Wenn ein Gemälde den Titel „Trump“ trägt und für es Elefantendung verwendet wurde, liegt eine vorschnelle Deutung als Schmähung des US-Präsidenten nahe. Tatsächlich schuf der Engländer Chris Ofili das Großformat bereits 1998 – in dem Jahr, in dem er als erster schwarzer Künstler den Turner-Preis erhielt. Sein lächelndes Pik-As betitelte der Young British Artist „Trumpf“, um sich der abwertenden Verwendung des Wortes „Spade“ für Schwarze zu widersetzen. 2024 blieb das zweieinhalb Meter hohe Bild bei Sotheby’s in London mit einer Taxe von 600.000 bis 800.000 Pfund liegen. Nun zählt die Mischtechnik im Wiener Dorotheum mit reduzierten 300.000 bis 500.000 Euro zu den Spitzenlosen der Auktionen moderner und zeitgenössischer Kunst am 19. und 20. Mai.Frühlingsgefühle nach einer WahlniederlageAuch Julian Schnabel stellt politische Bezüge her: Am Tag von Donald Trumps Wahlschlappe 2020 hätte er aus Euphorie mit seiner Serie blühender Rosenbüsche „Victory Plate Paintings“ begonnen. Inspiriert von Antoni Gaudís Kachelornamentik arbeitet der Neo-Expressionist seit den späten Siebzigerjahren mit aufgeklebten Scherben. Eine Version der Rosen auf Aluminium von 2022 geht nun mit einem Schätzpreis von 180.000 bis 260.000 Euro an den Start.Tae 180.000 bis 260.000 Euro: Julian Schnabels Assemblage „Ohne Titel“ aus der Serie „Victory Plate Paintings“, 2022, Öl, Keramikscherben und Bondo auf Aluminium, 121,9 mal 91,4 mal 20 ZentimeterDorotheum/VG Bild-Kunst, Bonn 2026Von Günther Förg stammt ein Acrylgemälde mit nervösen schwarzen Rastern. Das Gitterbild von 1996 soll 260.000 bis 350.000 Euro einspielen. An architektonische Strukturen gemahnt eine 1969 mit Kohle auf Leinwand geschaffene Komposition der Portugiesin Maria Helena Viera da Silva (Taxe 80.000 bis 120.000 Euro). Günther Ueckers quadratisches Nagelrelief „Strukturfeld“ ändert sein Aussehen je nach Blickwinkel (160.000/180.000). Ganz schön experimentierfreudigDank seiner Repräsentanzen in Mailand und Rom bringt das Dorotheum wieder starke italienische Kunstwerke zum Aufruf. Besonders sticht Emilio Vedovas gestisch-kraftvolles Gemälde „Emerging ’83“ hervor, das er dem deutschen Architekten Bruno Taut widmete. Der Katalog verweist auf Parallelen zwischen einer breitpinselig gemalten Spitzform und Tauts Glashauspavillon von 1914. Das nahezu quadratische Großformat wird auf 180.000 bis 250.000 Euro geschätzt.Die Mailänder Nachkriegsavantgarde zeigt sich experimentierfreudig: Lucio Fontanas polychrome Terrakotta „Crocifissione“ von 1957 setzt goldene Farbakzente (100.000/150.000). Im selben Jahr schuf Piero Manzoni mit Teer eine Kartonarbeit, die einer apokalyptischen Landschaft gleicht (30.000/40.000). Aus der US-Kunst macht eine comichafte Szene von William N. Copley von 1964 neugierig darauf, welcher Story dahinterstecken mag (80.000/120.000). Robert Rauschenbergs zwei mal drei Meter große Assemblage „Tower Terrain“ ist Teil aus seiner Serie „Spreads“ und ist mit einem Ruder ausgestattet (100.000/150.000). Erwähnt sei auch Miriam Cahns enigmatische Figur „Unklar“ von 1996 (50.000/70.000).Schätzpreis 220.000 bis 300.000 Euro: Giorgio de Chirico, „Cavallo e zebra sulla spiaggia“, um 1930, Öl auf Leinwand, 73 mal 92 ZentimeterDorotheum/VG Bild-Kunst, Bonn 2026Mit einem interessanten Frauenbildnis des späten Egon Schiele wartet die Offerte der Sparte Moderne auf. Sein aquarelliertes „Mädchen mit rotem Hut“ tritt mit verschränkten Armen und distanziertem Blick auf (240.000/300.000). Schieles erotische Linienkunst demonstrieren seine Kohlezeichnung „Zwei liegende Akte“(180.000/250.000) und sein „Stehender Rückenakt“, den er allerdings nicht selbst kolorierte (90.000/120.000). Zu den Highlights auf Papier zählt Pablo Picassos Studie zu „Les Déjeuners“, dem Sujet „Mittagessen im Freien“, das er immer wieder aufgriff (120.000/160.000). In den Nebel der Themse führt das Spitzenlos von Claude Monet, dessen duftiges Pastell „Waterloo Bridge. Brouillard“ aus dem Jahr 1901 das Blau des Himmels und des Flusses ineinanderfließen lässt (300.000/500.000). Die Pferdefreunde Marino Marini und Giorgio de Chirico sind Stammgäste im Dorotheum. Marinis Bronze „Cavaliere“ entstand 1951 in einer Auflage von sechs (240.000/320.000); De Chirico schickte um 1930 einen Schimmel und ein braunes Zebra durch eine antike Landschaft (220.000/300.000). Von Albin Egger-Lienz, dessen Todestag sich im November zum 100. Mal jährt, hat die Auktion zwei Gemälde aus den Zwanzigerjahren im Angebot. Sowohl von dem Motiv „Zwei Schnitter“ (190.000/250.000), als auch von der bäuerlichen „Mahlzeit“ hinterließ der Tiroler zahlreiche Versionen (150.000/250.000). Von Giovanni Segantinis Sohn Gottardo stammt die sonnige Landschaft „Bellevue, Zollikon“ am Zürichsee (70.000/100.000).
Auktionsvorschau: Moderne und Zeitgenossen im Dorotheum
Mit Werken aus Italien, Amerika und Österreich spielt das Dorotheum bei kommenden Auktionen wieder seine besten Karten aus. Wer auf der Suche nach Kunst mit politischer Botschaft ist, kann hier fündig werden.







