zu geben. Schon 2015 stellte Isak Andic ihm deshalb einen neuen Finanzchef zur Seite: Toni Ruiz. Doch die Zahlen blieben schlecht. Und so soll der Vater im Jahr 2018 höchstpersönlich von einer Weltreise mit seinem Segelboot zurückgekehrt sein, um die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. So berichten es spanische Medien. Er übergab Toni Ruiz, dem ehemaligen Finanzchef, die Geschäfte bei Mango. Seit 2023 ist Ruiz auch mit 5 Prozent am Unternehmen beteiligt – als Einziger ausserhalb der Andic-Familie.In den spanischen Medien kursieren unterschiedliche Gerüchte darüber, wie sich die Beziehung von Vater und Sohn danach entwickelte. Von manchen heisst es, Jonathan habe das Unternehmen gar nie leiten wollen. Andere berichten, der Sohn habe sich vom Vater schwer gedemütigt gefühlt.Ein angespanntes VerhältnisDie Ermittlungen zu Isak Andics Sturz in den katalanischen Bergen waren ursprünglich nur wenige Wochen nach dessen Tod eingestellt worden. Doch weil die Polizei bei einer Nachprüfung Unstimmigkeiten in den Aussagen von Jonathan entdeckte, nahm sie den Fall im Oktober 2025 wieder auf.Wie diese Woche bekanntwurde, haben die Ermittler in den vergangenen Monaten Hinweise auf ein jahrelang angespanntes Verhältnis zwischen Vater und Sohn gefunden. Dies sei unter anderem in den Whatsapp-Chats der beiden erkennbar. Auch die Profigolferin Estefania Knuth, die bis zu Isak Andics Tod mit diesem liiert war, soll von solchen Spannungen berichten.Dazu kommen die Beweise rund um Isak Andics Tod im Dezember 2024. Zum Beispiel dies: Laut den Ermittlern war Jonathan in der Woche vor dem Tod seines Vaters dreimal alleine ins Montserrat-Gebirge gefahren. Das zeigen GPS-Daten seines Autos. Bei der Absturzstelle sollen die Ermittler ausserdem Spuren gefunden haben, die auf ein Gerangel hindeuteten. Und: Eine Autopsie von Isaks Leiche lege nahe, dass er mit den Füssen voraus den Berg hinunterstürzte. Das spreche für eine Fremdeinwirkung, so zitiert die spanische Tageszeitung «El País» eine Aussage der Richterin vom Dienstag.Jonathan selbst machte zum Hergang des Absturzes unterschiedliche Aussagen. In einer ersten Befragung gab er an, er habe seinen Vater noch ein Foto machen sehen. In späteren Gesprächen mit der Polizei erwähnte er das Handy nicht mehr. Daten von Isak Andics Telefon zeigen, dass er es kurz vor dem Tod nicht mehr benutzt hat.Jonathan Andic ist am Dienstag an einem Gericht in der katalanischen Stadt Martorell befragt worden.Stringer/ReutersJonathan Andic bestreitet alle Vorwürfe. Am Dienstagabend wurde er gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Euro freigelassen. Er musste seinen Reisepass abgeben und darf die Region Katalonien vorerst nicht verlassen. Wann der Prozess gegen ihn beginnt, ist unklar.Bis dahin wird sich Jonathan weiter um das Erbe seines Vaters kümmern, wenn auch unter Aufsicht. Nach Isak Andics Tod strukturierte die Familie den Konzern um. Die Punta Na Holding, die Familiengesellschaft hinter Mango, ist jetzt zwar grösstenteils im Besitz der drei Andic-Geschwister. Der Vorstandsvorsitz der Holding aber liegt bei Toni Ruiz. Jonathan Andic wurde lediglich zum Stellvertreter ernannt.
Unfall oder Rache? Die neuen Erkenntnisse zum Tod des Mango-Gründers
Als der Unternehmer Isak Andic im spanischen Montserrat-Gebirge abstürzt, gehen alle von einem Unfall aus. Doch eineinhalb Jahre später gibt es neue Erkenntnisse. Und eines seiner Kinder wird verhaftet.











