PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungPolitiker auf InstagramWas niemand sehen willVeröffentlicht am 27.02.2026Lesedauer: 3 MinutenDie SPD-Vorsitzende auf InstagramQuelle: Bärbel Bas Instagram/Screenshot WELTSonnenbrillen-Selfies, glamouröse Empfänge und ÖRR-Resteverwertung: Seitdem sich auch der letzte Politiker bei Instagram angemeldet hat, treffen Floskelfolien auf unbeholfene Selbstdarstellung.Eine Kamera reicht einfach nicht. Felix Banaszak filmt sich dabei, wie er sich selbst filmt. Zwei Clips von Katharina Dröge mit Biedermeier-Brille, beide aus Talkshows vom ÖRR, sind der Content, den man bei der Grünen-Abgeordneten gerade zu bieten bekommt. Tanzvideos von Claudia Roth sind zum Glück schon traumatisch verdrängt. Bärbel Bas teilt eine Bildergalerie, lila Blazer zu rosa Bluse, grauenerregender Schmuck, eine Sonnenbrille, nach der wirklich niemand gefragt hat, dazu ein überdrehtes Winken ins imaginäre Publikum wie eine Berlinale-Provinzdiva auf Promotionstour. Annalena Baerbock lässt sich Tagebuch schreibend durch New York chauffieren. Friedrich Merz darf man dabei zuschauen, wie er auf Geschäftsreise Freizeittermine wahrnimmt und in China durch den Tempel flaniert. Nichts wirkt so sehr wie Bilder. Und da sieht man eben nicht, wie Wahlversprechen eingelöst werden, sondern wie Merz die Welt erkundet. Wie man sich auf Empfängen ausgelassen zuprostet und Hände schüttelt. Bei anderen häufen sich Fremdscham-Momente oder unfassbar langweilige Floskelfolien. Und das müssen sich dann arbeitende Bürger morgens auf dem Weg zur Arbeit angucken, während es in der Berliner U-Bahn nach Verwesung riecht, wenn sie denn überhaupt fährt.Social Media ist eine riesige Bühne. Und eine interessante noch dazu. Man erreicht Zielgruppen, die man sonst nicht erreicht, die nicht auf moralischen Umerziehungs-ÖRR stehen, weibliche Teenager, die anfangen, sich hier für Politik zu begeistern, anders als früher am Kiosk, wo sie sich zwischen „InStyle“ und Politikmagazin für „InStyle“ entschieden haben. Kluge Algorithmen spülen Interessen-nahe Inhalte in die Timeline. Junge Menschen kommen hier mit Themen wie Rente und Altersvorsorge in Kontakt. Nur zwei Beispiele, denn am Ende ist natürlich jeder empfänglich für prägnante Botschaften, kurze informative Clips, Rabbit Holes und situative Intelligenz.Fremdverwaltet und bedient wie BürgerämterUngefähr zehn Jahre zu spät hat sich jetzt also auch der letzte Politiker bei Instagram angemeldet. Nur, dass mittlerweile nicht mehr zählt, dass man die Plattform nutzt, sondern wie man sie nutzt. Die meisten Politiker-Kanäle werden allerdings charakterlos fremdverwaltet und bedient wie Bürgerämter. Kein einziger kann mit den nahbaren, prägnanten, authentischen und oft auch viel ansehnlicheren Politik-Influencern mithalten, die wissen, wie die so komplizierten Algorithmen ticken, weil man ihnen das Smartphone in ihrer frühen Jugend nicht weggenommen hat. Politische Kommunikation war selten so technisch aufgerüstet und zugleich so unberührt vom echten digitalen Leben. Authentizität, Charakter, Nähe funktionieren eher schlecht, wenn sie aus einem fremden Blickwinkel stammen, die jemand anders einen ganzen Social-Media-Manager-Arbeitstag lang geschnitten und mit aufregenden Spezialeffekten untermalt hat. Söder gelingt seine Präsenz noch am ehesten, weil er sein eigenes wählernahes Universum abbildet. Und auch die Linken haben den letzten Wahlkampf auf Social Media gewonnen, weil sie herausgefunden haben, dass nicht wenige Menschen sich gerne von tätowierten Frauen im DDR-Kittel die immer gleichen linken Parolen entgegenschreien lassen. Wer den Steuerzahler, der nicht selten auch noch die Kreativagenturen und all den Filmdrohnen-Aufwand zahlt, einfach nur zuspammen will, der lässt es bitte lieber gleich und bewahrt sich noch einen Funken Restrespekt.