In dieser Folge geschieht das Unfassbare. Gil reicht seiner härtesten Kritikerin die Hand. Doch was steckt dahinter? Es könnte der Anfang von Ofarims Weg auf den Dschungel-Thron sein. Verführerin Eva sucht sich derweil eine neue männliche „Bezugsperson“.Und dann steht Gil Ofarim auf und reicht Ariel die Hand: „Ich habe einen Heidenrespekt vor dir, Ariel.“ Ja, da verschlägt es selbst einer Ariel die Gossensprache. „Danke“, sagt sie und nimmt seine Hand. Was war das? War das Gils Versuch Ariel durch Überforderung zu entwaffnen? Meinte er das tatsächlich ernst? Ist Gil der pathetischste Mensch der Welt – oder ist das Pathos Kalkül? Vorangegangen war diesem Gänsehautmoment, in dem man nicht wusste, ob man vor Grusel oder Rührung schaudern soll, ein Vortrag Ariels. Darin erzählte sie anscheinend oder scheinbar naiv, dass sie ja beinahe das anonym geborene (?) Kind ihres Ex-Freundes Giuliano adoptiert hätte. Wer auch nur eine Minute Sendematerial der beiden in einem anderen Format außerhalb des Dschungels konsumiert hat, weiß, dass kein Jugendamt dieser Welt und auch nicht der Schweiz den beiden ein zusätzliches Kind zugesprochen hätte. Ariel hat zudem galant verschwiegen, dass bezüglich ihrer leiblichen Tochter aktuell diverse Streitigkeiten rund um Umgang und Sorgerecht gerichtlich verhandelt werden. Lesen Sie auchEgal: Ariel erschien Gil wohl für diesen Moment wie die heilige Mutter, oder er witterte schlicht sein Ticket raus aus dem Dauerfeuer der Krawall-Camperin durch besagte Handschlags-Geste. Denn will man wirklich einer, die einen seit Tagen (eventuell durchaus justiziabel, wie Gils Anwalt gerade auf Instagram postete) als „Verbrecher“ bepöbelt, bewundernd die Hand reichen? Ja, diese Sache mit Ariel und Gil. Die spaltet längst auch die Zuschauer, zu besichtigen in zahlreichen Beiträgen auf Instagram, TikTok, Youtube. Anwälte, Reality-Stars und Zuschauer posten zahlreich, es gibt Reaction-Videos, Diskussionsshows in Spielfilmlänge. Am Ende kann man alle Diskursteilnehmer grob in zwei Lager teilen: Ariel-Hass als Symptom eines gekränkten Patriarchats Lager eins: Ja, Ariel polarisiert – aber woran liegt das denn? Ist das nicht vielmehr das Symptom eines gesamtgesellschaftlichen Problems? Wir dürfen eine junge Frau nicht entmenschlichen („Mäusele“), das ist ein Machtinstrument des Patriarchats. Insbesondere ältere Männer (Jürgen Milski, Thorsten Legat) kritisieren Ariel über die Maßen, nennen sie „das Waschmittel“ und „dieses Etwas“, nutzen ihren Altersvorsprung, um moralische und intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren. Dabei ist sie einfach eine laute, wütende Frau – würde man auf einen lauten, wütenden jungen Mann auch so reagieren? Nein, natürlich nicht, aber die Frau triggert die Männer, die sich in ihrer Machtposition bedroht fühlen. Frauen hassen Ariel auch? Ja, weil sie gelernt haben, dass Frauen so nicht sein dürfen – und eine Frau, die dennoch so agiert, stellt eine Bedrohung für das gelernte, soziale Gefüge dar. So die Deutung des ersten Lagers. Lager zwei sag: Ariel, die dumme kleine Zicke mit den hässlichen Wimpern, nervt. Und mit Gil muss jetzt mal gut sein. Wahrscheinlich sollte sich die öffentliche Wahrnehmung irgendwo in der Mitte einpendeln, aber wie bei so vielen Themen fällt eine gemäßigte Diskussion ja derzeit schwer. Falls Lager zwei größer sein sollte, und gefühlt wird es immer größer, könnte die Sensation passieren und Gil Ofarim das Dschungelcamp gewinnen. Denn Gil hat inzwischen geschafft, dass wohl jeder sich schon mal kurz gedacht hat: Und was, wenn er doch nicht gelogen hat? Ein falsches Geständnis vor Gericht wäre in seiner Konstellation immerhin nicht strafbar, könnte man also mal machen. Um welchen Preis aber hätte er das getan? Und hätte man nicht jede winzige Chance zur Aufklärung in einem Prozess nutzen wollen, wäre man wirklich unschuldig? Und wenn seine vier Anwälte keine Chance darauf gesehen haben, dass er freigesprochen werden könnte – kann er dann wirklich unschuldig sein? Allein, dass diese Fragen nun im Diskurs um „die Sache“, also Ofarims falsche Antisemitismus-Anschuldigungen gegen einen Hotel-Mitarbeiter im Jahre 2021, auftauchen, ist ein großer Sieg für Gil. Und ein Rückschlag für den von ihm beschuldigten Hotelangestellten. Warum Gil wirklich gewinnen könnte: Der Dschungel lebt von Aufstiegsgeschichten. Von den vorher Unterschätzen, von den Außenseitern, den Underdogs, denen, mit denen man Mitleid hat, die über sich hinauswachsen, denen das Publikum Liebe zeigen, Mut machen will. Das Publikum ist gerne gnädig, großzügig, hat gerne Mitleid und belohnt. Nur Ofarim hat Potenzial zur „Heldenreise“ Deshalb wurde Menderes Bagci Dschungelkönig, der zuvor die Witzfigur von Dieter Bohlen gab; deshalb wurde eine bis zur Unkenntlichkeit aufgespritzte, unglückliche Djamila Rowe Dschungelkönigin, die ihren Lebenslauf und ihr Image einer Affäre opferte; deshalb wurde die ewige kleine Katzenberger-Schwester Jenny Frankhauser Dschungelkönigin. Gibt es diese Personas nicht, werden jene, die als sympathisch und handfest überraschen zum Sieger, siehe Lilly Becker oder die ehemalige No-Angels-Sängerin Lucy Diakovska. Und dieses Mal? Wäre die einzige „Heldenreise“, die der Dschungel erzählen könnte, die von Gil Ofarim.„Ohne meine Familie und Freunde würde ich heute nicht mehr hier sitzen“, vorgetragen in perfekter Synchronsprechertonlage, gütig geblieben angesichts der fauchenden Furie und ein paar Zweifel gesät am eigenen Geständnis – wird das reichen? Und, wo wir schon dabei sind: Darf man das überhaupt, nach so einem eingestellten Verfahren mit öffentlicher Entschuldigung Andeutungen und Fragen in den Raum stellen („Was habe ich denn zugegeben?“), die all das infrage stellen? Sollte jemand, der so agiert, von der Gesellschaft – o.k., dem RTL-Publikum –belohnt werden? Haben dazu Anwälte schon was auf Instagram gepostet?Aber es leben ja auch noch andere Menschen im Dschungel, etwa der Bauer Patrick, dessen Rolle bisher unklar und uninteressant war. Der hat sich jetzt natürlich von den moralisierenden Camp-Spießern ins Bockshorn jagen lassen und kriegt Panik, wenn Verführerin Eva in seiner Nähe atmet. Man fragt sich immer, was für Beziehungen das sind, die gleich in Gefahr geraten, wenn ein Partner mit jemandem vom anderen Geschlecht befreundet ist. Wie auch immer, jedenfalls hat Eva sich berappelt und lässt den Bauern jetzt erst recht nicht in Ruhe – zumindest bis die nächste potenzielle, männliche Bezugsperson auftaucht. Und das ist, ganz wider Erwarten: Gil! Schon wieder. Denn ja, Gil ist plötzlich Hans Dampf in allen Gassen, die überstandenen Voting-Runden haben ihn belebt und beflügelt, er tritt nun in sozialen Kontakt und spricht sogar mehrmals am Tag! Gern in schönen Bildern: „Ich war der einsamste Junge auf der Welt in einem Penthouse über München“, sagt er dann etwa, und man merkt, dass er diese Geschichte schon öfter erzählt hat. Eva ist da eine dankbare Zuhörerin und lädt Gil direkt in ihren Podcast „Nothing but the Truth“ ein, von dem vor zehn Monaten die letzte Folge erschien, einer ihrer letzten Gäste war Samiras Ex Serkan. Und all das passt einfach wunderbar zusammen. Und sonst? Die Prüfung war irgendwas zwischen langweilig und zu kompliziert für die Prüflinge, obwohl Hardy und Hubert sich auch hier kaum bewegen mussten. RTL zwang dann alle noch zu einem Spiel, in dem sie einander mit Tierfiguren charakterisieren mussten – Ariel beschimpfte Hardy begeistert als Faultier. Waren die anderen nicht gemein genug, griff sie natürlich ein. Samira bekam es sogar hin, Eva die Schlangenfigur zu übergeben und dabei noch einigermaßen diplomatisch irgendwas von wegen „Ich hoffe, du häutest dich“ unterzubringen. Eskalierte danach trotzdem. Prognose: Samira macht das schon sehr gut. Obwohl sie sich von Eva sagen lassen musste, dass sie „keinen Groll“ hegen soll, bleibt sie immer cool, fair und schläft jede Nacht auf dem Chat-Kissen. Man darf nur nicht zu viel auf Instagram lesen, wo Ex Serkan klarstellte, dass der Unterhalt noch berechnet wird und er stattdessen „Anna“ bezahlt hat, eine Nanny, die der selbst ernannte „Momager“ (ein Kofferwort aus Mom und Manager) Samira bisher öffentlich verschwiegen hatte. Wer flog raus? Keiner, warum auch immer. Dienstag geht es weiter um 20.15 Uhr auf RTL und RTL+.
Dschungelcamp, Tag 11: Gruseliger Gänsehautmoment zwischen Gil und Ariel - WELT
In dieser Folge geschieht das Unfassbare. Gil reicht seiner härtesten Kritikerin die Hand. Doch was steckt dahinter? Es könnte der Anfang von Ofarims Weg auf den Dschungel-Thron sein. Verführerin Eva sucht sich derweil eine neue männliche „Bezugsperson“.













