Der nächste Gipfel in Peking: Wladimir Putin ist als Bittsteller nach China gekommenEine Woche nach seinem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Trump hat Chinas Staats- und Regierungschef Xi seinen russischen Amtskollegen empfangen. Der steht unter Druck und hofft auf Hilfe von seinem engsten Verbündeten.20.05.2026, 12.24 Uhr4 LeseminutenRusslands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping trafen sich am Mittwoch in Peking. Es war Putins fünfundzwanzigster China-Besuch.Maxim Shemetov / APAm Mittwoch haben sich der russische Präsident Wladimir Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping in der Grossen Halle des Volkes in Peking zu Gesprächen getroffen. Auf der Agenda stand unter anderem der Krieg im Nahen Osten und damit auch die Energieversorgung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zu Beginn des Treffens holte Xi zu seiner inzwischen bekannten Analyse der Weltlage aus. «Die internationale Lage ist von miteinander verflochtenen Veränderungen und Instabilität gekennzeichnet», sagte Chinas Staatschef, «das Hegemonialstreben ist auf dem Vormarsch.» Dies ist ein kaum versteckter Seitenhieb gegen den Rivalen USA, dessen Präsident Donald Trump Xi vergangene Woche in Peking mit viel Pomp empfangen hatte.Die Konsequenz der dramatischen geopolitischen Spannungen liegt für Xi auf der Hand. «China und Russland sollten eine langfristig angelegte strategische Perspektive verfolgen und sich umfassend koordinieren, um die nationale Entwicklung des jeweils anderen zu unterstützen», sagte Chinas Präsident. Die Formulierung zeigt, dass die russisch-chinesischen Beziehungen weitaus intensiver und freundlicher sind als diejenigen der USA mit China.Xi braucht Russland als Mitstreiter beim Aufbau eines neuen internationalen Ordnungsrahmens, der der von den USA geprägten freiheitlichen Nachkriegsordnung etwas entgegensetzt.Putin seinerseits hatte sich zur Begrüssung seines chinesischen Amtskollegen dieses Mal etwas Besonderes ausgedacht. «Dich auch nur einen Tag nicht zu sehen, fühlt sich an wie drei Jahre», sagte der russische Präsident zu Xi Jinping. Mit dem chinesischen Sprichwort drücken normalerweise junge Paare ihre Liebe aus.Putin braucht GeldPutin war am Dienstagabend in Peking angekommen, und er kam geschwächt. Die russische Wirtschaft befindet sich auf Talfahrt. Ausserdem gerät das Land im Krieg gegen die Ukraine immer stärker unter Druck. Kurzum: Putin braucht Geld.Seit Jahren versucht der russische Präsident darum, mit der chinesischen Regierung eine Vereinbarung über den Bau der Pipeline «Power of Siberia 2» unter Dach und Fach zu bringen. Die lange geplante, 2600 Kilometer lange Röhre soll vom Norden Russlands durch die Mongolei nach China führen und den Nachbarn im Süden mit Gas versorgen.Offenbar keine Einigung über eine neue GaspipelineChina zögert mit der Unterschrift, denn das Land versucht in Moskau einen niedrigeren Preis für das zu liefernde Gas durchzudrücken. Beim Geld hört offenbar auch die «Freundschaft ohne Grenzen» auf, die Xi und Putin zu Beginn des Ukraine-Kriegs vor mehr als vier Jahren beschworen.Wladimir Putin und Xi Jinping am Mittwoch bei der Unterzeichnung von insgesamt zwanzig bilateralen Abkommen.Maxim Shemetov / APAuch bei seinem jetzt fünfundzwanzigsten Besuch in China gelang es dem russischen Präsidenten offenbar nicht, eine Einigung zu erzielen, auch wenn Putin nach seinem Treffen sagte, die russisch-chinesischen Beziehungen hätten ein «nie da gewesenes hohes Niveau» erreicht. Russland, werde China weiter zuverlässig mit Energie versorgen, versprach Putin.Nach Angaben des Kreml haben Putin und Xi bei ihren Gesprächen in Peking Fortschritte bei den Verhandlungen über die neue Gaspipeline gemacht. Eine Einigung sei aber nicht erzielt worden.Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine und den damit verbundenen Sanktionen des Westens hat China seine Einfuhren von Rohöl und Gas aus Russland hochgefahren. Mit den zusätzlichen Einnahmen kann Putin seinen Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Dabei zahlt China für russisches Gas nur einen Drittel dessen, was die Europäer vor Beginn der Kampfhandlungen gezahlt hatten.Russland untersteht dem Preisdiktat ChinasPutin hat wohl keine Wahl. Er muss das Preisdiktat des «alten Freundes», wie der russische Präsident seinen chinesischen Amtskollegen am Donnerstag bezeichnete, akzeptieren. Denn Russlands öffentliche Finanzen sind ein einem desolaten Zustand.Dass Russland in den Beziehungen zu China der Juniorpartner ist, ist seit längerem klar. Der zunehmende Druck der Ukraine auf Russland und die prekäre Lage der Wirtschaft haben das Ungleichgewicht jedoch noch einmal verstärkt.Der Nachbar im Süden beliefert Russland unter anderem mit Maschinen, Lastautos, Personenwagen und Investitionsgütern. Ausserdem hat China Russland in der Vergangenheit mit Dual-use-Gütern wie Drohnen unterstützt.Engere Zusammenarbeit im BildungssektorNach ihrem Treffen wohnten Putin und Xi der Unterzeichnung von zwanzig bilateralen Abkommen bei. Dazu gehören unter anderem Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit von Medienorganisationen und Bildungsanstalten der beiden Länder. Ausserdem wollen Russland und China bei Technologiethemen enger zusammenarbeiten. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.Xi und Putin beim Abschreiten der Ehrengarde vor der Grossen Halle des Volkes in Peking. Trump dürfte es nicht gelingen, Russland und China auseinanderzudividieren.Maxim Shemetov / APAm Rand des Treffens rief Xi einmal mehr zu einem «umfassenden Waffenstillstand» im Iran-Krieg auf. Russland und China sind die wichtigsten Verbündeten des Landes im Nahen Osten.Noch vor nicht langer Zeit versuchte Trump, Russland und China auseinanderzudividieren. Doch das Vorhaben ist wohl aussichtslos. Russland braucht China derzeit mehr denn je. Und mit jedem weiteren Tag, den die Strasse von Hormuz geschlossen ist, wachsen trotz grosser Rohölvorräte auch in China die Sorgen um die Energieversorgung. Das dürfte das Riesenreich noch enger an Russland binden.Passend zum Artikel