Hessen muss mit deutlichen Steuerausfällen rechnen: Bis 2030 kommt auf das Land ein Minus von fast 1,8 Milliarden Euro zu, auf die Kommunen ein Minus von fast 1,5 Milliarden Euro. Diese aus der Frühjahrs-Steuerschätzung des Bundes abgeleiteten Zahlen hat Finanzminister Alexander Lorz (CDU) veröffentlicht.Lorz vergleicht die aktuellen Daten mit der Steuerschätzung aus dem Oktober des vergangenen Jahres. Es treffe auch die Kommunen abermals hart, so der Minister. „Als Land werden wir weiter verlässlicher Partner sein und unsere milliardenschweren Zahlungen trotz unserer eigenen Belastungen stemmen. Mehr geben können wir leider nicht.“Das Land kann gegenwärtig von Steuereinnahmen für den Landeshaushalt von rund 27,8 Milliarden Euro für 2026 und von rund 29,5 Milliarden Euro für 2027 ausgehen. Für das laufende Jahr würde das ein Minus von 365 Millionen Euro gegenüber der Steuerschätzung aus dem Oktober 2025 bedeuten – also täglich ein Defizit von einer Million Euro.Einige Belastungen waren eingepreistDa im Haushalt 2026 einige Belastungen schon vorausschauend eingerechnet worden seien, falle das Minus gegenüber dem aktuellen Etat etwas geringer aus, erklärte Lorz. Es liege dennoch bei 235 Millionen Euro. Die „beträchtlichen Steuerausfälle“ würden sich in den Folgejahren fortschreiben.Nach Angaben des Finanzministers liegen sie bis 2030 bei rund 350 Millionen Euro im Jahr, wenn man sie mit der vorherigen Steuerschätzung vergleicht. Verglichen mit der etwas vorsichtigeren Finanzplanung des Landes liegen sie bei rund 150 bis 200 Millionen pro Jahr.Das Land hatte im Haushalt 2026 und in der Finanzplanung für die nächsten Jahre bereits Steuerrechtsänderungen zur Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie und die Erhöhung der Entfernungspauschale sowie Mindereinnahmen durch das Aktivrentengesetz berücksichtigt. Diese Punkte waren allerdings in der Steuerschätzung im Oktober 2025 nicht enthalten, da sie zum Zeitpunkt der Schätzung noch nicht beschlossen waren.Für Hessens Kommunen summieren sich die Ausfälle im gesamten Schätzzeitraum auf 1,482 Milliarden Euro. Dies liegt vor allem an gesenkten Prognosen für die Gewerbesteuer. Für den Haushalt 2026 erhöhten die Zahlen den Konsolidierungsdruck, so Lorz.Entscheidend werde die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im zweiten Halbjahr sein. Fasse die Wirtschaft Fuß, könnten die erwarteten Ausfälle im Lauf des Haushaltsjahres aufgefangen werden.Der Haushalt 2026 sieht eine Neuverschuldung von knapp 1,9 Milliarden Euro vor. Auch für den Haushalt 2027 und die Folgejahre zwinge die Steuerschätzung weiter zum Handeln, so Lorz. „Einsparungen und Strukturreformen sind weiterhin notwendig, um den Landeshaushalt mittelfristig wieder ausgeglichen gestalten zu können.“