PfadnavigationHomePanoramaBuckelwalKapitän bereut Rettungsaktion –„Hätte ich mal lieber nicht geholfen“Veröffentlicht am 06.05.2026Lesedauer: 3 MinutenDer in der Ostsee gestrandete Wal ist nach tagelangem Transport endlich in der Nordsee freigelassen worden. Umweltminister Till Backhaus hat sich intensiv für die Rettung eingesetzt: „Ich war elfmal direkt am Wal. Wenn man einem Wal einmal in die Augen geschaut hat, ist man ein anderer Mensch.“Nach der spektakulären Rettungsaktion fehlt jede Spur vom Buckelwal, Behörden kritisieren fehlende Informationen und Experten befürchten sein Ende. Der beteiligte Kapitän zieht inzwischen ein bitteres Fazit und berichtet von Drohungen.Der Retter des Wals, Kapitän Martin Bocklage aus Mecklenburg-Vorpommern, hat in der Ostsee-Zeitung geäußert, seinen Einsatz inzwischen zu bereuen: „Hätte ich mal lieber nicht geholfen“, zitiert ihn das Blatt. Erst seien die Helfer als Helden gefeiert, dann als Tierquäler beschimpft worden. Er bekäme anonyme „Terroranrufe“ und Morddrohungen. Der 42-Jährige war Kapitän des Schleppers „Robin Hood“, der die Barge zog, die den Buckelwal für den Transport in die Freiheit brachte. Seit dem 11. April war Bocklage pausenlos im Dauereinsatz für den Wal. Er möchte mit dem Thema rund um den Wal in Ruhe gelassen werden: „Ich möchte mich auch nicht unter Facebook-Kommentaren rechtfertigen. Das ist der völlig falsche Ort“, sagte er.Wie es dem Wal geht, ist indes weiterhin unklar. Das Landesumweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern wartet weiter auf belastbare Informationen zu dem in einer aufsehenerregenden Aktion aus der Ostsee gebrachten Buckelwal. Die für den Tiertransport verantwortliche Privatinitiative habe entgegen ausdrücklicher Vereinbarungen bisher keine Daten zu Ortungen oder Gesundheitszustand bereitgestellt, teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin mit.Der Minister kritisierte das Verhalten der von den Behörden geduldeten Initiative scharf: „Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht.“ Er wolle sich aber auch weiterhin nicht an „Spekulationen“ über einen etwaigen Tod des Meeressäugers beteiligen, fügte er hinzu.Angesichts wachsender Zweifel am Erfolg des umstrittenen Waltransports sieht sich die von zwei Unternehmern finanzierte Rettungsinitiative zunehmendem Druck ausgesetzt. Bereits am Dienstag erklärten Experten des Deutschen Meeresmuseums, sie gingen vom Tod des Meeressäugers aus. Demnach dürfte der in die Nordsee freigesetzte Wal wohl aufgrund extremer Entkräftung zu schwach für längeres Schwimmen gewesen sein.Die Privatinitiative ließ den fast zwei Monate lang vor der deutschen Ostseeküste umherirrenden und dabei mehrfach gestrandeten Wal in der vergangenen Woche in einem wassergefüllten Lastkahn bis an die Nordspitze Dänemarks schleppen. Das beispiellose Manöver wurde von Walexperten aus dem In- und Ausland als nicht erfolgversprechend und tierquälend abgelehnt. Fachleute hatten das mutmaßlich kranke und schwer angeschlagene Tier bereits vor etwa einem Monat aufgegeben.Lesen Sie auchDer Wal hatte zuletzt fast vier Wochen weitgehend bewegungslos in einer Seitenbucht bei der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern gelegen, bevor er in die Nordsee gebracht wurde. Angesichts breiter öffentlicher Anteilnahme am Schicksal des Tiers und hochemotionalen Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern fortgesetzter Rettungsversuche in sozialen Medien wurde der Fall rasch zum Politikum.Lesen Sie auchVertreter der Initiative bezeichneten die Walfreisetzung in der Nordsee als Erfolg, ließen zugleich jedoch Raum für Zweifel und Unklarheiten. Unter anderem blieben die genauen Umstände, unter denen das Tier ins Meer entlassen worden war, unklar. Mehrere Initiativenvertreter machten der Besatzung des Schleppschiffs anschließend schwere Vorwürfe.Experten skeptischLaut Initiative liefert ein angeblich an dem Buckelwal angebrachter Peilsender außerdem keine Positionsdaten. Zugleich war die Rede von Vitalwerten des Tiers, die übermittelt worden seien. Unter Experten sorgt diese Darstellung unter anderem deshalb für Skepsis, weil GPS-Peilsender üblicherweise keine Gesundheitsdaten wie Herzschlag oder Atmung messen können. Das Meeresmuseum etwa forderte die Initiative auf, nachprüfbare Informationen zu dem Sender und dem Datenfluss zu teilen.Lesen Sie auchBackhaus rief am Mittwoch dazu auf, Debatten um Tier- und Meeresschutz nicht auf den Buckelwal zu verengen. Die Strandungen des in der Ostsee nicht heimischen Tiers seien ein Ausnahmefall gewesen, die „eigentlichen Probleme“ seien andere. So lebten in der zentralen Ostsee heutzutage nur noch einige hundert kleinere Schweinswale. Bei ihrem Schutz „müssen wir ansetzen“, erklärte der Minister. Notwendig seien etwa mehr Schutzräume.dpa/krö
Buckelwal: „Hätte ich mal lieber nicht geholfen“ – Kapitän bereut Wal-Rettungsaktion - WELT
Nach der spektakulären Rettungsaktion fehlt jede Spur vom Buckelwal, Behörden kritisieren fehlende Informationen und Experten befürchten sein Ende. Der beteiligte Kapitän zieht inzwischen ein bitteres Fazit und berichtet von Drohungen.









