Ach, hörte sich das damals für die leidgeprüfte Eintracht schön und Erfolg versprechend an. Dreimal vom Feinsten, bitte, was das neue Selbstbewusstsein der Mannschaft angeht. „Wir müssen denken, dass wir die Besten, die Schönsten und die Stärksten sind“ – das sagte Frankfurts neuer Trainer Albert Riera vollmundig bei seiner Antrittspressekonferenz Anfang Februar in Frankfurt. Getreu dem Motto: An uns reicht keiner heran.An diesem Samstag, rund dreieinhalb Monate später, wird der 44 Jahre alte Trainer im Anschluss an das Heimspiel gegen Stuttgart (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) aller Voraussicht nach schon wieder seine Abschiedspressekonferenz geben. Schluss mit der zu oft von ihm zur Schau gestellten Selbstherrlichkeit: Denn zu Höchstleistungen animierten Rieras oft blumige Worte dessen Spieler in den vergangenen Wochen nicht. Womöglich war ihr Glaube, die Besten zu sein, nicht groß genug. Albert Riera steht beim Bundesliga-Achten vor dem Aus, weil er nicht annähernd halten konnte, was er versprochen hatte.Die von ihm angekündigten vielfachen Verbesserungen – „alles wird sich ändern“ – blieben reihenweise aus. Zu oft stimmten die Darbietungen des Teams dann auf dem Platz nicht. Bestenfalls konnte es halbwegs überzeugen – gerade mal eine Halbzeit lang. Auf die Frage, ob er Trainer in Frankfurt bleiben werde, sagte Riera am Freitag vor Journalisten: „Darüber mache ich mir keine Sorgen.“ Sein Fokus gelte dem Stuttgart-Spiel und den drei Punkten.Schlechter als Riera schnitt nur einer abEinen Spieltag vor Saisonende steht der ehemalige Nationalspieler mit einem erreichten Punkteschnitt von nur 1,23 in der Bilanz bescheiden da. Damit nimmt Albert Riera entgegen seiner Meinungsführerschaft beileibe keine Vorreiterrolle ein. Schlechter schnitt lediglich Armin Veh mit 0,96 Punkten in seiner zweiten Zeit als Frankfurter Trainer in der Spielzeit 2015/2016 ab. Wohlgemerkt mit einer im Vergleich viel schwächer besetzten Mannschaft.Im aktuellen Rundenendspurt ist die Eintracht trotz ihrer Perspektive, noch einen internationalen Startplatz in der Saison 2026/27 einnehmen zu können, nicht in die Gänge gekommen: Sie sammelte nur einen Punkt aus vier Partien. Ihr Anführer auf der Trainerbank eckte an vielen Stellen an. Albert Riera war der Mannschaft mit seinem undurchsichtigen Kurs – der Spanier traf oft schwer nachvollziehbare Personalentscheidungen – kaum eine Orientierungshilfe. So muss aus Frankfurter Sicht Klarheit her, um sportlich wieder bessere Aussichten zu haben.Rieras Umgang mit Führungsspielern ist umstrittenWohl spätestens in der kommenden Woche werden sich die Hessen von Albert Riera trennen. Der sagte am Freitag vor einer Woche nach dem 2:3 in Dortmund zwar: „Ich fühle mich stark. Wenn ich Zeit habe, kommen nach drei, vier Monaten die besten Momente. Das war bei mir immer so. Ich brauche Vertrauen und Zeit.“Doch seine Zeit als Eintracht-Trainer ist mit großer Wahrscheinlichkeit abgelaufen – selbst wenn Frankfurt gegen Stuttgart gewönne und doch noch in die Conference League einzöge. Dafür sind die Unstimmigkeiten in Rieras Schaffenszeit zu groß. Mit ihm weiterzumachen, wäre ein Risiko für die Eintracht. Nach den bisher gemachten Erfahrungen drohten auch in Zukunft unruhige Zeiten. Zumal Rieras Umgang mit Führungsspielern umstritten ist.Für einen Neuanfang bei der Eintracht könnte ein altbekannter Trainer stehen: Adi Hütter. Der 56 Jahre alte Österreicher war schon von 2018 bis 2021 am Main tätig; 2019 zählte er mit Frankfurt zu den Halbfinalteilnehmern in der Europa League. Sein Punktedurchschnitt pro Spiel (1,65) ist der beste aller Eintracht-Coaches in den vergangenen 25 Jahren.Eine Zeit lang waren Hütter und die Eintracht 2021 auf dem besten Weg, sich für die Champions League zu qualifizieren. Der Fußballlehrer entschied sich dann jedoch, zur neuen Saison nach Gladbach zu wechseln. Das sorgte für Unruhe, Irritationen und Rückschläge. Etwaige Meinungsverschiedenheiten von früher mit den Klubverantwortlichen sollen heute aber ausgeräumt sein. Seit Oktober 2025 und der Trennung von AS Monaco ist Hütter ohne Arbeitgeber, seine Verbundenheit zur Eintracht hat er mehrmals zum Ausdruck gebracht.Neuanfang mit einem Altbekannten? Der frühere Eintracht-Trainer Adi HütterdpaSuchen die Frankfurter einen – in der Bundesliga – erfahrenen und Deutsch sprechenden Trainer, was nach der Zeit unter Albert Riera Sinn ergeben würde, käme auch der 59 Jahre alte Roger Schmidt für den Posten infrage. Er und Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche kennen sich gut, war Krösche doch einst Spieler unter Schmidt in Paderborn. Später arbeitete Krösche als Assistenztrainer in Leverkusen an dessen Seite. Momentan ist Schmidt Global Sports Director in der J-League in Japan. Krösche wäre es zuzutrauen, Schmidt für ein Engagement auf der Trainerbank zurückzugewinnen.„Zeit ist der Schlüssel zu allem im Leben“Zum Frankfurter Kandidatenkreis würde wohl auch Matthias Jaissle gehören. Der ehemalige Hoffenheimer Fußballprofi gewann zweimal die asiatische Champions League mit dem saudischen Klub Al-Ahli. Eigenem Bekunden nach kann sich der Achtunddreißigjährige, der zuvor bei RB Salzburg unter Vertrag stand, eine Rückkehr nach Europa gut vorstellen. Nach seiner Freistellung bei Fenerbahce Istanbul wäre wohl auch Domenico Tedesco verfügbar.Coacht derzeit in Saudi-Arabien: Matthias JaissleReutersAußenseiterchancen im Bewerbungsverfahren für eine Beschäftigung als Eintracht-Trainer würden Alexander Blessin eingeräumt werden. Mit dem FC St. Pauli will er am letzten Spieltag den Abstieg aus der Bundesliga verhindern. Im Januar wurden bei der Suche nach einem neuen Cheftrainer auch der ehemalige Kopenhagener Fußballlehrer Jacob Neestrup und Kjetil Knutsen (Bodo/Glimt) als potentielle Kandidaten genannt. Krösches Wahl fiel dann auf den Englisch sprechenden und in der Bundesliga unbekannten Spanier Albert Riera. Er erhielt einen Vertrag bis zum 1. Juli 2028.„Zeit ist der Schlüssel zu allem im Leben“, sagte Riera vergangene Woche in Dortmund. „Wenn ich Zeit habe, kann ich das Team verbessern.“ Nur: In den vergangenen dreieinhalb Monaten blieb er den Beweis schuldig. Mit der Zeit wollte sich der Erfolg bei ihm nicht einstellen. Ganz im Gegenteil.
Albert Riera bei Eintracht Frankfurt vor dem Aus: Wer wird der Nachfolger?
Vor dem letzten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart scheint das Aus von Albert Riera in Frankfurt sicher. Die Unstimmigkeiten in seiner Amtszeit sind zu groß. Aber wer könnte ihm nachfolgen?














