Startseite

Politik

Ausland

Neuer Fed-Chef: Warum Kevin Warsh jetzt mit dem „Regime Change“ beginnen kann An diesem Freitag endet die offizielle Amtszeit von Fed-Chef Powell. Sein Nachfolger Warsh dürfte nächste Woche loslegen – die erste Machtprobe wartet schon.

Sonja Álvarez 15.05.2026 - 10:29 Uhr Donald Trump (links) will die aggressivste Zinssenkung in der Geschichte der Fed sehen – wie wird sich Kevin Warsh (rechts) verhalten? Foto: IMAGO / IMAGOBevor Kevin Warsh zum mächtigsten Notenbanker der Welt werden kann, muss er sich von 103 Millionen Dollar trennen. Der 56-Jährige hat sich ein umfangreiches Portfolio aufgebaut, sein Vermögen summiert sich auf bis zu 200 Millionen Dollar – womit Warsh der reichste Chef sein wird, den die US-Notenbank jemals hatte.Einen Teil der Anlagen verkauft er jetzt, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Es ist einer der letzten Schritte. Dann kommt nur noch die Vereidigung – und Warsh ist endlich dort, wo er schon 2017 hinwollte: an der Spitze der Federal Reserve.Eigentlich hätte Warsh schon an diesem Freitag loslegen sollen, wenn die Amtszeit seines Vorgängers Jerome Powell, 73, offiziell endet. Doch das Ermittlungsverfahren gegen Powell verzögerte den Ablauf. Ende April wurde es eingestellt, am vergangenen Mittwoch stimmte der Senat Warshs Nominierung zu.Nächste Woche dürfte der Amtswechsel endgültig erfolgen – und eine der turbulentesten Phasen in der jüngsten Geschichte der Fed enden. Die neue? Dürfte kaum weniger heftig werden. Im Gegenteil.Trump fordert die aggressivste Zinssenkung aller ZeitenCoronapandemie, die höchsten Inflationssprünge seit 40 Jahren (9,1 Prozent im Juni 2022) und Donald Trumps persönliche Attacken – acht Jahre führte Jerome Powell die Fed durch eine Zeit, wie sie so keiner seiner Vorgänger erlebt hat. Noch 2017 hatte Trump Powell im Bewerbungsverfahren gegenüber Warsh bevorzugt. Zuletzt war Powell für ihn aber nur noch der „Trottel“, „Totalversager“ und „Dummkopf“ – weil er die Zinsen nicht so senkte, wie Trump wollte.Dass die Fed nicht dazu dient, die Wünsche des Präsidenten zu erfüllen? Das ist Trump egal. Er will die aggressivste Zinssenkung in der Geschichte der Fed sehen, um seine Wirtschaftspolitik auch geldpolitisch abzusichern: runter auf ein Prozent. Und zwar sofort.Der Offenmarktausschuss kann solchen Forderungen freilich nicht folgen. Der Leitzins blieb im April zum dritten Mal in Folge unverändert in der Spanne von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent. Und die aktuelle Lage dürfte erst recht keine Senkung zulassen. Auf Warsh warten deshalb heikle Zeiten, angesichts des Drucks durch Donald Trump – und seiner Verpflichtung, die Unabhängigkeit der Fed zu wahren.US-Notenbank Die Federal Reserve probt den Aufstand gegen Donald Trump Der Machtkampf in der Fed spitzt sich zu. Der scheidende Chef Jerome Powell bleibt als Gouverneur, mehrere Notenbanker rebellieren gegen Zinssenkungssignale. Ein gutes Zeichen für die Märkte. von Maja BrankovicAls er sich Ende 2025 erneut um den Posten bewarb, sah die Welt schließlich noch ganz anders aus. Dann folgten kurz nach dem Jahreswechsel die Gefangennahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro, Trumps Eroberungsdrohungen gegen Grönland und der Krieg gegen den Iran, der jetzt in die zwölfte Woche geht. Mit erheblichen Folgen für die US-Wirtschaft.USA: Tomaten kosten jetzt 38 Prozent mehr als 2025Die Inflation ist im April auf 3,8 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit drei Jahren gestiegen. Viele Amerikaner spüren die Folgen inzwischen im Alltag – an der Zapfsäule ebenso wie im Supermarkt, wo die steigenden Energiepreise in Kombination mit den Zöllen und regionalen Produktionsproblemen teils heftig die Preise treiben: Tomaten kosten heute fast 38 Prozent mehr als noch vor einem Jahr, Kaffee 18,5 Prozent – und wer Frankfurter Würstchen kaufen will, muss 10,7 Prozent mehr zahlen, wie Zahlen der US-Statistikbehörde