Die Suche nach einem neuen Trainer zählt beim FC Chelsea inzwischen fast schon zum Alltag. Seit der Übernahme des Klubs 2022 durch ein amerikanisches Investorenkonsortium um den einflussreichen Direktor Behdad Eghbali standen bereits sieben verschiedene Trainer an der Seitenlinie, interimistisch derzeit Calum McFarlane. Bei ihrer Auswahl setzten die neuen Eigentümer vor allem auf Coaches, die – mit Ausnahme von Mauricio Pochettino und Thomas Tuchel, der noch aus der Ära des früheren Besitzers Roman Abramowitsch stammte – nicht zur etablierten Elite gehörten. Nun aber deutet vieles auf einen Kurswechsel hin: Als Favorit für die kommende Saison gilt offenbar: Xabi Alonso, 44. Die Spekulationen um den früheren Meistertrainer von Bayer Leverkusen, der im Januar nach nur einer Halbserie bei Real Madrid entlassen wurde, gehören zu den wenigen positiven Nachrichten einer ansonsten enttäuschenden Saison.Auch innerhalb des Teams würde Alonso auf Zustimmung stoßen. Es ist zu hören, dass viele Spieler seine Verpflichtung begrüßen würden – und am Samstag betrieben sie durchaus Werbung in eigener Sache. Zwar verlor Chelsea das FA-Cup-Finale gegen Manchester City mit 0:1. Doch der Auftritt war engagiert und diszipliniert, besonders im Vergleich zu den zuletzt sieben sieglosen Premier-League-Partien, die sämtliche Hoffnungen auf die Champions League praktisch zerstörten. Den Siegtreffer für den Vorjahresfinalisten, der damals Überraschungssieger Crystal Palace unterlegen gewesen war, erzielte Winterzugang Antoine Semenyo in der 71. Minute.Für Alonso könnte der Reiz der Aufgabe im enormen Potenzial der Mannschaft liegenFür City war es der achte Cup-Sieg der Vereinsgeschichte, für Trainer Pep Guardiola der 20. Titel in zehn Jahren in Manchester. „Ich mache verdammt viel Spaß“, scherzte Guardiola vor dem Finale. Zu den anhaltenden Rücktrittsgerüchten trotz Vertrags bis 2027 versicherte er: „Ich habe das bereits Tausend Millionen Mal erwähnt: Ich habe noch Vertrag.“Manchesters Rodri (links) und Tijjani Reijnders präsentieren den Fans die Trophäe. Tony O'Brien/ReutersFest steht jedenfalls, dass Chelsea bald einen neuen Cheftrainer präsentieren wird – denn McFarland verfügt bislang nicht über die notwendige Lizenz für eine dauerhafte Anstellung. Seit Tagen drängt der Klub auf eine schnelle Einigung mit Alonso. Der Baske gilt als äußerst begehrter Trainer, momentan ist er weder an einen Verein noch an eine Nationalmannschaft gebunden. Zudem wollen die Verantwortlichen möglichen Konkurrenten zuvorzukommen. Um Alonso zu überzeugen, scheint Chelsea sogar bereit, mit Grundsätzen zu brechen. Künftig sollen nicht mehr nur junge Spieler geholt, sondern auch die Fluktuation im Kader eingedämmt werden. Konkret dürfte das bedeuten, dass Alonso mehr Einfluss auf die Zusammenstellung des Teams erhält als seine Vorgänger.Für Alonso könnte der Reiz der Aufgabe im enormen Potenzial der Mannschaft liegen. Der Gesamtwert der 54 Chelsea-Profis inklusive der verliehenen Spieler wird auf 1,73 Milliarden geschätzt – mehr als bei jedem anderen Verein. Nach Stationen in Deutschland und Spanien wäre ein Engagement in England ein logischer Schritt. Lange galt der FC Liverpool, für den Alonso einst selbst spielte, als vorstellbares Ziel. Allerdings dürften die Reds trotz einer schwierigen Saison, die sie gerade durchleben, an Trainer Arne Slot festhalten. Er sehe „keinen Grund“, warum er nicht bleiben sollte, sagte Slot.Sollte Chelsea tatsächlich die Zusage von Alonso erhalten, wird Mitbesitzer Eghbali mehr denn je hoffen, die ständigen Trainerwechsel hinter sich zu lassen. Unter seiner Führung hielt sich kein Coach länger als anderthalb Jahre.