Elon Musk hat seinen viel beachteten Rechtsstreit gegen Open AI verloren. Die Geschworenen eines Gerichts im kalifornischen Oakland haben nun überraschend schnell gegen ihn entschieden und ihr Urteil nach nicht einmal zwei Stunden Beratungszeit verkündet. Sie kamen zu dem Schluss, Musks Ansprüche seien verjährt, und er habe seine Klage zu spät eingereicht.Musk machte umgehend deutlich, das Urteil nicht hinnehmen zu wollen. Auf der ihm gehörenden Plattform X kündigte er an, ein Berufungsverfahren anzustrengen. Er beschimpfte die Richterin in dem Prozess als „schreckliche Aktivistin“, die die Geschworenen als „Feigenblatt“ benutzt habe. Musks Anwalt Marc Toberoff sagte dem Fernsehsender CNBC: „Dieser Krieg ist nicht vorbei.“ Der nun zu Ende gegangene Prozess sei nur der „erste Schritt“ in dem Rechtsstreit.Der Prozess in Kalifornien hält die Technologiebranche seit Wochen in Atem. Er geht auf eine Klage zurück, die Musk im Jahr 2024 eingereicht hat. Dieser argumentierte darin, Open AI habe seine ursprüngliche Mission, Künstliche Intelligenz zum Nutzen der Menschheit zu entwickeln, kommerziellen Interessen untergeordnet. Die Klage richtete sich auch persönlich gegen Sam Altman, den heutigen Vorstandschef von Open AI, sowie Greg Brockman, der als Präsident ebenfalls zur obersten Führungsriege gehört. Musk zählte 2015 ebenso wie Altman und Brockman zu den Mitgründern von Open AI, hat das Unternehmen aber 2018 im Streit verlassen.Musk warf seinen damaligen Mitgründern Vertragsbruch und ungerechtfertigte Bereicherung vor. Er verlangte die Rückzahlung „unrechtmäßiger Gewinne“, die während des Rechtsstreits auf einen dreistelligen Milliardenbetrag beziffert wurden. Er forderte außerdem den Rücktritt von Altman und Brockman.Prozess dauerte rund drei WochenSeine Vorwürfe stützte Musk darauf, wie Open AI im Laufe der Zeit seine Struktur verändert hat. Das Unternehmen wurde zunächst als nicht gewinnorientierte Organisation gegründet. 2019 wurde wegen des hohen Kapitalbedarfs für die Entwicklung von KI-Technologien daneben ein Unternehmen mit Gewinnabsicht etabliert, das jedoch der ursprünglichen Gesellschaft unterstellt blieb. Im vergangenen Jahr wurde die Struktur nochmals verändert. Open AI ähnelt nun stärker einem traditionellen Unternehmen und bereitet gerade seinen Börsengang vor. Musk sagte im Zeugenstand in Kalifornien, Altman und Brockman hätten „eine wohltätige Organisation gestohlen“.Musk hat Open AI in den Anfangsjahren maßgeblich mitfinanziert. Sein Beitrag wurde in dem Rechtsstreit auf 38 Millionen Dollar beziffert, und sein Anwalt Steven Molo sagte vor Gericht: „Ohne Elon Musk würde es Open AI schlicht und einfach nicht geben.“ Musk beschrieb sich im Zeugenstand als Opfer einer Intrige von Altman und Brockman: „Ich war ein Narr, der ihnen gratis Geld gegeben hat, um ein Start-up gründen zu können.“Open AI stellt Musks Kritik an der Unternehmensstruktur als unglaubwürdig dar. Musk selbst habe schon 2017 gesagt, Open AI brauche eine gewinnorientierte Einheit. Allerdings habe er dann versucht, die Kontrolle über das Unternehmen an sich zu reißen. Er habe Open AI sogar mit dem von ihm geführten Autohersteller Tesla verschmelzen wollen. Altman sagte vor Gericht, zwischenzeitlich habe Musk gesagt, er wolle einen Anteil von 90 Prozent an Open AI.„Chaos“-Management unter Altman?Musk war indessen nicht der Einzige, der in dem Prozess ein wenig schmeichelhaftes Bild von Altman zeichnete. Auch frühere Kollegen aus der Führungsriege von Open AI wie Mira Murati oder Ilya Sutskever, die mittlerweile eigene KI-Unternehmen gegründet haben, äußerten sich kritisch über ihn. Murati sagte zum Beispiel, Altman sei nicht immer ehrlich zu ihr gewesen und habe ihre Arbeit untergraben. Er habe „Chaos“ angerichtet und Manager gegeneinander ausgespielt.Der Prozess dauerte rund drei Wochen. Neben Musk sagten auch Altman und Brockman aus. Auch Satya Nadella, der Vorstandschef des Softwarekonzerns Microsoft, mit dem Open AI eine enge Allianz unterhält, trat in dem Prozess auf. Musk hat im Laufe des Rechtsstreits auch Microsoft zu den Beklagten hinzugefügt.Open AI hat Musk vorgeworfen, mit dem Rechtsstreit eine „Belästigungskampagne“ zu führen, die einem Wettbewerber schaden solle. Der Anwalt des ChatGPT-Entwicklers sagte in seinem Eröffnungsplädoyer, seine Mitgründer hätten die „Dreistigkeit“ besessen, Open AI ohne ihn zu einem Erfolg zu machen, und das habe ihm nicht gefallen.Musk hat 2023, im Jahr nach der Einführung von ChatGPT, das Konkurrenzunternehmen X.AI gegründet. Er hat es vor wenigen Monaten mit seinem Raumfahrtspezialisten SpaceX verschmolzen. William Savitt, der Anwalt von Open AI, nannte Musks Klage nach dem Urteil einen „heuchlerischen Versuch, einen Wettbewerber zu sabotieren“.Die Geschworenen orientierten sich in ihrem Urteil an Verjährungsfristen, die für die zur Diskussion stehenden Vorwürfe bei höchstens drei Jahren liegen. Dass sie Musks Klage schon an Verjährung scheitern ließen, bedeutet, dass sie kein Urteil zu den eigentlichen Klagepunkten mehr fällen mussten.Auch Musk hob nach dem Urteil hervor, die Jury habe nicht über den Inhalt der Klage entschieden, sondern „nur über eine Kalenderformalie“. Er sagte weiter, für jeden aufmerksamen Prozessbeobachter stehe es außer Frage, dass Altman und Brockman „sich selbst bereichert haben, indem sie eine wohltätige Organisation gestohlen haben“. Die zuständige Richterin Yvonne Gonzalez Rogers habe einen „Freibrief“ für das „Plündern“ solcher Organisationen erteilt, wenn man dies nur lange genug im Stillen tue.Die Jury sollte in dem Prozess nur eine beratende Rolle haben, und die Entscheidung sollte bei Gonzalez Rogers liegen. Die Richterin sagte aber unmittelbar nach dem Urteil der Geschworenen, dass sie damit übereinstimme und Musks Klage ebenfalls abweisen würde: „Ich denke, es gibt eine erhebliche Menge an Beweisen, um die Feststellungen der Jury zu stützen.“ Damit schien sie Musk auch wenig Hoffnung darauf zu machen, das Urteil in einem Berufungsverfahren umkehren zu können.
Rechtsstreit um KI: Musk verliert Prozess gegen Open AI
Die Geschworenen eines Gerichts in Kalifornien kommen überraschend schnell zu einem Urteil. Musk kündigt umgehend Berufung an. Sein Anwalt sagt: „Dieser Krieg ist nicht vorbei.“












