Ein Gericht im kalifornischen Oakland hat die Klage von Elon Musk gegen KI-Konzern OpenAI und dessen Chef Sam Altman abgewiesen. Diese Neuigkeit ist wichtig, weltbewegend gar, die New York Times setzte sie am Montagmittag ganz oben auf die Homepage und signalisierte so: für ein paar Stunden ist das hier wichtiger als Kriege, die Benzin- und Lebensmittel-Preise sowie die US-Midterm-Wahlen im November. Das hatten Musk und Altman wohl gehofft, immerhin haben sie ihren Prozess als Shakespeare-Drama inszeniert. Showdown gegen Ende: Musk flog unentschuldigt gemeinsam mit der Delegation von US-Präsident Donald Trump zum Staatsbesuch nach China. Seine, nun ja, News aus Peking: Meme-fähiges Minenspiel bei quasi jeder sich bietenden Gelegenheit.Das ist freilich nicht der Grund, warum die Klage abgewiesen wurde. Der ist banaler: Verjährung. Die Geschworenen urteilten, dass Open-AI-Mitgründer Musk bereits 2021 davon gewusst haben musste, dass die 2015 gegründete Firma irgendwann zu einem gewinnorientierten Konzern werden würde. Das ist OpenAI mittlerweile, als solcher nach einigen Finanzierungsrunden (unter anderem gab's Investments von Microsoft, Amazon und Nvidia) etwa 730 Milliarden Dollar wert, der Börsengang ist noch dieses Jahr geplant.Musk hatte geklagt mit dem Vorwurf, Altman und Manager Greg Brockman hätten „eine gemeinnützige, Organisation gestohlen“. Er hatte 150 Milliarden Dollar Schadenersatz sowie die Entlassung der beiden Manager aus dem Vorstand gefordert. Auf diese Punkte ging die Jury mit der Begründung „Verjährung“ nicht ein, und obgleich sie lediglich beratend tätig war, folgte Richterin Yvonne Gonzalez Rogers diesem Urteil und wies die Klage bis auf Nebenaspekte sofort ab.Das Urteil ist das bestmögliche Ergebnis für die KI-Konkurrenz aus ChinaKann ein Prozess mit der Fallhöhe Mond, vielleicht gar Mars, derart antiklimaktisch zu Ende gehen? Mit einem simplen „Tja, das tut uns jetzt leid, Herr Musk, aber das hätten Sie früher bemerken müssen“? Nein, natürlich nicht.Klar: Musk ist der offizielle Verlierer. Ein Erfolg hätte weitreichende Konsequenzen gehabt. Nicht nur für Altman und Musk und deren KI-Konzerne OpenAI und xAI. Sondern glaubt man Prophezeiungen, die ja vor allem aus dieser Branche selbst kommen: Ein Musk-Erfolg hätte die Konkurrenz von OpenAI, etwa Anthropic (Chatbot Claude) und Alphabet (Gemini) gestärkt. Und eben das erwähnte xAI, das Musks Raumfahrtfirma Space-X nutzt, die beim Börsengang Mitte Juni aus Musk den ersten Billionär der Geschichte machen dürfte.Profitiert hätte auch der chinesische Konzern DeepSeek und damit China als Wirtschaftsnation. Dort hat man wohl zufrieden zugeschaut, wie sich die größten Konkurrenten im Wettlauf um eine KI-Hegemonie gegenseitig die Köpfe einhauen. So taugt Musks Besuch in China als Symbol: Während in den USA der wichtigste Prozess um KI-Macht in Amerika tobt, reist der Kläger ist unentschuldigt in Peking und liefert Selfie-Grimassen mit Mitgliedern der chinesischen Delegation ...Das Urteil „Abweisen wegen Verjährung“ ist deshalb das bestmögliche Ergebnis für alle OpenAI- und xAI-Konkurrenten, vor allem die aus China. Musks Anwalt Marc Toberoff sagte noch auf dem Gang des Gerichtsgebäudes „Appeal“. Soll heißen: Sein Mandant wähnt sich bestätigt in der Ansicht, inhaltlich richtigzuliegen. Er stellte Altman als machthungrigen und geldgierigen Lügner dar. Der sich sämtliche Vorteile der Non-Profit-Strukturen in den USA sichert. Der sich feiern lässt als bedächtiger Typ inmitten der optimistischen Absolutisten des Silicon Valley und ihrem rücksichtlosen Mantra „Adapt or Die“. Die unmissverständliche Botschaft von Musk an jenen Tagen, an denen er im Gerichtssaal war: Altman tue nur so, als wolle er das alles zum Wohle der Menschheit tun - in Wirklichkeit würde es ihm um Geld und Einfluss gehen.Spricht er jetzt über Altman oder sich selbst? Sinngemäß lautete der meist genüsslich vorgetragene Vorwurf der Altman-Anwälte: Liebe Geschworene, liebe Richterin, liebe Welt, Ihr seht schon, wer uns das vorwirft. Derjenige, der bald der erste Billionär der Geschichte werden dürfte und Prozesstage für einen Staatsbesuch bei der Konkurrenz schwänzt.Letztlich ist es wie bei fast allen Promi-Prozessen in den USA. Die öffentliche Schlammschlacht führt dazu, dass am Ende alle besudelt dastehen - unabhängig vom Urteil. Weil sich auch bei diesem Prozess viel gegenseitig beleidigt wurde. Nehmen wir als Beispiel dieses beinahe poetische Schluss-Plädoyer von Musks Anwalt Steve Molo: „Stellen Sie sich vor, Sie kommen bei einer Wanderung an einer Schlucht vorbei. 100 Meter tief, reißender Fluss, das Ganze wirkt beängstigend. Vor der Brücke steht eine Frau, die sagt: ‚Keine Sorge! Die Brücke ist erbaut auf Sam Altmans Version von Wahrheit.‘ Würden Sie die Brücke überqueren?“Musk und seine Anwälte haben diesen Vorwurf unmissverständlich formuliert - und werden das auch weiterhin tun. Musk schrieb bereits auf X: „Für alle, die den Fall im Detail verfolgt haben, gibt es keine Zweifel, dass sich Altman und Brockman bereichert haben. Die einzige Frage: WANN haben sie es getan?“ Auch Altman steht also als Verlierer da, weil die Frage im Titel des New-York-Times-Porträts vor Beginn („Kann man ihm vertrauen?“) vielleicht ein paar Fragezeichen mehr bekommen hat.Zwei Tage vor Prozessbeginn hatte Musk den beklagten Brockman per Textnachricht gefragt, ob der vielleicht doch an einer Einigung ohne öffentliche Verhandlung interessiert sei. Ja, die sei möglich, antwortete Brockman, dafür allerdings müssten beide Seiten die gegenseitigen Vorwürfe einstellen. Reaktion von Musk, im Gericht zugelassen als Beweis: „Ende der Woche werden Du und Sam die meistgehassten Männer Amerikas sein.“ Antwort von Brockmann: „Wenn dies Dein Wunsch ist, dann wird es so sein.“ Das wahre Ergebnis deshalb: Musk und Altman haben sich gegenseitig hingestellt als Leute, denen man keinesfalls zu viel Macht geben sollte. Beide waren erfolgreich.
Gericht weist Musks Klage gegen OpenAI und Altman ab – wegen Verjährung.
Ein typisches Ende für einen Promi-Prozess in den USA: Nach der Schlammschlacht stehen alle schlechter da.










