Die Ärztekammer Niedersachsen will gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigungen in den eigenen Reihen vorgehen. Medizinstudierende hätten beim 130. Deutschen Ärztetag in Hannover von sexualisierten Belästigungen, Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistischen Gesprächssituationen während der Tagung berichtet, erklärte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, am Freitagabend.„Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen haben mich tief erschüttert und sprachlos gemacht. Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert“, sagte Renneberg.Sexuelle Belästigungen und körperliche Übergriffe seien nicht zu tolerieren, unterstrich die Präsidentin. „Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.“ Der Ärztetag habe Beschlüsse zum Schutz vor sexualisierter Belästigung und Diskriminierung gefasst.Die Studentinnen hatten vor dem Ärzteparlament eine Erklärung abgegeben. Das „Deutsche Ärzteblatt“ zitiert daraus. „Kommentare über unser hübsches Auftreten sind unangebracht. Kommentare über unsere Ausschnitte sind unangebracht. Hände auf Rücken und Gesäßen sind unangebracht“, heißt es darin. Und weiter: „Mit unseren männlichen Kollegen über berufspolitische Themen zu sprechen – mit uns weiblichen über Kinderkriegen und Stillen, ist unangebracht. Selbiges gelte für Einladungen aufs Hotelzimmer, nach Hause oder „vor die Tür“. Dieser Umgang sei auf einer Veranstaltung mit Akademikern im Gesundheitswesen nicht nur respektlos, sondern absolut inakzeptabel. Umfrage des Marburger Bunds Die angehenden Medizinerinnen wollten den Angaben nach auf ein systemisches Problem hinweisen. „73,5 Prozent der Studentinnen erleben im Praktischen Jahr sexualisierte Gewalt.“ So gewinne man keine jungen Kolleginnen und Kollegen für die Selbstverwaltung, sagten sie.Im April hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund eine bundesweite Umfrage veröffentlicht, wonach Ärztinnen und Ärzte in Kliniken häufig Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt erleben. (epd/Tsp)