Bauen, bauen, bauen – aber wie? Der Zürcher Kantonsrat diskutiert über Fristen und Online-PlattformenIn Zukunft werden alle Grundstücksdaten an einem Ort zugänglich sein. Die Fristen für Baubewilligungen bleiben aber, wie sie sind.18.05.2026, 14.26 Uhr4 LeseminutenDamit rascher gebaut werden kann, fordern Bürgerliche kürzere Fristen für Bauprojekte.Gaëtan Bally / KeystoneIn Zürich entstehen weniger neue Wohnungen, als Menschen in die Stadt ziehen wollen. Das Resultat: hohe Mieten, lange Wohnungssuchen. Es müsste also mehr gebaut werden. Doch Bauen ist teuer und langwierig. Ein Grund dafür: umständliche Verfahren, zu viel Bürokratie. So zumindest sieht das die bürgerliche Seite des Zürcher Kantonsrats – und mit ihr Stephan Weber, FDP-Parlamentarier aus Wetzikon. Er hat eine Lösung für das Problem, findet er. Und zwar: Baubewilligungen sollen rascher erteilt werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das hat Weber in einer Motion gefordert, die er zusammen mit dem SVP-Präsidenten Domenik Ledergerber und dem Alt-Kantonsrat Andreas Hasler (Grüne, Illnau-Effretikon) eingereicht hat. Konkret sollte die Frist für die Vorprüfung von Baugesuchen um eine Woche von drei auf zwei Wochen gekürzt werden. Die vertiefte Beurteilung des Projekts sollte von vier auf drei Monate gekürzt werden. Der Regierungsrat schlug darauffolgend vor, letzteren Punkt umzusetzen.Doch der Vorschlag stiess im Kantonsrat auf wenig Gegenliebe: Nur die SVP und die FDP unterstützten das Vorhaben, Mitte, GLP und die Ratslinke waren dagegen. Die Ratslinke bezeichnete das Anliegen mehrmals als «reine Symbolpolitik». Letzteres sagte etwa Gianna Berger (AL, Zürich). Symbolpolitik deshalb, weil die vorgesehenen Fristen lediglich sogenannte Ordnungsfristen sind. Es ist zwar ausdrückliches Ziel, sie zu erreichen – werden sie überschritten, hat dies aber keine rechtlichen Konsequenzen. Berger sagte: «Sollten Baugesuche schneller bearbeitet werden, müsste mehr Personal dafür gesprochen werden. Die Fristen sind nicht der einzige wichtige Faktor.»Auch Michael Bänninger (EVP, Winterthur) ortet die Probleme der zu langen Verfahren anderswo. Schon die bestehenden Fristen seien angesichts des vorhandenen Personals knapp bemessen. «Es braucht echte Verbesserung, zum Beispiel durch die Digitalisierung – und keine symbolischen Fristverkürzungen.»Wilma Willi (Grüne, Stadel) sagte, dass Baugesuche schon heute «sehr effizient» geprüft würden. Sie spekuliert, dass eine schnellere Prüfung der Baugesuche gar zu mehr Problemen führen könne, als sie löse. Sie sagte: «Wahrscheinlich würden bei den Beurteilungen mehr Fehler passieren, es würden mehr Entscheide angefochten – und das verzögert den Bauprozess erst recht.»FDP und SVP verteidigen den VorschlagDomenik Ledergerber (SVP, Herrliberg) kann die Kritik von Mitte-links nicht nachvollziehen. «Es ist so einfach, immer über Wohnungsnot zu klagen, aber keine Lösung dafür zu unterstützen», sagte er. «Diese Lösung wäre aber wichtig für Gewerbe und Bauherren. Bauen dauert heute zu lange. Geht Bauen schneller, entsteht schneller neuer Wohnraum – und der wird gebraucht.»Stephan Weber (FDP) verteidigte sein Anliegen ebenfalls gegen die Kritik von links. «Werden Baugesuche unvollständig eingereicht, können weiterhin mehr Informationen verlangt und Fristen unterbrochen werden. Kürzere Fristen bedeuten nicht mehr Fehler.»Regierungsrat Neukom setzte sich ebenso für den Vorschlag des Regierungsrats ein. Die Änderung, sagte Neukom, sei «als Signal an die Gemeinden» zu verstehen, Baugesuche schneller zu bearbeiten.Doch die Verteidiger des Anliegens hatten keinen Erfolg: Der Kantonsrat beschloss mit 98 zu 75 Stimmen, nicht auf die Vorlage einzutreten. Sollen Fristen beim Bauen verkürzt werden, scheint es anderswo passieren zu müssen – etwa bei den Rekursmöglichkeiten, wie mehrere Kantonsräte und Kantonsrätinnen vorschlugen.Online-Plattform für GrundstückdatenDoch das Nein zu kürzeren Baubewilligungsfristen bedeutet nicht, dass in Sachen Bauen in Zürich nichts geht. Der Kantonsrat hat am Montag auch beschlossen, dass Daten zu Gebäuden und Grundstücken im Kanton in Zukunft einfacher zugänglich sein sollen. Schon jetzt erhebt der Kanton folgende Daten:GrundbuchdatenDaten der GebäudeversicherungSteuerdatenDaten der amtlichen VermessungDaten des Gebäude- und Wohnungsregisters des BundesEnergie- und Klimadaten, die für Gebäude relevant sindIn Zukunft sollen all diese Daten an einem Ort gebündelt werden und an einem Ort zugänglich sein: von der Information, wem ein Gebäude gehört, bis zu jener, welche Heizung ein Gebäude hat. Dafür soll der Kanton eine Online-Plattform schaffen.Das ermöglicht ein neues Gesetz, das der Kantonsrat beraten hat. Eine grosse Neuerung sei die Online-Plattform nicht, sagt der zuständige Regierungsrat Martin Neukom (Grüne): «An den Daten ändert sich nichts, an deren Erhebung ändert sich nichts, es wird nur einen neuen Ort geben, sie abzurufen.»Auch der Zugriff auf die Daten wird gleich bleiben. Jene Daten, die heute bereits öffentlich sind, werden weiterhin öffentlich sein. Die Daten hingegen, die vertraulich sind, werden dies weiterhin bleiben – die Plattform bringt also insbesondere für jene Behörden und Einwohner einen Vorteil, die sowieso Zugriff auf Daten aus mehreren Quellen haben.Das Gesetz stiess im Rat auf breite Zustimmung. Benjamin Krähenmann (Grüne) sagte: «Es ist wichtig, möglichst präzise Daten zu haben. In diesem Punkt sehen wir einen Fortschritt.» Leandra Columberg (SP) sagte: «Wir erwarten in Zukunft, dass diese Daten besser und aktueller werden. Das ist begrüssenswert.»Einen Kritikpunkt fand hingegen Roman Schmid (SVP, Opfikon). Er lobte die Vorlage zwar, kritisierte aber, dass die Plattform 2,3 Millionen Franken kosten wird. Dies lohne sich aber angesichts der Tatsache, dass viele Abläufe durch die Plattform effizienter werden könnten.Auch Daniel Mäder (GLP) übte Kritik. Die Vorlage erreiche ihre Ziele nur zu 80 Prozent, sagte er. Denn die zuständige Stelle dürfe zwar feststellen, wenn sich Informationen aus verschiedenen Quellen widersprächen – sie dürfe diese aber nicht korrigieren. Das dürfen nur jene, welche die Informationen bereitstellen. «So entsteht ein strukturelles Problem.»Der Kantonsrat stimmte dem Gesetz vorerst zu. Vor der definitiven Verabschiedung des Gesetzes ist nun die Redaktionskommission des Kantonsrats am Zug.Passend zum Artikel
Zürich: Einheitliche Grundstücksdaten, aber keine schnelleren Baubewilligungen
In Zukunft werden alle Grundstücksdaten an einem Ort zugänglich sein. Die Fristen für Baubewilligungen bleiben aber, wie sie sind.










