PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungPrivilegiert und teuerWir müssen über die Beamten redenVon Fatina KeilaniRedakteurin im Ressort MeinungsfreiheitVeröffentlicht am 28.01.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Getty Images/Ezra BaileySie genießen lebenslange Sicherheit, haben deutlich mehr Netto vom Brutto – und schon nach 5 Jahren mehr Pensionsansprüche als der Durchschnittsangestellte nach 45 Jahren. Höchste Zeit, ein Tabu zu brechen.Die Debatte über das deutsche Beamtentum leidet an einem bemerkenswerten Paradox: Obwohl sie das ganze Land betrifft, ist sie gesellschaftlich fast tabu. Wer sie dennoch führen will, stößt schnell auf Abwehr und Gegenangriff.Wer zum Beispiel einem Beamten gegenüber andeutet, dass dieser eine privilegierte Existenz führe, bekommt häufig zu hören, keineswegs sei das so. Als Beamter werde man ja vergleichsweise schlecht bezahlt – in der Privatwirtschaft könne man viel mehr verdienen. Dabei weiß der so argumentierende Beamte sicher genau, warum er nicht in die Privatwirtschaft wechselt. Stichwort Risiko. In der Privatwirtschaft kann man nämlich erstens seinen Job wieder verlieren, zweitens zählt Leistung, drittens trägt man persönlich Verantwortung und haftet, viertens ist man im Krankheitsfall viel schlechter abgesichert, fünftens bekommen die Hinterbliebenen im Todesfall nichts, und sechstens muss man wesentlich mehr Brutto verdienen, um auf dasselbe Netto zu kommen, was nicht so einfach gelingt. Nehmen wir einmal Bezüge von 4000 Euro netto monatlich: Als Beamter kommt man auf diesen Wert grob gerechnet mit 5700 Euro brutto oder weniger, je nach Art und Zahl der Zulagen. In der Privatwirtschaft muss man deutlich über 7000 Euro brutto im Monat verdienen, um auf dasselbe Netto zu kommen.Lesen Sie auchDa sich die Systeme stark unterscheiden, sind auch andere Vergleiche schwierig. Ein großes Thema ist die Rente. Ein Arbeitnehmer kostet in seiner aktiven Zeit den Arbeitgeber über das Gehalt hinaus noch Kranken- und Sozialversicherungsbeiträge und ist deswegen teurer als ein Beamter. Das kehrt sich im Ruhestand um: Der Pensionär ist üppig alimentiert, und seine Pension steigt sogar weiter, wenn er gar nichts dafür tut. So werden von den anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst – die ersten Streiks stehen bevor – nicht nur die streikenden Tarifbeschäftigten profitieren, sondern überproportional die Beamten und Pensionäre, da deren Bezüge daran gekoppelt sind.Dass ein Beamter schon nach fünf Jahren Tätigkeit mehr Pensionsansprüche hat als der deutsche Durchschnittsangestellte nach 45 Jahren an Rente erwarten kann, ist für letzteren kaum nachvollziehbar. Bei der Rente liegt der Durchschnitt bei 1099 Euro – bei der Pension bei 3340 Euro.Ein Content Creator als Beamter? AbwegigEs ist daher richtig, dass aus der CDU jetzt erneut ein Vorstoß kommt, die Zahl der Beamten – knapp zwei Millionen gibt es in Deutschland – zu reduzieren und sie nur noch für die staatlichen Kernaufgaben einzusetzen, etwa bei Polizei und Justiz. Es gibt viel zu viele Beamte in Tätigkeiten, die auch in einem Angestelltenverhältnis ausgeübt werden könnten, und das sogar effektiver und besser. Inzwischen gibt es reichlich Wildwuchs – so sucht die Stadt Frankfurt einen „Content Creator“, der die Stadt in den sozialen Medien bewirbt, und sogar dieser soll verbeamtet werden. Auch die vielen Beauftragten für Themen wie Antiziganismus oder Queerfeindlichkeit müssen ganz gewiss nicht im Beamtenstatus abgesichert sein. Die Pensionslasten sind schon jetzt erdrückend und steigen durch jeden weiteren Beamten an. Für rund 1,4 Millionen Pensionäre zahlt der Staat fast so viel wie für rund 20 Millionen Rentner, und angesichts der anstehenden Pensionierungswelle wird dieser Wert noch gewaltig steigen.Zwar hat sich eben erst der CSU-Innenminister Alexander Dobrindt bei der Tagung des deutschen Beamtenbundes vor die Beamten gestellt und sich zum Berufsbeamtentum bekannt. Das ist aber kein Widerspruch zur Position der CDU. Es wäre jetzt an der Zeit, neu zu definieren, welche Bereiche des Staates tatsächlich Beamte brauchen und welche nicht.