Lässt man die kümmerliche Punktausbeute im Kerngeschäft Fußball beiseite, dann hat der FC St. Pauli interessante Zahlen zu bieten: Zum siebten Mal nacheinander bilanzierte der Verein einen Überschuss, im vergangenen Geschäftsjahr 2024/25 waren es mehr als zwei Millionen Euro – bei einem Umsatz von erstmals mehr als 100 Millionen Euro. Mehr als 50.000 Menschen nennen sich nun stolz „Mitglied“ des Kiez-Klubs, auch das ein Allzeithoch.Fast 30 Millionen Euro hat die Ende 2024 gegründete FCSP-Genossenschaft inzwischen eingesammelt; sie gibt ihr Geld für vereinseigene Infrastrukturprojekte wie das Millerntor oder das Trainingszentrum an der Kollaustraße aus.Die Einnahmen sprudeltenDort entsteht bis Anfang der dreißiger Jahre eine moderne Anlage mit allem, was ein Profiklub braucht. Bislang trainiert der FC arg beengt. Sicher, diese Projekte wären auch in der zweiten Liga angeschoben worden. Doch die beiden Jahre in der Bundesliga haben Prozesse beschleunigt, weil St. Pauli mehr im Mittelpunkt stand und weil dank TV-Geld und Vermarktung die Einnahmen üppiger sprudelten.Der FC St. Pauli hat seit 2024 so viele Leuchtturmprojekte gestartet und in Schwung gebracht, dass Präsident Oke Göttlich auch deswegen zuversichtlich in die Zukunft blickt: „Wir bauen weiter.“Millerntor-VibesDer nächste Schritt ist eng mit dem neuen Geschäftsleiter Vermarktung und Vertrieb verbunden, Patrick Mushatsi-Kareba. Der Zweiundfünfzigjährige hat bei Sony, Universal und Apple im Digitalen gearbeitet und will das Millerntor zu einem Touristen-Hotspot und künstlerischen Zentrum machen, in dem sich Sport, Musik und Podcast treffen und sich samt der speziellen Millerntor-Vibes unweit der Reeperbahn zu einem produktiven Ganzen verbinden.Auch hier geht der FC neue und eigene Wege, denn mit klassischer Fußballvermarktung hatte Mushatsi-Kareba bislang nichts zu tun.Im Kerngeschäft ist vieles schiefgelaufen in dieser zweiten Bundesliga-Saison. Es fehlte an Qualität, an taktischer Variabilität, zuletzt gar an Willen und Zusammenhalt. Viele Verletzungen, ein paar unverständliche Pfiffe und rätselhafter Formabfall der Stützen der Mannschaft bildeten eine Melange, die den Abstieg am letzten Spieltag an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky ) gegen den VfL Wolfsburg wahrscheinlich nicht mehr abwenden lässt.Dann wird ein Exodus an Stammkräften folgen: Eric Smith, Joel Fujita, Nikola Vasilj, bestimmt auch Trainer Alexander Blessin – der FC St. Pauli müsste sich für die Zweitliga-Spielzeit 2026/27 ganz neu aufstellen.Im Hintergrund wurden allerdings solche Werte geschaffen, dass einem um den FC nicht bange sein muss: Er hat in diesen zwei Jahren viel in Steine, weniger in Beine investiert und ist deutlich stabiler geworden. Diese Resilienz eines dann doch kleinen Klubs wurde aber zu selten auf dem Rasen sichtbar. Aber vielleicht ist beides – Wachstum und Widerstand – von einem Verein dieses Formats auch zu viel verlangt.
FC St. Pauli im Bundesliga-Abstiegs-Endspiel gegen VfL Wolfsburg
Rekordumsatz, Genossenschaft, neues Trainingszentrum – der FC St. Pauli hat zwei Bundesliga-Jahre genutzt, um sich neu aufzustellen. Auf dem Rasen aber reichte es nicht: Es droht der Abstieg.












