PfadnavigationHomeGeschichte80 Jahre WELT1950Der Koreakrieg entlarvte das „Gefasel“ der Kommunisten vom „Frieden“Veröffentlicht am 20.04.2026Lesedauer: 4 MinutenNordkoreanische Propagandadarstellung zum Angriff auf den Süden am 25. Juni 1950Quelle: picture alliance/YonhapAm 25. Juni 1950 überfiel Nordkorea den südlichen Teil der koreanischen Halbinsel. Damit wurde der bisher Kalte Krieg heiß – mit mehr als vier Millionen Opfern. Die neue Folge unserer Serie zu 80 Jahren WELT.Wer einem Diktator auch nur minimal entgegenkommt, und sei es versehentlich, der kann eine böse Überraschung erleben. Sicher unterlief US-Außenminister Dean Acheson ein Missgeschick, als er Mitte Januar 1950 in einer Rede das Interessengebiet der USA im Pazifik beschrieb – und Südkorea zu erwähnen vergaß. Denn der Chef des State Department war im Umgang mit Kommunisten an sich erfahren. Da WELT erkannte, dass es sich nur um ein Missverständnis handeln konnte, ergänzte die Redaktion in der Meldung sogar ausdrücklich die koreanische Halbinsel. Dennoch glaubte Nordkoreas Machthaber Kim Il-sung offenbar, dass die USA anders als in Mitteleuropa ihre erklärte Politik des „Containment“, der „Eindämmung“ kommunistischer Regimes, in Ostasien nicht durchhalten würden. Bei einem Besuch in Moskau im April 1950 sagte Josef Stalin ihm, die Frage eines Krieges müsse „letzten Endes von den chinesischen und koreanischen Genossen gemeinsam entschieden werden“. Mao Tse-tung gab daraufhin seinem Protegé Kim freie Hand, und nun eskalierte sein Regime die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel systematisch. Zwar war auch der südkoreanische Präsident Rhee Syng-man alles andere als ein Vorkämpfer der Demokratie; vielmehr trug er die Verantwortung für mehrere Massaker an Zivilisten. Doch Nordkorea und die Volksrepublik China waren noch bei weitem skrupelloser.Trotz vieler Grenzverletzungen und kleinerer militärischer Attacken kam der eigentliche Großangriff am 25. Juni 1950 für Südkorea überraschend. Unter dem frei erfundenen Vorwand, eine angebliche Offensive aus dem Süden zurückschlagen zu müssen, überschritten Kims Truppen die festgelegte Demarkationslinie und drangen rasch vor. Nordkoreanische Bomber zerstörten bereits mit ihrem ersten Luftschlag gegen den Fliegerhorst Gimpon eine Transportmaschine der US Air Force.„Wenn sich jemand noch im Unklaren darüber war, was von dem Gefasel, das die Kommunisten aller Länder unter dem Titel: ,Friedenskampagne‘ in Umlauf gesetzt haben und auch heute noch in Umlauf setzen, zu halten ist, dem müssen die Ereignisse der letzten Stunden die Augen geöffnet haben“, kommentierte WELT. Lesen Sie auchDenn eine Sorge war spätestens jetzt nicht mehr von der Hand zu weisen: „Es läuft einem kalt über den Rücken, wenn man daran denkt, dass im Fernen Osten der Welt vielleicht das vorexerziert wird, was geschehen könnte, wenn in Deutschland den Wünschen der Kommunisten entsprochen wird und auch hier die alliierten Besatzungstruppen zurückgezogen werden.“US-Präsident Harry S. Truman schwankte jedoch keine Sekunde, Südkorea gegen den Aggressor aus dem Norden zu unterstützen. Er hatte schon in den vorangegangenen Auseinandersetzungen mit kommunistischen Staaten gelernt, dass Stalinisten jede Form von Nachgeben oder Hoffen auf Einsicht als Schwäche verstanden. Die mit einer sowjetischen Blamage beendete Berlin-Blockade hatte Truman vor Augen.Doch diesmal war der Kalte Krieg heiß geworden. Der Präsident entschied, US-Truppen einzusetzen. Der UN-Sicherheitsrat stimmte einem militärischen Einsatz umgehend zu; gegen den Rat des damaligen sowjetischen UN-Botschafters Andrei Gromyko hatte Stalin die Weisung gegeben, die Sitzung zu boykottieren. So ging der Antrag in der entscheidenden Sitzung durch.Dennoch wurden die wenig vorbereiteten südkoreanischen Truppen zunächst in die Flucht geschlagen. Nur mit Unterstützung einer eilends verlegten US-Infanteriedivision konnte wenigstens die Umgebung der Stadt Busan im Südosten der Halbinsel gehalten werden.In der gerade erst ein Jahr alten Bundesrepublik löste der Angriff einen veritablen „Korea-Schock“ aus. Zu ähnlich war die Situation: Sowohl in Korea wie in Deutschland gab es zwei verfeindete Regierungen, eine kommunistische und eine westlich orientierte. In beiden Ländern befleißigte sich das stalinistische Regime einer aggressiven Rhetorik, in beiden Ländern rüstete der kommunistische Teil massiv auf. Würde auf den Angriff auf Südkorea eine Attacke der DDR auf die Bundesrepublik folgen?Lesen Sie auchAb September 1950 gelang es General Douglas MacArthur, mit südkoreanischen und UN-Truppen aus zahlreichen Staaten, vor allem aber mit US-Einheiten und australischen Verbänden, die Nordkoreaner weit über die frühere Grenze zurückzutreiben. Um die absehbare Niederlage Kims zu verhindern, griffen nun Stalin und vor allem Mao ein: China schickte massenweise Soldaten, die Sowjetunion modernste Flugzeuge. So gestärkt, vertrieben die Kommunisten die UN-Truppen wieder aus Nordkorea. Nun forderte MacArthur von Truman die Ausweitung des Krieges auf China, wobei auch der Einsatz von Atombomben zur Sprache kam; dafür enthob der Präsident den General seines Kommandos.Im Herbst 1951 erstarrte die Auseinandersetzung zum Stellungskrieg, doch erst Ende Juli 1953 kam es zum Waffenstillstand. Kim Il-sungs Aggression hatte bis zu 2,5 Millionen Nord- und eine Million Südkoreaner das Leben gekostet. Zudem starben fast eine Million chinesische Soldaten, während die USA 36.914 gefallene GIs zählten.Ende Juni 1950 hatte WELT die beiden Landesteile so beschrieben. „Der Norden ist ein industriell hoch entwickeltes, mineralreiches Gebiet mit nur zehn Millionen Einwohnern, während der agrarische Süden mit 21 Millionen als übervölkert gelten muss.“ Als Folge des stalinistischen Familienregimes wurde seit 1953 aus dem Norden ein immer wieder hungerndes Armenhaus der Welt, während der Süden zur Hightech-Wirtschaftsmacht aufstieg.Sven Felix Kellerhoff ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen der Nationalsozialismus, der Kalte Krieg, linker und rechter Terrorismus sowie Verschwörungstheorien.
Nordkorea: Als der Kalte Krieg plötzlich heiß wurde – der Moment, der die Welt erschütterte - WELT
Am 25. Juni 1950 überfiel Nordkorea den südlichen Teil der koreanischen Halbinsel. Damit wurde der bisher Kalte Krieg heiß – mit mehr als vier Millionen Opfern. Die neue Folge unserer Serie zu 80 Jahren WELT.






