Die Polizei von Katalonien hat am Dienstag den Sohn des Gründers der Modekette Mango festgenommen. Der 45-jährige Jonathan Andic wird verdächtigt, seinen Vater Isak Andic im Dezember 2024 getötet zu haben: Er soll ihn während einer Bergwanderung einen Abhang hinuntergestoßen haben.Die Festnahme des ältesten der drei Kinder des Mango-Gründers bedeutet eine scharfe Wendung im Zusammenhang mit dem rätselhaften Tod des Milliardärs. Seit Monaten beschäftigte sich die katalanische, spanische und auch internationale Öffentlichkeit mit der Frage, ob der seinerzeit 71-jährige, körperlich fitte Andic durch einen Unfall zu Tode kam – oder ob womöglich der Sohn nachgeholfen hat.Zivilbeamte der Polizei hatten Jonathan Andic am Dienstag an seinem Wohnsitz aufgesucht, berichtet die in Barcelona erscheinende und dort gut vernetzte Zeitung La Vanguardia. Andic sei am Vormittag in die Polizeistation von Martorell gebracht worden, wo ihm in Anwesenheit seines Anwalts seine Rechte erklärt und Fingerabdrücke abgenommen wurden.Jonathan Andic, der zu Lebzeiten seines Vaters als einziges seiner Kinder eine aktive Rolle im Mango-Konzern innehatte, hat stets bestritten, am Tod seines Vaters beteiligt gewesen zu sein. Am 14. Dezember 2024 war er mit seinem Vater zu einer Bergtour aufgebrochen. Ziel war das Kloster Montserrat, gute 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona auf einer Anhöhe gelegen – eine in Katalonien beliebte Wochenenddestination. Doch von dieser Wanderung kehrte nur Andics Sohn Jonathan zurück.Angeblich getroffen von einem SteinschlagJonathan Andic hatte der Polizei bei mehreren Befragungen erklärt, der Vater sei einige Meter hinter ihm gegangen, als er einen Steinschlag gehört habe. Er habe mitansehen müssen, wie sein Vater plötzlich an einem Abhang in die Tiefe fiel.Der Pfad ist an der Unglücksstelle auf dem Camino de Les Feixades rund einen Meter breit. Für trittsichere Wanderer ist er gut begehbar, allerdings zeigen Fotos, die nach dem Unglück veröffentlicht wurden, dass lockeres Geröll auf dem fraglichen Abschnitt liegt und es seitlich 150 Meter tief fast senkrecht bergab geht.Die Nachricht vom Tod des Mango-Gründers, des reichsten Mannes Kataloniens, hatte die Familie und die katalanische Gesellschaft ebenso erschüttert wie die internationale Modewelt. Andic war Gründer des in Barcelona ansässigen Modelabels und bis zuletzt, wenngleich nicht mehr als operativer Geschäftsführer, der Kopf, der den Konzern prägte.Isak Andic, hier auf einem Bild aus dem März 2024, stürzte bei einer Bergwanderung in Begleitung seines Sohnes in den Tod. Lorena Sopêna/Imago/Europa PressAndic verfügte laut Forbes-Liste über ein geschätztes Vermögen von 4,5 Milliarden Euro. Er hielt 95 Prozent der Anteile der Holding Punta Na, zu der neben der Modekette Mango auch eine Immobilien- sowie eine Investmentfirma gehören. In den vergangenen Jahren hatte sich Andic aus dem Tagesbetrieb zurückgezogen und das Leben unter anderem auf seiner 53 Meter langen Segelyacht genossen.Der als Kind aus der Türkei eingewanderte sephardische Jude galt als sportlich, er war zweifacher Weltumsegler und erfahrener Bergwanderer. Sein Tod kam überraschend. Nie zuvor sei an dieser Stelle jemand verunglückt, hatte die Bergaufsicht des Montserrat nach dem Unglück der Zeitung La Vanguardia bestätigt.Im Januar vergangenen Jahres, einen Monat nach dem Unglück, hatte die zuständige Ermittlungsrichterin den Fall vorläufig eingestellt. Aus den Ermittlungen der Polizei hätte sich kein Tatverdacht ergeben, hieß es zunächst. Doch keine zwei Monate später wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen.Seither haben sich bei der zuständigen Ermittlungsrichterin sowie der Staatsanwaltschaft offenbar Zweifel verdichtet an der Version des Unfallhergangs, die Jonathan Andic der Polizei unterbreitet hatte. Auch liegen wohl detaillierte Auswertungen der Mobiltelefone der Andics vor, inklusive Ortungsdaten. Zudem habe sich der Sohn bei zwei unterschiedlichen Vernehmungen der Polizei in einigen Punkten widersprochen. Offenbar hatte er vor der Wanderung die Leibwächter seines Vaters gebeten fernzubleiben, damit er mit ihm private Angelegenheiten besprechen könne. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sei angespannt gewesen, berichtete die Lebensgefährtin des Mango-Gründers, die nicht Jonathans Mutter ist, nach Andics Tod.Ob all dies für eine Verurteilung wegen Totschlags oder gar Mordes ausreicht, wird nun in einer strafrechtlichen Hauptverhandlung geklärt werden müssen.