In den Londoner Pubs skandieren sie schon seinen Namen – Xabi Alonso soll das taumelnde Chelsea zurück zu Titelgewinnen führenSpieler und Fans kritisieren die Klubführung des Chelsea FC – das kommt dem neuen Coach Alonso zugute: er erhält im Klub mehr Mitspracherecht als seine Vorgänger.Sven Haist, London17.05.2026, 16.26 Uhr3 LeseminutenAuf zu neuen Ufern: Nach der Entlassung bei Real Madrid im Januar heuert der 44-jährige Alonso in der Premier League an.Christopher Neundorf / EPADie Fans des Chelsea FC verliessen das Wembley-Stadion mit hängenden Köpfen. Ihre Mannschaft hatte zur ohnehin enttäuschenden Saison auch noch den FA-Cup-Final gegen Manchester City 0:1 verloren. Der Cup-Sieg hätte nicht nur Prestige, sondern auch die Teilnahme an der Europa League gesichert. Zwar kann der Klub die europäischen Wettbewerbe in den verbleibenden zwei Premier-League-Spielen noch fixieren, doch die Ausgangslage ist ähnlich düster wie die Stimmung unmittelbar nach Abpfiff am Samstagabend.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auf dem Heimweg erreichte die Anhängerschaft jedoch eine Nachricht, die sie auf einmal wie Sieger fühlen liess und die der Verein am Sonntag offiziell bestätigte: Trainer Xabi Alonso unterschreibt einen Vierjahresvertrag bis 2030 und übernimmt das Team zum 1. Juli. Die Bekanntgabe der Personalie zu diesem ungewöhnlichen Zeitpunkt – eine Woche vor Saisonende – wirkte wie eine unmittelbare Reaktion auf die Cup-Niederlage.Statt des verpassten Pokals konnte Chelsea seinen Fans so immerhin den begehrten baskischen Trainer präsentieren. In den Verhandlungen hatte der Klub auf eine schnelle Einigung gedrängt, auch um möglichen Konkurrenten zuvorzukommen.Bei den Spielern gibt es Unmut über die Strategie der KlubführungIm Communiqué des Klubs wurde Alonso, 44 Jahre alt, mit drei Fotos und noch mehr warmen Worten begrüsst. Er gehöre zu den «angesehensten Persönlichkeiten im modernen Fussball», hiess es. Zu sehen war der frühere Meistertrainer von Bayer Leverkusen mit der Bundesliga-Meisterschale sowie dem WM-Pokal, den er als Spieler gewonnen hat. Alonso entgegnete in derselben Mitteilung, der Chelsea FC sei einer «der grössten Klubs im Weltfussball» und die Aufgabe erfülle ihn «mit erheblichem Stolz».Solche Sätze dürften dem angekratzten Selbstverständnis der Anhängerschaft geschmeichelt haben. Die Strahlkraft Alonsos erinnert mehr an prägende Trainerfiguren des Vereins wie José Mourinho oder Thomas Tuchel als an seinen blassen Vorgänger Liam Rosenior.Zuletzt hatten sich die Proteste der Anhänger gegen die seit vier Jahren amtierenden Besitzer um Todd Boehly und Behdad Eghbali verschärft. Selbst einige Spieler äusserten öffentlich ihren Unmut über die rigoros auf Talente ausgerichtete Philosophie und spielten mit Abschiedsgedanken.Die Situation gleich jener in Leverkusen – auf höherem sportlichen NiveauUm weiteren Reputationsverlust zu vermeiden, versprach die Vereinsführung Selbstreflexion – die Verpflichtung Alonsos ist die erste sichtbare Erkenntnis davon. Für diesen Coup servierten Boehly und Eghbali ihrem neuen Trainer gewissermassen schmackhafte Pintxos, wie baskische Häppchen genannt werden: eine Korrektur der bisherigen Transferstrategie und deutlich mehr Einfluss auf die Kaderplanung. Als erster Coach unter den aktuellen Eigentümern wird Alonso ausdrücklich als «Manager» und nicht als «Head Coach» geführt.Auch Alonso hat nach seinem Aus bei Real Madrid im Januar wohl einige Lehren gezogen. Die Rückkehr zu seinem früheren Verein als Spieler war von Beginn an emotional überladen und mit überhöhten Erwartungen verbunden. Die Struktur seines neuen Teams in London bildet dazu einen Gegenpol: entwicklungsfähige Spitzenspieler statt eines von Stars und Eitelkeiten geprägten Ensembles. Die Ausgangslage erinnert deshalb – wenn auch auf einem insgesamt höheren sportlichen Niveau – an sein Engagement in Leverkusen.Während sich der Chelsea FC bei der Zielsetzung vage hält, machte Alonso in seinen Zitaten mehrfach deutlich, wofür er nach London kommt: für Titel. Potenzial dafür scheint er sowohl im Team als auch im Klub zu erkennen. Trotz der bisher enttäuschenden Bilanz der Eigentümer verfügt Chelsea über 54 Profis inklusive der verliehenen Akteure, deren Gesamtwert auf 1,58 Milliarden Franken geschätzt wird – mehr als bei jedem anderen Verein.Mit Blick auf die künftige Zusammenarbeit im komplizierten Machtgefüge um Boehly und Eghbali betonte Xabi Alonso, man teile «die gleiche Vision». Die Fans feierten seine Zusage fast wie einen Titelgewinn – und skandierten seinen Namen in den Londoner Pubs.Passend zum Artikel
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Spieler und Fans kritisieren die Klubführung des Chelsea FC – das kommt dem neuen Coach Alonso zugute: er erhält im Klub mehr Mitspracherecht als seine Vorgänger.










