Applaus für eine Avantgardistin der italienischen Nachkriegskunst: Das Wiener Dorotheum konnte bei seinen Zeitgenossen eine neue Bestmarke für Carla Accardi setzen. Seit dem Tod der Künstlerin im Jahr 2014 ist ihr Marktwert deutlich gestiegen. Carla Accardis beidseitig gestalteter Paravent „Fonda notte – Pieno giorno“ zeigt die typisch biomorphen Formen des zeichenhaften Vokabulars, das sie seit den 1950er-Jahren weiterentwickelt hat. Der 1986 geschaffene Holzschirm wechselte für hervorragende 400.000 Euro netto den Besitzer – das Zehnfache seiner Untertaxe.Nachkriegsmalerei aus PragZu den besonders umkämpften Losen zählte auch Mikuláš Medeks mit Öl und Emaille gemaltes Hochformat „Too Deep a Sleep V“ von 1966. Das Werk des Prager Malers, der bereits 2025 im Dorotheum für Aufsehen sorgte, setzte sich mit 420.000 Euro (Taxe 150.000 bis 200.000 Euro) an die Spitze der Auktion. Ein unbetiteltes Gemälde des Tschechen von 1968 erlöste stattliche 260.000 Euro (90.000/140.000). Unter die Toplots reihte sich Martha Jungwirths geradezu „saftiges“ Ölbild auf Karton „Fruchtfleisch“ von 2012. Die gestische Abstraktion in Lila, Pink und Orange kletterte von geschätzten 80.000 bis 140.000 Euro auf 330.000 Euro. Auch Miriam Cahns Ölbild „Unklar“ übertraf die Erwartungen und stieg von einer Taxe von 50.000 bis 70.000 Euro auf 150.000 EuroBegehrtes Hochformat: Mikuláš Medeks Gemälde „Too Deep a Sleep V“ von 1966 stieg auf 420.000 Euro.Dorotheum„Vater Staat“ nannte Thomas Schütte 2007 eine patinierte, fünfzig Zentimeter hohe Bronzefigur in einer Auflage von sechs. Das Männchen mit dem zu langem Mantel, eher ein Antiheld denn ein Patriarch, erlöste mit 400.000 Euro seine mittlere Taxe. Die Dynamik von Günther Ueckers „Strukturfeld“, einem quadratischen Nagelbild von 1977, bewies mit Zuschlag 350.000 Euro gesteigerte Nachfrage (180.000/260.000). Mehr erwartet hatte das Dorotheum für sein Spitzenlos, Chris Ofilis Tableau „Trump“, das zumindest bei seiner Untertaxe von 300.000 Euro wegging.Mit Monet an die ThemseDie Sparte moderner Kunst verzeichnete eine hohe Absatzrate. Das Pastellbild „Waterloo Bridge, Brouillard” zeugt von Claude Monets Begeisterung für die Stimmungen an der Londoner Themse. Knapp 32 mal 48 Zentimeter groß und auf 300.000 bis 500.000 Euro geschätzt, spielte es 470.000 Euro ein. Auch eine andere hochkarätige Papierarbeit fand regen Zuspruch: Schieles „Sitzendes Mädchen mit rotem Hut“ kennzeichnet schon der frühexpressionistische, kantige Stil, der den Wiener Künstler berühmt machte. Das 1910 entstandene Blatt, das auf der Rückseite einen Männerakt zeigt, erzielte 365.000 Euro (240.000/300.000).Eine Reiterfigur aus Bronze von Marino Marini aus dem Jahr 1951 übertraf mit 400.000 Euro deutlich die Erwartungen von 240.000 bis 320.000 Euro. Von seinem Landsmann Gino Severini punktete ein Paradiesgarten mit Adam um 1937. Die tierreiche Szene in Tempera auf großformatiger Holzplatte blieb mit 290.000 Euro knapp unter ihrem Schätzwert (300.000/400.000). Ebenfalls aus der Mussolini-Zeit stammt Giorgio de Chiricos „Cavallo e zebra sulla spiagga“, das einen Schimmel und ein braunes Zebra durch eine antikisierende Meereslandschaft schickt. Das Ölgemälde erbrachte seine Untertaxe von 220.000 Euro. De Chiricos Pferdemotiv kehrte zudem in dessen Bild „Apparizione del cavallo in un interno metafisico“ von 1969 auf, das für 210.000 Eure in neue Hände wechselte (150.000/200.000).
Auktionsergebnisse: Moderne Kunst im Wiener Dorotheum
Die Auktionen moderner und zeitgenössischer Kunst im Wiener Dorotheum zeigen, wie stark die Nachfrage nach einzelnen Nachkriegskünstlers steigen kann – und welche Klassiker bei den Sammlern immer hoch im Kurs stehen.






