BildstreckePailletten, Federn, knappe Kleider – Cher war immer fast aggressiv schön. Man kann nicht für immer jung sein. Aber Cher kann für immer Cher bleiben. Ihr Leben in Bildern.19.05.2026, 15.08 Uhr3 LeseminutenChers Musik war der Soundtrack für mehrere Generationen, sei es auf Vinyl, Kassette, CD oder auf Spotify. Ein erstes Nummer-eins-Lied mit 19 («I Got You Babe»), ein Oscar mit 41 («Moonstruck»), ein Grammy mit 53 («Believe»), ein Emmy mit 57 («Cher: The Farewell Tour»). 80 Jahre alt wird die Sängerin nun. Sechs Jahrzehnte davon verbrachte sie in der Öffentlichkeit. Doch ihre Geschichte ist auch mehr als eine glamouröse Aufstiegserzählung. Sie ist eine über Instabilität.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Cher wird am 20. Mai 1946 geboren – «im Zeichen des Stiers an der Schwelle zum Zwilling, also ist es, als wären wir zu dritt hier drin», schreibt sie in ihrer Autobiografie «Cher» (Harper Collins, 2025). Offiziell heisst sie Cheryl Sarkisian.Die Mutter, Georgia Holt, stammt aus dem ländlichen Arkansas: Sie singt, spielt kleine Rollen, taucht in Serien wie «Gunsmoke» oder «I Love Lucy» auf und verliert eine Filmrolle in «Asphalt Jungle» an Marilyn Monroe. Der Vater, Johnnie Sarkisian, ist ein Betrüger, heroinsüchtig – ein Mann, der verschwindet und wieder auftaucht, wenn er Geld wittert. Sie heiraten jung. Georgia ist 19, Johnnie 20. Drei Monate später ist sie schwanger. Ihre eigene Mutter bringt sie ins Spital, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Sie entscheidet sich doch für das Kind.«When I was younger, boys my age did not like me», sagt Cher einmal. Als junge Frau hätten sich die Jungs ihres Alters nie für sie interessiert. Später habe sie dafür kein Interesse mehr an Männern ihres Alters gehabt.Mit 16 trifft sie den erfolglosen Sänger Sonny Bono in einem Coffee-Shop. Er ist 27. Sie zieht zu ihm, er wird zu ihrem Förderer. Bald produzieren die beiden Musik unter dem Namen Sonny & Cher. Der Durchbruch kommt mit «I Got You Babe». Es ist kein technisch virtuoser Song. Er lebt vom Kontrast. Bonos etwas näselnde, leichte Stimme – und daneben Chers dunkler Ernst. Sie phrasiert langsam, fast stoisch.Plötzlich sind sie Gesichter einer Generation. Fernsehshows, ausverkaufte Hallen, ein Ruhm, der alles überstrahlt. Je erfolgreicher Cher wird, desto stärker scheint Bonos Angst zu wachsen, sie könnte ihn verlassen. Er wird paranoid, unberechenbar, untreu und gibt ihr die Schuld.Die Ehe zerbricht 1975. Cher beginnt, sich und ihre Karriere neu zu definieren.Cher verfügt über einen dunklen Alt, rauchig, fast widerspenstig, mit einer metallischen Klarheit im Kern. In den Siebzigern wird sie zur grossen Entertainerin, in den Achtzigern zur härteren, moderner produzierten Solokünstlerin – parallel dazu wächst ihr Selbstverständnis als Schauspielerin. Und dann kommt der radikalste Neustart: 1998 «Believe», Dance-Pop mit offensiv eingesetztem Autotune.Chers Songs sind selten kompliziert, aber seit Jahren zuverlässig: Beat, Hook, Refrain greifen ineinander, als wären sie dafür gebaut, Leute durch den Tag zu schieben. «Strong Enough», «The Beat Goes On», «Believe».Sie habe immer Schauspielerin sein wollen, aber Hollywood wollte lange nur die Stimme, die Perücke, das Ereignis. In den Sechzigern trat sie zwar in Filmen auf – «Good Times, Chastity» –, doch das wirkte eher, als hätte man sie kurz ins Bild gestellt, weil man sie halt kannte. Filmengagements als Nebenprodukt, nicht als Chance einer anderen Karriere.In den frühen 1980er Jahren schafft sie den Sprung vom Gesang zur Schauspielerei. Francis Ford Coppola soll sie ermuntert haben («Worauf wartest du noch?»).1983 spielt sie in «Silkwood» neben Meryl Streep. Sie bekommt eine Oscar-Nominierung. Für «Mask» (1985) gewinnt sie in Cannes den Darstellerpreis. Für «Moonstruck» (1987) bekommt sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin.Die leicht schläfrigen Augen mit schweren Lidern – perfekte Leinwände für jeden Regenbogen aus Lidschatten, den die Jahrzehnte einmal ausprobieren wollten. Die Züge dieses Gesichts, das Amerika und der Rest der Welt seit über einem halben Jahrhundert von Fernsehbildschirmen und Magazincovern her kennen, sind nach wie vor unverwechselbar.Ihre Wangenknochen sind fast schon eine Visitenkarte für sich und prägen ihr Gesicht seit je, unabhängig davon, welche Eingriffe sie vorgenommen hat. Man kann nicht für immer jung sein, aber Cher bleibt für immer Cher.Bilder: Imago, Courtesy of Cher, Getty, Disney / Getty, Fairchild Archive / Getty, Karin Hofer / NZZ, Imago, Daniel Cole / ReutersPassend zum Artikel