PfadnavigationHomeRegionalesHamburgBlock-Prozess„Ich bin kein Verbrecher“ – Zeuge berichtet von Treffen mit Christina BlockVeröffentlicht am 27.04.2026Lesedauer: 4 MinutenDer 35 Jahre alte Israeli (M.) war für seine Aussage extra nach Deutschland gereist Quelle: Christian Charisius/dpaAm 46. Verhandlungstag des Prozesses gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block und andere beschreibt der Zeuge die angebliche Vorbereitung in Hamburg – und wieso er vor einem Treffen mit der Hauptangeklagten sein Gesicht verdecken musste.Im Hamburger Block-Prozess hat am 46. Verhandlungstag ein Israeli als Zeuge ausgesagt, der nach eigenen Angaben bei der Entführung der beiden jüngsten Kinder Christina Blocks in der Silvesternacht 2023/24 eines der Fahrzeuge gefahren haben soll. Der Mann schilderte vor dem Landgericht, die „Rückholaktion“ sei ihm und dem Team als legal verkauft worden – „ohne Gewalt“ sei die Vorgabe gewesen. Erst im Nachhinein habe er verstanden, „dass das komplett illegal war“.Der Zeuge berichtete, er sei in Israel von einem Freund angesprochen worden: Es gehe um Kinder, die angeblich beim Vater misshandelt würden. Der Chef der israelischen Sicherheitsfirma – im Prozess Kronzeuge David Barkay – habe mehrfach betont, deutsche Behörden seien informiert. Ein Gerichtsbeschluss habe angeblich die Kinder bei der Mutter gesehen; er selbst habe das Dokument zwar in den Händen gehalten, könne aber kein Deutsch lesen.Vor Gericht beschrieb der Mann, wie die Rollen im Team verteilt worden seien: Er selbst und ein weiterer Mann seien als Fahrer vorgesehen gewesen, mehrere andere sollten den Vater „überwältigen“, damit er keinen Widerstand leiste, während Barkay und Keren Tenenbaum „für die Kinder zuständig“ gewesen seien. Zunächst habe der Plan vorgesehen, die Kinder „mitzunehmen“, wenn sie aus dem Haus kämen; später sei als Gelegenheit das Feuerwerk in der Silvesternacht ins Auge gefasst worden.Kommuniziert habe die Gruppe über den Messenger Signal. Für die Teilnahme sei ihm Geld in Aussicht gestellt worden: „Für jeden 10.000 Euro“, sagte der Zeuge. Ausgezahlt worden sei nach seiner Darstellung später aber nur ein Teil.„Sie sollte vor der Operation unsere Gesichter nicht sehen“Besonders brisant: Der Zeuge sagte, es habe ein Treffen im Hamburger Hotel Elysée gegeben, bei dem Christina Block persönlich in einen Konferenzraum gekommen sei. Dort seien die Beteiligten aufgefordert worden, ihre Gesichter zu bedecken. Barkay habe ihnen gesagt: „Sie sollte vor der Operation unsere Gesichter nicht sehen.“ Er selbst habe einen Schal „ganz nach oben“ gezogen. Nach der Tat habe es „keinen Bedarf mehr“ gegeben, sich zu verbergen, weil die Operation gelungen war – da habe die Mutter die Gesichter gesehen.Auf Nachfrage der Vorsitzenden schilderte der Zeuge außerdem, Block habe bei dem Treffen sinngemäß erklärt, sie wolle die Kinder zurück – auch „für ihre Eltern“, ihre Mutter sei sehr krank. Die Vorsitzende wies darauf hin, dass Blocks Mutter zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten tot gewesen sei.Lesen Sie auchZum Ablauf der Silvesternacht sagte der Zeuge, das Team sei mit drei Autos losgefahren; Barkay und Tenenbaum seien in einem Wohnmobil unterwegs gewesen. Gegen 23.30 Uhr sei man im Wohnort der Kinder eingetroffen. Die Aktion habe am Hafen stattfinden sollen, wo der Vater mit seiner Frau und den Kindern das Feuerwerk ansah. „Sie nahmen die Kinder und haben sie in den Citroën gebracht“, schilderte der Fahrer. Danach sei der Konvoi in Richtung Grenze gefahren.Dort habe es einen Moment gegeben, in dem er erstmals begriffen habe, dass etwas nicht stimme: Vor der Grenze seien die Kinder ausgeladen worden, obwohl der Plan angeblich gewesen sei, gemeinsam nach Deutschland zu fahren. Er habe Geräusche von Polizei und Hunden gehört; Barkay habe geschrien, man solle zum Treffpunkt fahren. Später seien sie angewiesen worden, per Zug weiterzureisen; schließlich habe es in Süddeutschland ein Wiedersehen mit der Mutter gegeben. Christina Block sei „sehr bewegt“ gewesen und habe sich bedankt.In emotionalen Passagen betonte der Zeuge mehrfach, er sehe sich nicht als Täter. „Ich bin kein Verbrecher. Ich möchte helfen“, sagte er. Barkay habe sich als ehemaliger Mossad-Agent vorgestellt; „wir haben ihm aufgrund seines Status alles geglaubt“. Die Vorsitzende Richterin hakte immer wieder nach, wie etwas legal sein könne, wenn es in Dänemark verboten sei. Der Zeuge räumte schließlich ein, er habe im Nachhinein verstanden, dass die Aktion illegal war.Sicheres Geleit – weitere Anklagen möglichDie Staatsanwaltschaft wirft Christina Block vor, nach einem Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, die Kinder vom Wohnort ihres Ex-Mannes in Dänemark nach Deutschland zu bringen. Block bestreitet die Vorwürfe. Insgesamt gibt es in dem Verfahren neben ihr sechs weitere Angeklagte.Der Zeuge gehört zu mehreren mutmaßlich Beteiligten aus Israel, die sich während des laufenden Prozesses gemeldet haben und für ihre Aussage „sicheres Geleit“ erhalten haben. Das bedeutet: Sie dürfen zur Aussage einreisen und anschließend wieder ausreisen – rechnen müssen sie nach Darstellung der Justiz dennoch später mit eigenen Anklagen und einem separaten Verfahren.jlau
Block-Prozess: „Ich bin kein Verbrecher“ – Zeuge berichtet von Treffen mit Christina Block - WELT
Am 46. Verhandlungstag des Prozesses gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block und andere beschreibt der Zeuge die angebliche Vorbereitung in Hamburg – und wieso er vor einem Treffen mit der Hauptangeklagten sein Gesicht verdecken musste.






