In Vollnarkose fallen Menschen in einen tiefen Schlaf, einen komaähnlichen Zustand, in dem ihr Gedächtnis und ihre Schmerzwahrnehmung ausgeschaltet sind. Ein Team von Forschenden um Sameer A. Sheth vom College of Medicine in Houston konnte jedoch jetzt zeigen, dass ein Teil des Gehirns – der Hippocampus – auch unter Vollnarkose aktiv bleibt und die Grammatik und Bedeutung gesprochener Wörter verarbeitet. Das geht aus einem Paper hervor, das kürzlich in Nature erschienen ist. Ähnlich wie ein großes Sprachmodell hat der Hippocampus in diesen Experimenten nicht nur verschiedene Arten von Wörtern unterschieden, sondern auch Vorhersagen über das wahrscheinlichste nächste Wort geliefert.Anzeige

Hirnaktivität unter Vollnarkose

Die Forschenden hatten die Gehirnaktivität von sieben Personen aufgezeichnet, die mit dem Medikament Propofol betäubt waren, während sie zur Behandlung von Epilepsie operiert wurden. Dafür verwendeten sie neuartige Sonden – sogenannte Neuropixels, die Aktivitäten von einigen hundert Nervenzellen aufzeichnen. Das ermögliche Messungen mit einer sehr viel besseren Auflösung als bisher.

Empfehlungen der Redaktion

Bei dem Experiment spielten die Forschenden vier der Studienteilnehmern zehnminütige Podcast-Ausschnitte vor. Dabei beobachteten sie, dass unterschiedliche Neuronengruppen auf unterschiedliche Wortarten reagierten und beispielsweise Substantive von anderen Wörtern unterschieden. Die Neuronen reagierten jedoch nicht nur auf den Input, sondern feuerten auch in Erwartung des nächsten, kommenden Wortes.Anzeige