PfadnavigationHomeICONISTMode„Der Teufel trägt Prada 2“Der „Teufel“ kehrt zurück – und nervt schon vor dem KinostartVeröffentlicht am 29.04.2026Lesedauer: 7 MinutenAnne Hathaway, Stanley Tucci, Meryl Streep und Emily Blunt bei der Weltpremiere von „The Devil Wears Prada 2“ in New YorkQuelle: Getty Images for 20th Century Studios/Mike CoppolaDie Fortsetzung der Modekomödie feiert in New York pompös Weltpremiere – ist aber bereits vor dem eigentlichen Filmstart so omnipräsent, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.Wie buchstabiert man Gabbana?“, war der entscheidende Satz, mit dem die neue Mitarbeiterin der (fiktiven) Modezeitschrift „Runway“ ihre tragische Nutzlosigkeit bewiesen hatte. In der Komödie „Der Teufel trägt Prada“ ergattert die ehrgeizige Journalistin Andrea Sachs den Job der „zweiten“ Assistentin der Chefredakteurin Miranda Priestly und landet in einem Vipernnest. Der Film ist genau 20 Jahre alt, also im besten Jungredakteurinnenalter, jetzt stellt die Fortsetzung die Frage, wie es im Leben mit ihr und ihren Kolleginnen weitergeht.Vielleicht ist es kein Zufall, dass die weltweite Kampagne, mit der „Der Teufel trägt Prada 2“ beworben wird, bei der Dolce-Gabbana-Show im Herbst 2025 begann. Die Schauspieler Meryl Streep und Stanley Tucci rauschten ins Teatro Metropol in der Viale Piave und setzten sich in die Front Row. Ein kleiner Aufreger für die Besucher der Mailänder Fashion Week – und ein Hinweis darauf, dass die im ersten Teil persiflierte Modewelt beim zweiten Teil kräftig mitmischen würde. Das ließ nichts Gutes ahnen.Und dann sieht man den ersten Trailer und schwankt schon wieder. Nicht nur sieht Meryl Streep nahezu unverändert aus, sie scheint sich auch eine ordentliche Portion boshafter Energie bewahrt zu haben. In der hohen Kunst der professionellen Schlagfertigkeit gibt es in Amerika den Ausdruck „without missing a beat“. Mit „ohne je ihren Einsatz zu verpassen“ ist er nur unzureichend übersetzt, denn es geht um Tempo, Pointensicherheit und geistige Beweglichkeit, also Zutaten, die in deutschen Komödien meist mit der Spachtelkelle aufgetragen werden – in amerikanischen dagegen mit der Pipette. Eine Komödiantin hat diese Kunst mit absoluter Präzision und Leichtfüßigkeit zu beherrschen.Die Inkompetenz in ihrem Büro greifbar machenWie immer gibt es eine Ausnahme: die Queen of Comedy, die dreifache Oscarpreisträgerin und Nominierungsrekordhalterin Meryl Streep. Die legendäre, unerreichte, dabei wahnsinnig nahbare und empathische Großschauspielerin. In dem Trailer zu „Der Teufel trägt Prada 2“ (interessanterweise nicht gegendert) faltet sie als Chefredakteurin Miranda Priestly mal wieder eines ihrer Team-Mitglieder vor versammelter Mannschaft zusammen. „Du warst also dabei, als die Models ermutigt wurden, wie verhungernde Ziegen auf dem Parkplatz einer Methadon-Klinik in New Jersey herumzuspringen?“, fragt sie. Eine junge Mitarbeiterin hustet vernehmlich. „Oh, was darf ich denn jetzt wieder nicht sagen? Methadon? New Jersey?“, höhnt die Despotin dem Zeitgeist ins Gesicht. „Naja, ihr wisst, was ich … meine.“ Vor dem letzten Wort macht sie eine rhetorisch vollkommen sinnfreie Pause, sie verpasst absichtsvoll ihren Einsatz, she misses the beat – und genau das ist ihr Punkt. Lesen Sie auchIn dieser Kunstpause zeigt sich die Schauspielkunst von Meryl Streep: Ihre Miranda Priestly will sich über dieses lästige Verb mokieren, die versammelte Inkompetenz in ihrem Büro greifbar machen und vor allem ihre Empörung spüren lassen über diese Ungeheuerlichkeit: dass sie, die Chefredakteurin der legendären Modezeitschrift „Runway“, sich für irgendetwas auf der Welt rechtfertigen muss.„Du trittst ein schweres Erbe an“, sagt am Ende des ersten Teils die auf monströsen Krücken durchs Büro humpelnde „Runway“-Mitarbeiterin Emily (Emily Blunt) zu ihrer Kollegin, weil diese den Job von Andrea Sachs (Anne Hathaway) antritt, die von der fusseligen Ehrgeizjournalistin im Handumdrehen in eine Glamazon verwandelt wurde und schließlich sogar ihrer hartherzigen Chefredakteurin ein anerkennendes Lächeln abrang. Das Gleiche könnte man über die Fortsetzung sagen. Die Komödie damals basierte auf dem gleichnamigen Bestseller von Lauren Weisberger über ihre Zeit bei der amerikanischen „Vogue“. Sie zementierte damit den Ruf der (echten) Chefredakteurin Anna Wintour als eiskalte Machiavellistin, die sich ihren Spitznamen „Nuclear Wintour“ redlich verdient hatte. So war es vielleicht kein Zufall, dass sich die Modewelt auffallend zurückhielt, als dieser Roman verfilmt wurde. Bis auf Heidi Klum und Valentino – die eine ohnehin eine Fashion-Outsiderin, der andere im Ruhestand – ließ sich niemand zu einem Kurzauftritt überreden, und angeblich stellte keine relevante Marke Kleider für die Ausstattung des Films zur Verfügung. Nicht einmal Prada selbst, was ja streng genommen vollkommen irre ist. Ob diese Zurückhaltung in der Angst vor der allmächtigen Wintour begründet war, darüber verliert natürlich niemand ein Wort. Vielleicht sah deshalb alles im Film ein bisschen zu bunt und zu schrill aus, aber das könnte auch an der Kostümdesignerin Patricia Field gelegen haben, einer Legende des queeren New Yorker Undergrounds mit einem Faible fürs Müllig-Dramatische.Nun lässt sich Anna Wintour vor den PR-Zug spannenSeitdem hat sich einiges geändert in der Welt der Mode. Anna Wintour ist nicht mehr Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“, sondern Global Editorial Director und Chief Content Officer (also quasi für alles verantwortlich), ihre Nachfolgerin ist Chloé Malle, wie es sich für eine Condé-Nast-Mitarbeiterin gehört, aus exzellentem Haus: Ihr Vater war der Regisseur Louis Malle, ihr Cousin Frédéric ist Boutique-Parfümeur. Sie war es auch, die ihrer Chefin vorschlug, sich mit Meryl Streep fotografieren zu lassen. „Das ist nicht mein Stil“, wehrte Wintour ab, ließ sich dann aber später von der Großschauspielerin zu einer Riesenstory (gemeinsames Interview und Fotos von Annie Leibovitz) überreden. Dazu drehten Wintour und Streep einen Clip, der die beiden Chefredakteurinnen, die echte und die fiktive, gemeinsam im Aufzug zeigte – ein Hinweis auf die Regel, dass Mitarbeiterinnen bei Condé Nast den Lift zu verlassen haben, wenn die Chefin einsteigt. Schon vor Jahren hat Wintour zu Protokoll gegeben, dass sie sich über „Der Teufel ...“ durchaus amüsiert habe, nun lässt sie sich vor den PR-Zug spannen. Oder ist es umgekehrt?In den Wochen vor dem Filmstart reisen die Hauptdarstellerinnen Streep und Hathaway um die Welt und tragen an jedem Abend in jedem Land ein anderes Outfit: Valentino, Schiaparelli, Vaquera, Prada, Chanel. Von Zurückhaltung der Luxusmarken keine Spur. Natürlich gab es in der Zwischenzeit den Wahnsinnserfolg der Netflix-Serie „Emily in Paris“, ein anderes Projekt, das die delikate Modewelt anfangs nicht mit der Kneifzange anfassen wollte. Letztlich kann man den Film auch als eine Art Trailer für die Met Gala sehen, die wenige Tage nach dem Start in New York stattfinden wird. Diesmal gehören Jeff und Lauren Sánchez Bezos zu den offiziellen Gastgebern, auch wenn der Amazon-Gründer jahrzehntelang nicht unbedingt als Fashionisto auffiel, sondern eher als Totengräber des Einzelhandels. Während sich die „Vogue“ und die Modewelt jahrelang aufseiten der Demokraten positionierten, sitzt jetzt die Maga-nahe Tech-Elite bei den Modenschauen in der ersten Reihe, und der Amazon-Gründer und seine Frau dürfen Gastgeber beim größten Fashion-Event des Jahres spielen. Das ist ein Powermove, der einer Miranda Priestly würdig wäre. Wie so oft also imitiert das Leben die Kunst. Oder beide Sphären beflügeln sich gegenseitig. Was das über die Machtverhältnisse im globalen Luxusmarkt sagt, müsste man noch einmal gesondert diskutieren, aber für eine Komödie ist dieser mannigfaltige Schulterschluss eher problematisch: Das Genre lebt von der spielerisch ausgelebten Schadenfreude. Wenn sich alle einig sind, und keiner beleidigt ist – wo bleibt da der Spaß?Auch wenn das altmodisch klingt: Man wünscht sich eine Welt, in der eine Anna Wintour vor dem zweiten Teil von „Der Teufel trägt Prada“ ein wenig zittert – und nicht die ganze Power ihres Verlages aktiviert, um zu sagen: Seht her, wir haben die Spötter gebändigt. Und trotz meiner wie angeschraubten Sonnenbrille habe auch ich einen Sinn für Humor. Das weltweite Comeback des Kultfilms versetzte New York am Abend des 20. Aprils in Ausnahmezustand. Im „Lincoln Center“ strömten rund 1000 geladene Gäste zur Premiere. Regisseur David Frankel eröffnete den Abend mit einem Augenzwinkern: „Danke, dass ihr zu unserer Family-and-Friends-Vorführung dieses Indie-Films gekommen seid.“ Nach der glanzvollen Premiere kommt der Film erst zehn Tage später, am 30. April, in die deutschen Kinos. Aber wer sich an die Kinoversionen der in ihrem Humor verwandten Serie „Sex and the City“ erinnert, die in ihrer Holzhammerhaftigkeit fast rührend waren, der kann seine Zweifel kaum bremsen. Aber vielleicht kommt es ja ganz anders, und die Fortsetzung ist albern, schillernd und bissig. Vielleicht ist das Wiedersehen mit Figuren wie dem notorisch untergebutterten Modechef Nigel (Stanley Tucci) oder die in ihrer verzweifelten Eisigkeit herzzerreißende ehemalige „erste Assistentin“ Emily der heiß ersehnte comic relief von einer verstörenden Wirklichkeit. Um es mit Miranda Priestly zu sagen: That’s all.
„Der Teufel trägt Prada 2“: Warum der „Teufel“ schon vor dem Kinostart nervt - WELT
Weltweit beworben und jetzt schon nervig: Die Fortsetzung der Modekomödie „Der Teufel trägt Prada“ feierte gestern pompös Weltpremiere – ist aber bereits vor Filmstart so omnipräsent, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.















