Einige entdecken gerade ihr Herz für Komponistinnen oder Musik der Afrodiaspora – dabei mag die Grenze zwischen echtem Interesse und zeitgeistigem Geschleime fließend sein. Christian Thielemann dagegen entdeckte am Montag in der Staatsoper Berlin sein Herz für Hans Pfitzner und dessen Klavierkonzert von 1923, und das ist ganz sicher eines nicht: zeitgeistiges Geschleime. Pfitzner war ein widerwärtiger Antisemit bis zu seinem letzten Atemzug; Thielemanns Solisten Igor Levit hätte er vermutlich nicht akzeptiert, und was er über die Shoah zusammenrülpste, wäre in der Bundesrepublik, die einen Tag nach seinem Tod gegründet wurde, bestraft worden.
Musikgeschichte
Christian Thielemann und Igor Levit spielen Hans Pfitzners Klavierkonzert
Thielemann ist’s in der schlechten deutschen Tradition „unpolitischer Kunst“ egal. Natürlich dringt aus dem mal „pomphaft“, mal „versonnen“, mal „ungeschlacht“ vorzutragenden Konzert keine antisemitische Botschaft heraus, aber der Charakter des Stücks ist auf exkludierende Art deutsch: Pfitzner hasste nicht nur die Juden, auch „irgendeinen Gounod, Thomas oder Puccini“ könne „der Deutsche, dem einmal die Sprache Beethovens, Schumanns, Wagners ans Herz gegriffen hat, einfach nicht hören“.







