In der Spieltheorie beginnt strategisches Denken mit einer einfachen Einsicht: Wer handelt, tut dies immer im Blick auf das Handeln anderer. Auf die Abschreckung übertragen heißt das, dass Sicherheit nicht allein von den eigenen militärischen Fähigkeiten abhängt, sondern auch von Erwartungen, Signalen und glaubwürdigen Drohungen, mit denen man das Verhalten des Gegners beeinflussen kann. Vereinfacht gesagt: Abschreckung funktioniert nur, wenn Putin als potenzieller Angreifer davon ausgehen muss, dass die Nato im Verteidigungsfall seinen Streitkräften standhält und einen hohen Schaden zufügt. Ohne dass er dabei exakt kalkulieren kann, wann, wie und mit welchen Mitteln diese Reaktion erfolgt. Genau darin liegt die Logik strategischer Ambiguität: genug Klarheit, um glaubwürdig zu sein – genug Unschärfe, um dem Gegner keine Anleitung zu liefern.