PfadnavigationHomePanoramaNew York„Es gab keinen Selbstmordversuch“ – Jeffrey Epsteins Bruder hält Abschiedsbrief für gefälschtVon Jacob ShamsianVeröffentlicht am 09.05.2026Lesedauer: 3 MinutenEin New Yorker Gericht hat den angeblichen Abschiedsbrief des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. In dem Brief heißt es, es sei monatelang ermittelt und nichts gefunden worden. Es sei ein Privileg, sich den Zeitpunkt des Abschieds aussuchen zu können.Nach der Veröffentlichung eines mutmaßlichen Abschiedsbriefs von Jeffrey Epstein meldet sich dessen Bruder zu Wort. Mark Epstein spricht von einer möglichen Fälschung und bekräftigt seine Zweifel an einem Suizid.Mark Epstein, der Bruder des 2019 verstorbenen Finanziers Jeffrey Epstein, hält einen kürzlich veröffentlichten angeblichen Abschiedsbrief seines Bruders für eine Fälschung. Gegenüber „Business Insider“ (gehört wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network) erklärte er, das Dokument sei nicht authentisch. „Es wäre nicht schwer, einen professionellen Fälscher zu beauftragen, einen Brief zu fälschen“, sagte Mark Epstein. „Das ist das verdammt einfachste Ding der Welt.“Der Brief war in dieser Woche durch die Entscheidung eines Richters entsiegelt worden. Nach Angaben von Nicholas Tartaglione, einem früheren Zellengenossen Epsteins, soll der Zettel nach einem mutmaßlichen Selbstmordversuch in einer Gefängniszelle in Manhattan gefunden worden sein. Tartaglione erklärte, er habe den Brief entdeckt.Mark Epstein bezweifelt diese Darstellung seit Langem und vertritt weiterhin die Auffassung, sein Bruder sei nicht durch Suizid gestorben. Er erklärte, wer auch immer den Brief gefälscht habe, habe sich an der „Stimme“ seines Bruders orientiert, die aus veröffentlichten E-Mails bekannt sei. „Sie ist allgemein bekannt“, sagte er. „Sie steht in den E-Mails. Also haben sie sie mir gestohlen, damit es so klingt, als wäre er es gewesen.“Aus einer in den sogenannten Epstein-Akten enthaltenen Zeitleiste geht hervor, dass die Notiz zwischen 2019 und 2020 durch die Hände mehrerer Personen ging, die ihre Echtheit überprüfen wollten. Weder in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten noch in einem 128 Seiten umfassenden Bericht des Generalinspekteurs zum Tod Epsteins war die Notiz enthalten. Wieder aufgetaucht war das Dokument im Zusammenhang mit einem Strafverfahren gegen Tartaglione. Die „New York Times“ hatte vergangene Woche beantragt, das Dokument freizugeben.Lesen Sie auchMark Epstein äußerte erneut Zweifel an der Existenz des angeblichen Abschiedsbriefes. „Ich weiß nicht, ob Tartaglione diesen Brief hatte. Ich bezweifle das. Ich bezweifle, dass er ihn gefunden hat“, sagte er. „Es gab keinen Selbstmordversuch, also gab es auch keinen Abschiedsbrief.“Lesen Sie auchZugleich bekräftigte er seine Vermutung, dass sein Bruder getötet worden sei. Die wahrscheinlichste Erklärung für dessen Tod sei, dass eine andere Person in der Nähe der Gefängniszelle, außerhalb des Sichtfelds der Überwachungskameras, Jeffrey Epstein getötet habe. Das US-Justizministerium halte die Vertuschung aufrecht, indem es den Fall nicht als Mord behandele, sagte Mark Epstein.Auch die Vorstellung, sein Bruder hätte einen Abschiedsbrief hinterlassen, hält er für unplausibel. „Wenn er Selbstmord begehen wollte, muss er das niemandem erklären“, sagte er.Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.Jacob Shamsian ist Global Reporter bei Axel Springer. Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine markenübergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Meinungsstücke und Analysen globaler Relevanz veröffentlicht. Journalisten aller Axel-Springer-Marken – darunter POLITICO, Business Insider, WELT, BILD, Onet und Fakt – kooperieren bei großen Geschichten für ein internationales Publikum. Die Berichterstattung erstreckt sich über alle Plattformen von Axel Springer: online, print, TV und Audio. Zusammen erreichen diese Veröffentlichungen Hunderte Millionen Menschen weltweit.