PfadnavigationHomeICONISTTrendsInsta-ZeitenwendeWarum „normale“ Menschen und Millennials nichts mehr auf Instagram postenStand: 09:54 UhrLesedauer: 3 MinutenWill das noch jemand sehen – oder braucht es eine politische Botschaft dazu? Quelle: gettySelfies, Fotos vom Essen und vom Sonnenuntergang – banale, inhaltslose Momente auf Instagram zu teilen, definierte lange, was Social Media war. Doch Weltlage, Meinungsdruck und Perfektionismus verändern, welche Welt wir im Internet sehen.Der Cocktail war so ein Klassiker, das gestellte Spring-Foto aus dem Auslandssemester auch, eine Zeit lang waberten vermeintlich tiefgründige Zitate durch den Instagram-Feed und natürlich immer wieder der Teller im Restaurant oder die Kirschblüte im Frühling. Soziale Medien, insbesondere Instagram, waren zu Beginn (also ab etwa 2010) ein Ort für (vermeintlich) spontanen Selbstausdruck. Ein bisschen angeben, das Besondere im Normalen finden und hoffen, dass man damit einen Nerv trifft, das machte den Reiz aus. Gefühlt jeder teilte kleine Ausschnitte seines Alltags: das Essen, den Urlaub, alles wild gemischt. Plötzlich konnte all das interessant sein, im Austausch durfte man selbst Einblicke in das Leben von Leuten bekommen, mit denen man in die Grundschule ging, aber keinen Kontakt mehr hatte. Doch 2026 sind diese Zeiten vorbei. So gut wie niemand postet mehr diese wirklich amateurhaften und alltäglichen Momente. Stattdessen hat jede und jeder ein „Thema“ oder eine Botschaft oder will „aufklären“. Wer auf Instagram aktiv ist, ist „monothematisch“: Da ist die Alleinerziehende, da ist der, der sich ketogen ernährt, da ist die mit Multipler Sklerose, da ist die mit den Drillingen, der mit den Rezepten, der Kinderarzt, die, die alte Taschen restauriert, und der, der Trading lehrt. Dazwischen die Influencer der frühen Tage, die inzwischen komplett professionalisierten „Content“ liefern, Nachrichtenaccounts, Fake-Nachrichtenaccounts, Rage-Baiting, Feminismus, Aktionismus. Ein Foto reicht nicht, es müssen „Carousels“ sein, mit Botschaft, Meinung, Problemen, zu denen man direkt Lösungen anbietet. Oder verkauft. Lesen Sie auchDazwischen wirkt das eigene Frühstück geradezu dümmlich, unpassend, wenn schon unperfekt, dann muss auch diese Unperfektheit wieder performativ und Konzept sein und ein bisschen ironisch. Einfach posten, ohne zweite Ebene, das geht ja schon angesichts der Weltlage nicht – darf man normal frühstücken, während der Wal stirbt/auf Trump geschossen wird/ein Krieg beginnt/das Benzin teuer ist? Muss man nicht immer eine Meinung haben, sich positionieren, für Frauen, gegen Männer oder andersrum? Auch wenn man eigentlich gerne nur zeigen würde, wie schön die Aida-Kreuzfahrt gerade ist. Ach nein, Kreuzfahrt, das geht heute eigentlich auch nicht mehr. Gerade Millennials, die eigentlich die ersten waren, die den „Content“ für Instagram lieferten, sind nun in einem Alter, in dem das ihr Inhalt ist: Familienleben, Urlaube, normales Leben. Doch das ist längst zu banal und zu privat, um andere daran teilhaben lassen zu wollen. Und es ist etwas, wofür man nicht bewertet werden will. So entsteht die Lücke im Feed all der alten Bekannten, die auch keine Zeit mehr dafür haben, sich anzueignen, wie man eigentlich Reels macht. Die eingeschüchtert sind von der Professionalität der anderen. Lesen Sie auchUnd selbst wenn sich noch jemand traut, seinen Ferienschnappschuss zu posten – er wird längst kaum jemandem mehr ausgespielt –, der Algorithmus bevorzugt die, die regelmäßig liefern. Keine Herzchen, keine Kommentare, wofür also die Mühe? Der soziale Aspekt auf dem „sozialen“ Netzwerk ist damit dann auch endgültig verloren. 2025 berichtete Mark Zuckerberg, dass nur noch sieben Prozent der Inhalte, die Nutzern ausgespielt werden, von ihren Freunden stammen. Der „New Yorker“ sagte unlängst das Zeitalter von „Posting Zero“ voraus, also dem Punkt, an dem die „normalen, unprofessionalisierten, ungeschliffenen Massen“ komplett aufhören, etwas von sich zu teilen – was das Ende von Social Media, wie wir es kennen, bedeuten würde. Es gäbe kein „Echtzeitprotokoll der Welt, geschaffen von allen, die gerade irgendetwas erleben“ mehr. Was bliebe dann? Strategisch produzierte Beiträge, die um Aufmerksamkeit heischen, Werbung, Rahmenhandlungen für Werbung, KI. Aber auch Massen, die genau diese Inhalte konsumieren, ohne selbst etwas teilen zu wollen. Ein Abbild einer Welt ohne Normalos, die ihnen allen ein inszeniertes, kuratiertes „normal“ vorgaukelt. Und was gibt es zum Frühstück?