PfadnavigationHomeRegionalesHamburgBühne für ExtremistenHamas-Verherrlichung und Judenhass – Ditib lädt umstrittene Prediger nach Hamburg einVeröffentlicht am 16.04.2026Lesedauer: 7 MinutenAußenansicht einer Ditib-MoscheeQuelle: picture alliance/Panama Pictures/Christoph HardtNach einem Islamisten-Geheimtreffen steht der Hamburger Bezirk Bergedorf erneut in der Kritik: Nun geht es um die Ditib‑Kulturtage – und die Einladung zweier umstrittener Prediger. Der Streit berührt auch die Sicherheit jüdischen Lebens.Als das romantische Dorf der Stadt beschreibt sich Bergedorf, jener Stadtteil im gleichnamigen Bezirk im Südosten Hamburgs, gerne selbst. Als der perfekte Ort auf der Suche nach Vielfalt, Entschleunigung und gemütlicher Kleinstadt-Atmosphäre samt Schloss, Cafés und Buchläden. Doch in dieser scheinbaren Idylle ist nun ein politischer Streit entbrannt, der weit über Bergedorf hinauswirkt und das Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaat, zum friedlichen Zusammenleben sowie Schutz jüdischen Lebens einfordert. Auslöser der Debatte sind die Prediger Bünyamin Topçuoğlu und Mustafa Özcan Güneşdoğdu, die laut verbreitetem Veranstaltungsplakat vom 14. bis 17. Mai bei den 40. Gedenk- und Kulturtagen der Kocatepe Moschee als Redner geladen sind – nicht auf privatem Gelände, sondern auf dem Frascatiplatz, mitten im öffentlichen Raum des Bezirks Bergedorf. Mit Topçuoğlu und Güneşdoğdu „werden Personen eine Bühne geboten, die durch die Verherrlichung von Terror und antisemitischer Rhetorik auffallen“, schreibt der Autor Eren Güvercin auf der Plattform X. Güvercin gehört zu den lautesten Kritikern des politischen Islam in Deutschland, gilt als Experte bei Fragen zum muslimischen Leben hierzulande. Unterstützung vor Ort in Bergedorf erhält Güvercin von der FDP, die am Donnerstag zwei Anfragen an das zuständige Bezirksamt gestellt hat. Denn Bergedorf war bereits im Februar 2025 Schauplatz eines islamistischen Geheimtreffens. In einer Sporthalle hatte die Polizei damals eine als Sportveranstaltung getarnte Versammlung von rund 270 Männern aufgelöst, hinter dem laut Medienberichten die islamistische Gruppierung Muslim Interaktiv stand. Diese wurde Ende 2025 vereinsrechtlich verboten.Lesen Sie auch„Wenige Monate später sollen auf öffentlichem Gelände im selben Bezirk Personen eine Bühne erhalten, die Hamas-Terroristen als Märtyrer und Helden feiern“, sagt die Vorsitzende der FDP-Bergedorf, Sonja Jacobsen, und fügt hinzu: „Das ist kein Zufall – das ist ein Muster.“ Und es sei ein Muster, das das Bezirksamt und die Stadt Hamburg nicht länger ignorieren dürften. „Wer öffentliche Gelder aus Hamburg empfängt, darf keine Bühne für Judenhass und Terrorverherrlichung bieten – nicht in Bergedorf, nicht irgendwo“, betont Jacobsen. Was viele Jahre lang als übertriebene Mahnung abgetan hätten, sei bittere Realität geworden. „Erst das Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg, dann das Verbot von Muslim Interaktiv – und nun zeigt sich, dass eine Mitgliedsgemeinde des Ditib-Staatsvertragspartners Personen einlädt, die offen Hamas-Terroristen verherrlichen.“Hamburg hat 2012 als erstes Bundesland Staatsverträge mit islamischen Verbänden geschlossen. Dieser Pakt regelt den islamischen Religionsunterricht, Feiertage, Bestattungen und Seelsorge. Trotz Kritik und Forderungen nach Aussetzung, etwa wegen Einflüssen aus dem Ausland, wurden die Verträge 2024 nach Evaluation fortgesetzt, jedoch mit häufigeren Überprüfungen.Moschee spielt zentrale Rolle im BezirkDie FDP Hamburg fordert seit 2017, dass der Staatsvertrag mit der Ditib solange ausgesetzt werden muss, bis eine glaubwürdige und überprüfbare Abkehr von Terror-Verherrlichung und antisemitischer Rhetorik nachgewiesen ist. FDP-Landeschef Finn Ole Ritter sagt: „Dass Hamburg nach Kalifat-Demos erneut Ort für islamistische Veranstaltungen werden soll, ist ein fatales Signal.“ Seine Partei habe immer wieder darauf hingewiesen, bei der Ditib wachsam zu bleiben. Zu Recht, wie der Fall Bergedorf belege. „Der rot-grüne Senat muss jetzt zeigen, dass er nicht wieder so zögerlich ist wie in der Vergangenheit und ein klares Signal gegen Islamismus senden“, so Ritter.Veranstalter der 40. Gedenk- und Kulturtage ist die Kocatepe Moschee, eine religiöse Einrichtung des deutsch-türkischen Moscheeverbandes Ditib. Die Moschee spielt Bergedorfern zufolge eine zentrale Rolle für Menschen mit muslimischem Hintergrund – nicht nur als Ort des Gebets, zudem als soziales und kulturelles Zentrum, als Raum für Austausch, Beratung und Unterstützung im Alltag. Dabei engagiert sich die Einrichtung eigenen Angaben zufolge „aktiv für die soziale Integration – insbesondere von Frauen und Familien – und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt im Stadtteil“.Und so kündigt die Ditib Bergedorf mit Blick auf ihr 40. Jubiläum an, dass dies nicht nur ein Event sei, sondern „ein Moment, der in Bergedorf Geschichte schreibt“, mit „großartigen Gelehrten und Künstlern aus der Türkei“. Was jedoch „nach einem interkulturellen Fest klingt, wirft bei einem Blick auf die Gästeliste schwerwiegende Fragen auf“, kritisiert der Autor Güvercin. Lesen Sie auchNeben ihm macht auch die Aktivistin und FDP-Politikerin Karoline Preisler auf der Plattform X regelmäßig auf die Beiträge der Prediger Bünyamin Topçuoğlu und Mustafa Özcan Güneşdoğdu aufmerksam, die die Vereinbarkeit der Einladung zu den Bergedorfer Kulturtagen und die Grundwerte des demokratischen Zusammenlebens hinterfragen. Demnach ist Topçuoğlu ein hochrangiger Vertreter der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Laut Güvercin sprechen dessen digitale Spuren eine deutliche Sprache: „Er glorifiziert offen den verstorbenen Hamas-Chef Ismail Haniyye als ‚Märtyrer‘.“ Auch postete Topçuoğlu „kurz nach dem 7. Oktober ein Zitat des früheren türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan, das Israel das Existenzrecht in der Region abspricht“. Beides sind Positionen, die in Deutschland unmissverständlich als extremistisch gelten.Güneşdoğdu wiederum ist nach Angaben von Preisler und Güvercin ein Prediger mit einer Reichweite von über 450.000 Followern. Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) in Hannover sah sich erst kürzlich gezwungen, ihn mit sofortiger Wirkung zu suspendieren, nachdem seine radikalen Inhalte bekannt wurden. Dennoch soll er in Hamburg auftreten, kritisiert Autor Güvercin bei X – und ordnet ein: „Güneşdoğdu feiert den Hamas-Sprecher Abu Ubayda als ‚wahren Helden‘ und widmete dem Drahtzieher des 7. Oktobers, Yahya Sinwar, ein lobpreisendes Gedicht, in dem er ihn als ‚unermüdlichen Mudschahed‘ bezeichnete.“ Ferner diffamiere Güneşdoğdu Israel als „tollwütigen Hund“. Seine Beiträge trieften vor antisemitischer Symbolik und der Solidarisierung mit den Tätern des 7. Oktobers.FDP verlangt Aufklärung von BezirksamtSo bleibt die Frage, warum eine Hamburger Ditib-Gemeinde zwei Prediger einlädt, denen öffentlich dokumentierte Verherrlichung von Hamas‑Akteuren und massive antisemitische Rhetorik zugeschrieben wird? Denn schon einmal geriet die Ditib-Moschee in Bergedorf ins öffentliche Visier, nachdem sie 2022 nach WELT-Informationen den Imam Hasan Caglayan beschäftigt hatte. In einem später gelöschten Facebook-Post vom 18. April 2021 hatte Caglayan den Hamas-Begründer Ahmad Yasin als einen von „fünf schönen Menschen“ mit „Botschaften und Lehren für all jene, denen die Sache um Jerusalem wichtig ist“, bezeichnet.Für die FDP sind „der Schutz jüdischen Lebens, die Ächtung von Terrorverherrlichung und das Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht verhandelbar“, wie Jacobsen betont. Insbesondere in Zeiten in denen antisemitische Vorfälle bundesweit zunehmen und die Sicherheitslage jüdischer Einrichtungen angespannt bleibt, wirkt die Einladung solcher Prediger wie ein politisches Fanal – ob beabsichtigt oder nicht. Lesen Sie auchEntsprechend fordert die FDP vom Bezirksamt Bergedorf mit zwei Kleinen Anfragen Aufklärung. Wenn Personen auftreten sollen, denen die Verbreitung extremistischer Inhalte zugeschrieben werde, müsse das geprüft werden – ebenso, welche Konsequenzen daraus folgen. Acht Werktage hat das Bezirksamt nun Zeit, den Fragenkatalog der Liberalen zu beantworten. Im Kern geht es darum, was das Bezirksamt von dem geplanten Auftritt der Prediger wusste, was es unter welchen Auflagen genehmigte und ob es im Zusammenhang Kontakt mit dem Verfassungsschutz Hamburg oder der Polizei Hamburg aufgenommen hat, um Sicherheitsvorkehrungen für die Kulturtage zu planen. Überdies verlangen die Freien Demokraten eine Überprüfung, ob die aus Steuermitteln gewährten Fördergelder an die Ditib mit den Grundsätzen der Demokratie und dem Schutz jüdischen Lebens vereinbar sind. Unterlagen der Bezirksversammlung Bergedorf zeigen, dass das Bezirksamt der Ditib-Gemeinde noch 2024 aus dem Fördertopf „Freiwilliges Engagement“ 3691,90 Euro für das Projekt „Einrichtung des Gruppenraums“ gewährt hat. Darüber hinaus war die Ditib Bergedorf 2011 bis 2013 regelmäßige Kooperationspartnerin des Bezirksamts bei öffentlich mitfinanzierten Integrationsveranstaltungen.Bezirksamt bittet Ditib um StellungnahmeAuf WELT-Anfrage teilt ein Sprecher des Bezirksamtes Bergedorf mit, dass die rechtliche Bewertung der Veranstaltung nicht dem Bezirksamt obliege, sondern der zuständigen Versammlungsbehörde. „Das Bezirksamt hat die öffentlich gewordenen Hinweise an die zuständigen Stellen weitergeleitet und wird das Gespräch mit der Veranstalterin suchen.“ Auch überlasse das Bezirksamt der Ditib-Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Bergedorf den Frascatiplatz zur Durchführung eines Kultur- und Begegnungsfestes im Rahmen eines Überlassungsvertrages. Dieser gelte für eine Festveranstaltung anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Gemeinde. Aus dem vorgelegten Veranstaltungskonzept geht der Auftritt der genannten Personen nicht hervor. „Für eine Veranstaltung, die mit den Grundwerten des friedlichen Zusammenlebens unvereinbar ist, wäre ein Vertrag nicht geschlossen worden“, betont der Behördensprecher und ergänzt: „Das Bezirksamt wird die Veranstalterin Ditib Bergedorf direkt ansprechen und um Stellungnahme bitten.“ Zu den Predigern Topçuoğlu und Güneşdoğdu liegen dem Bezirksamt den weiteren Angaben zufolge „keine eigenen Erkenntnisse vor, die Bewertung können nur die Sicherheitsbehörden vornehmen“.