PfadnavigationHomeRegionalesHamburgEntführungsfall Block„Das war schon eine Drohung“Veröffentlicht am 28.04.2026Lesedauer: 4 MinutenDer Zeuge, ein 35-jähriger Mann aus Israel, stellte sich den Fragen der Verteidigung Quelle: Marcus Brandt/dpaIm Prozess um die mutmaßliche Kindesentführung sagt ein israelischer Zeuge zum zweiten Mal aus – und belastet Christina Block erneut mit Details über ein geheimes Treffen. Dabei geht es auch um einen Schal.Im Hamburger Prozess um die mutmaßliche Entführung der beiden jüngsten Kinder der Unternehmerin Christina Block hat am Dienstag ein israelischer Zeuge erneut ausgesagt und dabei seine Darstellung aus den Vortagen präzisiert und teilweise erweitert. Der Mann, der nach eigenen Angaben eines der beiden Fluchtautos gefahren haben soll, berichtete von einem angeblichen Treffen mit der Angeklagten kurz vor der Silvesternacht 2023/24 in Hamburg – eine Darstellung, die von der Verteidigung Block ausdrücklich bestritten wird.Lesen Sie auchDer 35‑Jährige sagte aus, Christina Block habe ihm und anderen Beteiligten am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée einen Schal sowie Spielzeug der Kinder übergeben. Diese Gegenstände hätten bei der Aktion zur „Rückholung“ der Kinder mitgenommen werden sollen. In früheren Verhandlungstagen hatte die Verteidigung mehrfach betont, es habe ein solches Treffen nie gegeben. Entsprechende Hotelaufnahmen wurden im Gerichtssaal gezeigt, die Zuordnung einzelner Personen blieb dabei umstritten.Lesen Sie auchChristina Block ist angeklagt, nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre damals zehn und 13 Jahre alten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark nach Deutschland zu bringen. Die Tochter des Block‑House‑Gründers Eugen Block weist die Vorwürfe zurück und beteuert ihre Unschuld.Der Zeuge war bereits zum zweiten Mal vor dem Landgericht Hamburg vernommen worden, diesmal lag das Fragerecht zunächst bei den Verteidigern der Mitangeklagten. Er schilderte erneut, er habe die Aktion ursprünglich für legal gehalten. Der Chef der Sicherheitsfirma, David Barkay, habe ihm ein Dokument gezeigt, aus dem die Rechtmäßigkeit hervorgegangen sein soll. Zudem habe Barkay erklärt, die Kinder würden beim Vater misshandelt. Heute sehe er das Geschehen anders, sagte der Zeuge: „Es war ein großer Fehler.“Im Laufe seiner Aussage beschrieb der Mann den Ablauf der Nacht aus seiner Perspektive. Während andere Beteiligte den Vater der Kinder überwältigt hätten, sei er selbst im Auto geblieben. Von dort habe er gesehen, wie auf den am Boden liegenden Mann eingewirkt worden sei. Innerhalb des Teams sei später darüber gesprochen worden, dass es drei Personen gebraucht habe, um den Vater zu überwältigen.Der Entführer wurde selbst überraschtNach der Entführung seien die Kinder zunächst nach Süddeutschland gebracht worden, auf einen abgelegenen Hof in der Nähe von Stuttgart. Der ursprüngliche Plan habe vorgesehen, nach der Aktion direkt nach Hamburg zurückzukehren und anschließend nach Israel zu fliegen, sagte der Zeuge. Dass die Fahrt nach Stuttgart gegangen sei, habe ihn überrascht. Dort habe er erstmals erkannt, dass die Aktion illegal gewesen sein könnte. Gleichwohl habe er das „Endergebnis“ – dass die Kinder bei der Mutter gewesen seien – damals als befriedigend empfunden.Zu den Stunden auf dem Hof sagte der Zeuge, er habe gehört, wie die Kinder schrien und weinten. Ihm sei berichtet worden, dass sie ihre Mutter abgelehnt hätten. Persönlich habe er keinen direkten Kontakt zu den Kindern gehabt. Die Mutter habe sich zunächst im Wohnzimmer aufgehalten.Der Israeli berichtete zudem von einer möglichen Einflussnahme auf sein Aussageverhalten. Er habe im Sommer 2025 in Israel einen Anruf bekommen von einer engen Mitarbeiterin des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma, die für die Tat verantwortlich sein soll, sagte er. Sein Empfinden des Gesprächs: „Das war schon eine Drohung.“Die Frau, die sich während ihrer Zeit in Hamburg „Olga“ nannte, hatte nach seinen Worten irgendwie erfahren, dass er bei den Ermittlern in Deutschland aussagen wolle über die Ereignisse in der Silvesternacht 2023/24. Sie habe gesagt, es sei besser, wenn er das unterlasse, berichtete der Mann. Er habe auf Rat seines Anwalts auf seinem Handy die Gruppe mit den Teammitgliedern komplett gelöscht.Im weiteren Verlauf der Befragung ging es um Details der Vorbereitung: Treffen der Gruppe in Dänemark, die Nutzung deutscher SIM‑Karten, Übernachtungen in Hamburg sowie Ausflüge in die Nähe des Wohnorts des Vaters. Die Befragung gestaltete sich teilweise zäh; wiederholt griff die Vorsitzende Richterin ein, um Fragen zu begrenzen oder den Bezug zum Verfahren einzufordern. Auch zwischen Verteidigung und der Anwältin des Zeugen kam es mehrfach zu Wortgefechten über die Zulässigkeit von Vorhalten aus der Ermittlungsakte.Der Zeuge selbst und drei weitere Israelis hatten sich während des laufenden Prozesses bei den deutschen Behörden gemeldet. Ihnen wurde für ihre Aussagen sogenanntes sicheres Geleit zugesichert; gegen sie wird zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls ermittelt.jlau