Ein goldenes Handy – made in Amerika? Trumps Versprechen, Amerika zu reindustrialisieren, löst sich gerade in Rauch aufBeim Staatsbesuch in Peking war der amerikanische Präsident überschwänglich freundlich zu seinem Rivalen Xi Jinping. Trump hofft auf die Hilfe von China. Denn zu Hause fehlt es der Industrie an allem.Andreas Mink, Gordana Mijuk17.05.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenIllustration Dario Veréb / NZZaSMan musste sich schon etwas die Augen reiben. «Sie sind so ein grosser Führer», sagte Donald Trump, an Xi Jinping gerichtet, bei seinem Staatsbesuch in Peking. «Ich habe so viel Respekt für China.» Trump konnte fast nicht aufhören mit seinen Lobpreisungen. Er war derart verzückt von dem Empfang, den ihm die Volksrepublik bescherte – den höchsten militärischen Ehren, den jubelnden Kindern entlang des roten Teppichs, dem Entenbraten unter der Tellerhaube aus feinstem chinesischen Porzellan –, dass er wohl gar nicht gemerkt hat, dass Xi ihn persönlich mit keinem Wort lobte, sondern bloss betonte, dass die gemeinsamen Interessen der beiden Länder grösser seien als die Differenzen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trump hatte bisher vor allem auf die Differenzen geschaut und sich bitter beklagt, dass China die USA jahrzehntelang ausgebeutet habe, «wie kein anderes Land zuvor». In seiner ersten Amtszeit gab er sich als China-Falke, und vor einem Jahr brach er erneut einen globalen Handelskrieg vom Zaun, der sich besonders hart gegen China richtete – mit Strafzöllen von bis zu 140 Prozent.Am sogenannten «Liberation Day» am 2. April letzten Jahres hatte er getönt, die Zeit, in der die USA von anderen Ländern ausgenützt würden, sei vorbei. «Jobs and factories will come roaring back», sagte er damals im Rosengarten des Weissen Hauses. Arbeitsstellen und Fabriken in den USA würden einen grossen Aufschwung erleben, ja, Amerikas Industrie werde neu geboren. Die Zölle sollten die Unternehmen anderer Länder zwingen, Fabriken in den USA aufzubauen.Der edel gedeckte Tisch für Präsident Donald Trump am Staatsbankett in der Grossen Halle des Volkes in Peking.Mark Schiefelbein / APZwei seiner Söhne, Don und Eric, wollten an diesem künftigen Aufschwung mitverdienen und lancierten nur ein paar Wochen nach Trumps «Befreiungsschlag» mit dem Namen ihres Vaters einen neuen Mobilfunkservice: «Trump Mobile». Sie kündigten zudem an, ein Smartphone auf den Markt zu bringen: das T1, ein schlankes, goldenes Handy – made in USA! «Es ist an der Zeit, den Markt aufzumischen. Es ist an der Zeit, die Produkte zurück in unser grossartiges Land zu bringen», sagte Eric Trump vollmundig. Für 499 Dollar sollte das Smartphone ab August 2025 erhältlich sein, wer sich eins sichern wollte, konnte eine Zahlung von 100 Dollar machen.Ikone des digitalen Zeitalters – made in USA?Das Trump-Mobile-Phone T1.Visualisierung PDEs wäre die Krönung von Trumps Reindustrialisierungskampagne gewesen. Ein Smartphone, die Ikone des digitalen Zeitalters, hergestellt in Amerika. Ein goldenes Smartphone für das goldene Zeitalter amerikanischer Grossartigkeit, das Trump immer wieder ausruft, seit er wieder Präsident ist.Allein, die T1-Kunden warten immer noch auf ihr T1, fast ein Jahr nach der geplanten Lancierung. Viele Maga-Fans, die das Smartphone vorbestellt haben, gaben ihrem Ärger auf Social Media Luft. Diese Woche versicherte der Trump-Mobile-CEO Pat O’Brien, die Telefone würden jetzt ausgeliefert. Doch mit dem angepriesenen Produkt vom vergangenen Sommer hat das T1 wohl nur noch wenig gemein. So wurde aus «made in America» auf der Website «designed with American values in mind», «entworfen im Geiste amerikanischer Werte».Watch a MAGA supporter crash out over his “concept of a plan” gold Trump phone that’s never going to be in the mail. Fucking priceless. pic.twitter.com/D3oRgympZm— Subi-doo 🐸 (@suzamaroo) May 5, 2026