„Die Welt brennt“, sagte der Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer. „Aber Brandherde löscht man nicht durch Zuschauen.“ Und eine Kirche, die hinausgehe, und Brandherde löschen wolle, werde vielleicht müde, angegriffen oder missverstanden. „Aber sie wird leuchten.“ Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sprach diese Worte beim Abschlussgottesdienst des 104. Katholikentags, der am Sonntag in Würzburg zu Ende gegangen ist.Seit Mittwoch hatten 34.000 Teilnehmer mit einer Eintrittskarte und mehr als 40.000 weitere Besucher, die an kostenlosen Veranstaltungen unter freiem Himmel teilnahmen, ein großes, buntes Glaubensfest erlebt. Unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ fand in Würzburg mit dem Katholikentag zugleich das größte Festival der politischen Bildung in Deutschland statt. Das Zentralkomitee deutscher Katholiken (ZdK) sprach als Veranstalter deswegen sogar vom am besten besuchten Katholikentag seit 2018. Unter den Teilnehmern des Würzburger Katholikentags fand sich etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, für den die Christentreffen zu den festen Terminen in seiner Amtszeit gehörten. Viel politische Prominenz „Katholikentage und Evangelische Kirchentage sind Orte der Vergewisserung, aber auch Begegnungsorte“, sagte das Staatsoberhaupt, dessen Nachfolger im kommenden Januar gewählt wird. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und zahlreiche Ministerinnen und Minister der Bundesregierung gaben sich die Ehre. Merz (CDU) warb bei einer Diskussion mit jungen Menschen für mehr politisches Engagement, etwa in der Kommunalpolitik. In der von Klimaaktivisten mehrfach gestörten Veranstaltung räumte der CDU-Vorsitzende zudem ein, dass die Bundesregierung derzeit nicht das beste Bild abgebe. „Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse“, so Merz. „Das mag sein.“Doch auch Demonstrationen von Klimaschützern oder Palästinensern, die gegen die Außenpolitik von Merz protestierten, und eine Menschenkette für Reformen in der Kirche gehörten zum Bild des Katholikentags. Die freilich nur rund 130.000 Einwohner zählende Universitätsstadt war von Menschen mit gelben Katholikentagsschals und moderner geistlicher Musik, die von zahlreichen Bühnen erklang, geprägt. Und auf dem Marktplatz hatte das Kölner „Domradio“ ein überdimensioniertes Weihrauchfass aufgebaut, dessen Rauchschwaden durch die Stadt waberten. Angst vor AfD-Wahlsiegen Denn der Katholikentag war auch ein geistliches Festival: Besonders zu Gottesdiensten und Bibelarbeiten waren viele Kirchen und Säle überfüllt. Wie ein roter Faden zog sich zudem die Angst vor dem Wachstum der AfD und den im Herbst anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern durch das Programm.Dabei wurde allerdings nicht mit AfD-Vertretern diskutiert: Sie werden schon seit mehreren Jahren wegen der Positionierungen ihrer Partei nicht mehr auf die Podien der Christentreffen eingeladen. Hingegen warnte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei einer Rede am Rande des Katholikentags explizit davor, die Partei zu unterschätzen. Wer sage, man solle sie „einfach mal machen lassen“ und sie würden dann wieder verschwinden, begebe sich auf gefährliches Terrain. Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nimmt am Abschlussgottesdienst des 104. Katholikentages auf dem Residenzplatz teil. © dpa/Karl-Josef Hildenbrand Und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach im Abschlussgottesdienst dann über das Wachstum des Antisemitismus in Deutschland. Der Hass gegen Juden habe sich wieder in der Mitte der Gesellschaft ausgebreitet. Jüdisches Leben sei in Deutschland bedroht und nur noch hinter einem Schutzschild möglich. „Es ist die Ideologie jener, die unserer offenen Gesellschaft, unserer Demokratie und unserer Freiheit schaden wollen“, sagte Schuster. Der antisemitische Hass ziele immer auf das Fundament unseres Zusammenlebens: die Nächstenliebe. Gerade deshalb sei es wichtig, Mut sowie Zivilcourage aufzubringen und dabei auch Ausdauer zu zeigen.
Die Kirche als Feuerwehr: Katholiken in Würzburg wollen sich von Angst nicht überwältigen lassen
In Würzburg endet der 104. Katholikentag. Es war das größte Festival der politischen Bildung in Deutschland – und dabei von einer Sorge geprägt.










