PfadnavigationHomePanoramaSexuelle Gewalt„Hände auf Rücken und Gesäß“ – Medizinstudentinnen prangern Übergriffe bei Ärztetag anStand: 14:10 UhrLesedauer: 2 MinutenDelegierte und Gäste beim 130. Deutschen Ärztetag in HannoverQuelle: Julian Stratenschulte/dpaVorwürfe gegen Ärzte beim Deutschen Ärztetag sorgen für Empörung. Medizinstudentinnen berichten von sexuellen Belästigungen und Machtmissbrauch. Die Ärztekammer Niedersachsen kündigt Konsequenzen an.Die Ärztekammer Niedersachsen will gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigungen in den eigenen Reihen vorgehen. Medizinstudentinnen hätten beim 130. Deutschen Ärztetag in Hannover von sexualisierten Belästigungen, Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistischen Gesprächssituationen während der Tagung berichtet. Die Studentinnen sagten vor den Delegierten: „Kommentare über unser hübsches Auftreten sind unangebracht. Kommentare über unsere Ausschnitte sind unangebracht. Hände auf Rücken und Gesäßen sind unangebracht.“Fünf weibliche Mitglieder aus der Delegation der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (BVMD) hatten außerdem in einer persönlichen Erklärung von einem übergriffigen Verhalten vor Ort berichtet. Darin hieß es laut dem Deutschen Ärzteblatt: „Uns allen fünf weiblichen Mitgliedern unserer Delegation sind in den letzten drei Tagen Übergriffe passiert. Einige der hier Anwesenden haben sich uns und sicherlich auch anderen Personen gegenüber übergriffig und inakzeptabel verhalten.“ Es handle sich nicht um einen Einzelfall, beklagten die Studentinnen. „Wir möchten uns bewusst nicht als Einzelfälle hinstellen, sondern auf ein systemisches Problem hinweisen und aufmerksam machen. 73,5 Prozent der Studentinnen erleben im Praktischen Jahr sexualisierte Gewalt.“Entsetzen bei den DelegiertenZum Zeitpunkt der Erklärung wollten die Delegierten zum Thema Machtmissbrauch generell debattieren, berichtete das Ärzteblatt. Daraufhin hätten viele Delegierte spontan ihre Redebeiträge geändert. Daniel Wellershaus, Abgeordneter der Ärztekammer Nordrhein, sagte demnach, diese Vorkommnisse hätten bei einer solchen Veranstaltung nichts zu suchen, ein Ärztetag müsse frei von sexualisierter und verbaler Gewalt sein. Jana Pannenbäcker, Co-Vorsitzende des Ärztinnenbundes und Delegierte der Ärztekammer Westfalen-Lippe, erklärte, sie sei sprachlos. Sie habe eigentlich einen kurzen Beitrag vorbereitet, sei gerade aber nicht imstande, ihn in dieser Form vorzutragen, berichtete das „Ärzteblatt“.Lesen Sie auchDie Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, zeigte sich entsetzt. „Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen haben mich tief erschüttert und sprachlos gemacht. Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert“, sagte Renneberg.Lesen Sie auchSexuelle Belästigungen und körperliche Übergriffe seien nicht zu tolerieren, unterstrich Renneberg. „Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.“ Der Ärztetag habe Beschlüsse zum Schutz vor sexualisierter Belästigung und Diskriminierung gefasst. Im April hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund eine bundesweite Umfrage veröffentlicht, wonach Ärztinnen in Kliniken häufig Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt erleben.krö mit epd